Das Kölner Bildungsmonitoring wertete die Sprachtests aus. Als wesentliche Ursachen für die Sprachdefizite stellte das Bildungsmonitoring Kinderarmut und die sozialen Verhältnisse, in denen die Kinder aufwachsen, fest. Der Delfin 4-Test wird bei Vierjährigen in Kindergärten durchgeführt. Damit stellt das Schulamt zwei Jahre vor der Einschulung fest, welche Kinder eine Sprachförderung benötigen. So soll erreicht werden, dass jedes Kind von der ersten Schulklasse an dem Unterricht folgen und sich daran beteiligen kann. Die Auswertung der Sprachstandserhebung der letzten beiden Jahre ist Teil des kommunalen Bildungsmonitorings, das derzeit im Rahmen des Programms „Lernen vor Ort“ entwickelt wird. Hierbei wurde neben der Familiensprache auch der soziale und ökonomische Hintergrund der Kinder betrachtet.

Auch deutschsprachige Kinder haben Defizite
Die Sprachstandserhebung belege, dass bei rund der Hälfte der 2009 in Köln getesteten Kinder in der Familie nur Deutsch gesprochen wird. 22 Prozent der Kinder wachsen zweisprachig auf, während 17 Prozent Zuhause mit Deutsch überhaupt nicht deutsch sprechen. Von den zu fördernden Kindern sind es 40 Prozent, bei denen Deutsch nicht die Familiensprache ist. Aber auch, wenn in der Familie Deutsch gesprochen wird, sind die sprachlichen Fähigkeiten nicht unbedingt ausreichend: So haben 21 Prozent aller deutschsprachigen Kinder und 29 Prozent der Kinder, die zweisprachig aufwachsen, Förderbedarf.

Während der Stadtbezirk Lindenthal die geringste Quote von 10 Prozent aufweist, findet man in Kalk mit 40 Prozent den höchsten Sprachförderbedarf. Ein ähnliches Bild findet sich in Chorweiler mit einem Bedarf von 39 Prozent. In neun von insgesamt 86 Stadtteilen hatte 2009 mindestens jedes zweite Kind einen hohen Bedarf an Förderung in der deutschen Sprache. Eine Analyse belege einen starken Zusammenhang zwischen Kinder mit Sprachförderbedarf und Kindern, die von Hartz-IV leben, verkündete die Stadt heute. Es zeige sich, dass gerade schwierige soziale Verhältnisse Sprachdefizite begünstigen. Demnach seien weder der Migrationshintergrund noch die Familiensprache allein für eine höhere Sprachförderquote verantwortlich.

Stadt will Mehrspachigkeit fördern
Laut neuen sprachwissenschaftlichen Studien lernen Kinder mit Migrationshintergrund die deutsche Sprache einfacher und besser, wenn sie auch ihre Herkunftssprache gut beherrschen – selbst dann ,wenn sie Zuhause kein Deutsch sprechen. Um die Sprachkompetenz dieser Kinder zu fördern, will die Stadt nun das mehrsprachige Angebot in Kindertagesstätten und Grundschulen ausgebauen. Bisher gibt es in Köln 19 bilinguale Kindertageseinrichtungen, die Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch und Russisch anbieten. Die Stadt Köln startete im November 2010 modellhaft in zwei Kindertageseinrichtungen mit bilingualen Angeboten in türkischer und russischer Sprache. Im Sommer 2012 wird entschieden, ob dieses Konzept auch auf andere Kindertagesstätten übertragbar ist.

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Foto: hofschlaeger/www.pixelio.de]

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