Symbolbild Stadtbahn der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB)

Köln | Wo fährt die Stadtbahnlinie 8 in Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Mülheimer Bezirksvertretung (BV Mülheim) und stimmte ab. Pikant: Die Entscheidung kam durch die Stimmen der AfD zustande. Es gibt Kritik.

Für die geplante Stadtbahnlinie 8 gibt es zwei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze. Die einen sagen, darunter die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) die Menschen aus dem rechtsrheinischen Köln wollen ins linksrheinische Köln und unterfüttern diese Ansicht mit einer Machbarkeitsstudie. Auf der anderen Seite gibt es die, die die Rheinquerung in Frage stellen und von einer rechtsrheinischen Niederflurbahn mit Umsteigepunkten überzeugt sind. Das ist etwa die ARGE Umweltverbund – Rechtsrheinische Straßenbahn.

In der Mülheimer Bezirksvertretung haben sie abgestimmt für die Lösung der KVB mit Führung der Stadtbahnlinie 8 über die Severinsbrücke ins linksrheinische Köln auf der Trasse der schon bestehenden Stadtbahnlinien 3 und 4. SPD, CDU und FDP stimmten gemeinsam mit AfD für diese Lösung. Ohne die Stimmen der AfD in der Bezirksvertretung Mülheim hätte diese Variante keine Mehrheit bekommen. So könnte eine Stadtbahnlinie 8 kommen, die zwar den Mülheimer Süden in der Deutz-Mülheimer Straße anbindet, aber dann in Deutz auf die Trasse der Linie 3 und 4 gelenkt wird. Die Grünen in der BV Mülheim sprechen von einer Redundanz.

Die Kritiker zeigen sich enttäuscht

Die Kritiker bringen Argumente gegen die jetzt abgestimmte Variante ein. Sie wollen Niederflurbahnen für die Stadtbahnlinie 8 und diese ganz anders anbinden. Aus Flittard und Stammheim kommend könnte eine rechtsrheinische Bahn ebenfalls durch die Deutz-Mülheimer Straße bis zum Bahnhof Deutz/Messe geführt werden und von dort weiter über den Deutzer Hafen bis nach Poll und Porz. Der Charme dieses Vorschlags liegt an drei Punkten: Damit würden große Neubauareale wie das Lindgens-Gelände, das Otto-Langen-Quartier und auf der anderen Seite der Deutzer Hafen bis hin nach Porz mit den S-Bahnen und ICE Halten im Deutzer Bahnhof verknüpft. An den bestehenden Knotenpunkten könnten die Menschen umsteigen, um auf die andere Rheinseite zu wechseln und die bereits verkehrenden Linien könnten im Takt verdichtet werden.

Bei der jetzt abgestimmten Variante und Führung der Stadtbahnlinie 8 über die Severinsbrücke befürchten die Kritiker Verspätungen und Ausfälle durch die schon aktuell verstopften Innenstadttunnel. „Es ist enttäuschend wie wenig die Politik auf die Interessen von Fachverbänden und Bürgerschaft reagiert. Für ganz viele Menschen im Rechtsrheinischen wäre die direkte Anbindung des Deutzer ICE-Bahnhofs eine große Verbesserung. So sind weitere Wege zu gehen, die mit den erzwungenen Umsteigen länger dauern. Eine ehrliche Verkehrswende geht anders“, so Engelbert Becker von der Arge. Durch den Beschluss würden jetzt Hochflurfahrzeuge bestellt, so eine weitere Befürchtung.

„Wir sind sehr enttäuscht von der Politik, die die Chancen einer Niederflurbahn im rechtsrheinischen Köln nicht erkannt hat. Wir haben seit 2015 viele zustimmende Gespräche geführt und sie von der Idee einer Niederflurstraßenbahn überzeugt. Doch die Mülheimer Politiker:innen von AfD, CDU, FDP und SPD lassen sich von einer KVB bestimmen“, so Roland Schüler von der Arge.

Bei der ARGE Umweltverbund – Rechtsrheinische Straßenbahn in der sich der VCD Regionalverband Köln und Umgebung e.V., die nachbarschaft köln-mülheim-nord e.V. und die Initiative RRX für Mülheim zusammengeschlossen haben, hoffen sie nun, dass die Bezirksvertretung Innenstadt einen Gegenpol zur Entscheidung der BV Mülheim aufbaut. Zudem, so der Appell der Arge, müssten die Bezirksvertretungen in Porz und Kalk erkennen, dass „ihre Bürger:innen bei der KVB-Einfachstlösung ohne Netzwirkung einen auf Dauer schlechteren Nahverkehr bekommen.“