Die Kölner Stadtdirektorin Andrea Blome bei der Pressekonferenz nach dem städtischen Krisenstab am 3. Dezember. Foto: Screenshot

Köln | Die Stadt Köln informierte heute zum Infektionsgeschehen in der größten Stadt in NRW, die gleichzeitig auch den höchsten Wert bei der 7-Tage-Inzidenz hat. Interessant der Infektionskontext: Noch immer können 70 Prozent der Neuinfizierten nicht sagen, wo sie sich angesteckt haben. Aber es gibt neue Erkenntnisse zum karnevalistischen Infektionsgeschehen. Zudem schiebt das städtische Gesundheitsamt 2.000 offene und damit unbearbeitete Fälle vor sich her.

Bei den Neuinfizierten, die wussten oder einen Kontext zum möglichen Ort ihrer Infektion herstellten, gaben 567 Menschen einen Bezug zu Karnevalsfeiern am Elften im Elften an. Davon, so das Kölner Gesundheitsamt, feierten 90 Prozent in Innenräumen. Die Feiern fanden unter 2G und teilweise getestet statt. Der Leiter des Gesundheitsamtes Dr. Nießen spricht von Kneipen und privaten Feiern, ohne wirklich konkret zu werden, um welche Art es sich handelte.

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Obwohl nun klar ist, dass Veranstaltungen in Innenräumen wohl besonders problematisch sind, sieht die Stadt keinen Handlungsbedarf für die in rund vier Wochen beginnende Karnevalssession, die zunächst mit Korpsappellen, Proklamationen und Sitzungen vor allem Indoor startet. Auf Nachfrage dieser Internetzeitung verwies Stadtdirektorin Blome auf die Entscheidung von Stadt und Festkomitee an der Session festzuhalten und nicht wie Düsseldorf zu verschieben.

Gleichzeitig sagt der städtische Gesundheitsdezernent Dr. Harald Rau, dass er sich vor einem Szenario von Triage oder Patient*innenverlegungen innerhalb Deutschlands Bilder eines vollen Gürzenich mit Mützenträgern und ausgelassen Feiernden nicht vorstellen kann.

Rau machte noch einmal deutlich, dass er die Karnevalsfeiern rund um den Elften im Elften aus den vom ihm interpretierten Zahlen nicht als Pandemietreiber identifiziere, aber eben wissenschaftlich einen Nichtzusammenhang nicht beweisen könne. Gleichzeitig warnte Rau vor der großen Gefahr, denn 1 Prozent der Infizierten werden sterben. Dies bedeute, wenn Köln 800 Neuinfektionen melde, werden davon 8 Menschen sterben.

Sowohl Stadtdirektorin Andrea Blome, wie auch Gesundheitsdezernent Rau glauben nicht daran, dass die Infektionszahlen in den nächsten Wochen signifikant sinken werden.

Für die Veranstalter von karnevalistischen Veranstaltungen dürfte die Lage damit nicht klarer werden. Allerdings müssen in Kreisen oder kreisfreien Städten wie Köln ab einer Inzidenz von über 350 alle Kontakte reduziert werden. Aktuell liegt die Kölner Inzidenz über 450. Auch Clubs und Diskotheken müssen über 350 ihren Betrieb einschränken. Bei Großveranstaltungen dürfen nur 30 bis 50 Prozent der Kapazität genutzt werden und in Ländern mit hoher Inzidenz müssen die Veranstaltungen abgesagt werden.

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