Musik als Brücke zu den Heiligen
Auch wenn die Heiligen uns in Kirchennamen nach wie vor begegneten, so seien sie doch größtenteils aus unserem Alltag verschwunden, erklärte Maria Spering von „musik +konzept“. Gerade über die Musik sei es möglich, eine Brücke zur Vergangenheit zu schlagen und den „Heiligen“ eine Bühne zu geben. Dabei ist den Konfessionen keine Grenze gesetzt, denn die Musik stammt sowohl aus dem katholischen, orthodoxen und evangelischen Umfeld als auch dem Zen-Buddhismus. Da die „Heiligen“ die inhaltliche Klammer des Festivals bilden, können die Besucher sowohl dem heilig gesprochenen Kaiser Karls den Großen, der heiligen Ursula aber auch der heiligen Cäcilia begegnen. Die Konzerte, die an insgesamt drei Tagen stattfinden werden, können in der St. Aposteln, St. Cäcilien Museum Schnütgen, St. Gereon, der Kunst-Station Sankt Peter, St. Maria im Kapitol und St. Ursula erlebt werden.

Japanisches Priesterensemble gedenkt Opfern der Erdbebenkatastrophe
Zum Auftakt des Festivals interpretiert die Lautten Compagney Berlin unter Leitung von Wolfgang Katschner unter anderem Psalm-Motetten und Lieder des evangelischen Urkantors Johann Walter. Dem Eröffnungsauftritt folgt das japanische Priesterensemble „Zen Kûge Ryûginkai“. Auf seiner ersten Deutschlandtournee stellt es den japanischen Shômyô-Gesang der zen-buddhistischen Sôtô-Schule vor. Deren Zeremonie-Gesänge seien als Lobpreisung Buddhas zu verstehen, der ebenfalls ein Heiliger war. Zum Abschluss ihres Konzertes wird das Priesterensemble noch ein kurzes Gedenkritual für die Toten der Erdbebenkatastrophe vom 11. März 2011 in Nordjapan und zur Befriedung ihrer Seelen zelebrieren. Da die thematischen Bezüge zum Thema „Heilige“ auf verschiedenen Ebenen zu erleben sein werden, könne dieser Beitrag das „fremde“ Element des Festivals verkörpern.

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Foto unten: Zen Kûge Ryûginkai


Kaiser Karl der Große – Interpretationen von Heiligenpreisung aus drei Jahrhunderte
„Karl der Große – Kaiser und Heiliger“ ist das Konzert von Sequentia betitelt, das von Benjamin Bagby geleitet wird. Am 7. Juli steht die Heiligenliturgie für Karl den Großen im Mittelpunkt von St. Gereon. Das Ensemble ist erstmal seit 1997 wieder im Rahmen des Romanischen Sommers in Köln zu erleben. Im zweiteiligen Programm werden Gesänge aus der späten Lebenszeit des Kaisers (9. Jahrhundert) und viel jüngere Heiligengesänge aus dem 12. Jahrhundert verarbeitet. Die Rekonstruktion der Vorlagen mache eine besondere Art der Interpretation nötig aber auch möglich. Die Musik des Mittelalters für die Heilige Ursula aus den Offizien der Kölner Dom- und Erzdiözesanbibliothek ist zuvor in St. Ursula von Ars Choralis Coeln unter Leitung von Maria Jonas zu hören. Einen anderen Akzent mit Kompositionen von Galina Ustwolskaya und Karlheinz Stockhausen aus dem späten 20. Jahrhundert setzt das Konzert am 7. Juli in der Kunst-Station Sankt Peter mit Mitgliedern der musikFabrik und der Sopranistin Agata Zubel.

Höhepunkt: Romanischen Nacht in St. Maria
In der größten der romanischen Kirchen Kölns, in der Basilika St. Maria im Kapitol, begegnen unter dem Festivalthema "Heilige" uralte Formen europäischer Polyphonie, wie Gesänge aus Sardinien, Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4 G-Dur in Kammerfassung mit Christiane Oelze als Solistin und dem Thomas Christian Ensemble. Moderne Musik von Sofia Gubaidulina oder John Cage bildet einen Kontrast zu religiösen Chorwerken von Purcell und Bach mit dem Kölner Kammerchor unter Peter Neumann und Instrumentalwerken des Barock mit dem Fagottisten Sergio Azzolini.

Das Programm im Überblick
»Gesänge des Salomon«
Johann Walther und die Musik der Reformationszeit
Mittwoch, 06.07.2011 – 20 Uhr – St. Aposteln

Über »Heilige Männer«
Priesterensemble „Zen Kûge Ryûginkai“ der zen-buddhistischen Sôtô-Schule (Japan)
Mittwoch, 06.07.2011 –  22 Uhr – St. Cäcilien / Museum Schnütgen

Schwarze Tränen – Musik des Mittelalters für die Heilige Ursula aus den Offizien der Kölner Dom- und Erzdiözesanbibliothek (13. Jh.) , dem Anna von Hachenberch Codex aus dem Museum Schnütgen (um 1520) und dem Riesencodex der Heiligen Hildegard von Bingen
Donnerstag, 07.07.2011 – 17 Uhr – St. Ursula

»Karl der Grosse. Kaiser und Heiliger«
Sequentia – Ensemble für Musik des Mittelalters
Donnerstag, 07.07.2011  – 20 Uhr – St. Gereon

Galina Ustwolskaya: Composition No. 1 »Dona nobis pacem«
Karlheinz Stockhausen: »Pietà«
Donnerstag, 07.07.2011 – 22 Uhr – Kunststation St. Peter

ROMANISCHE NACHT
Freitag, 08.07.2011 – 20:00 bis 1:30 Uhr – St. Maria im Kapitol

Sardische a-cappella-Polyphonie: Hirtengesänge
Cuncordu e Tenore de Orosei
Freitag, 08.07.2011 – 20:00 Uhr – St. Maria im Kapitol

Gustav Mahler: Symphonie Nr. 4 G-Dur in der Kammerfassung von Erwin Stein
Christiane Oelze, Sopran . Thomas Christian Ensemble
Freitag, 08.07.2011 – 20:45 Uhr – St. Maria im Kapitol

Sofia Gubaidulina: »Et expecto« und »De profundis«
John Cage: »Dream«
Freitag, 08.07.2011 – 21:45 Uhr – St. Maria im Kapitol

Henry Purcell: »Ode for St. Cecilia’s Day – Welcome to all the pleasures«
Johann Sebastian Bach: Kantate »Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen« BWV 12
Georg Friedrich Händel: Psalm 109 »Dixit Dominus«
Kölner Kammerchor . Collegium Cartusianum . Peter Neumann, Leitung
Freitag, 08.07.2011 – 22:30 Uhr – St. Maria im Kapitol

Antonio Vivaldi: Heiligen gewidmete Instrumentalwerke
L’Aura Soave di Cremona . Sergio Azzolini, Fagott
Freitag, 08.07.2011 – 23:55 Uhr – St. Maria im Kapitol

Geistliche a-cappella-Hymnen aus Sardinien
Cuncordu e Tenore de Orosei, Sardinien
Samstag, 09.07.2011 – 1:00 Uhr – St. Maria im Kapitol

Infobox: Das Festival "Romanischer Sommer"
Der „Romanische Sommer“ entstand in Kooperation mit dem WDR, der sämtliche Konzerte innerhalb einer Woche sendet, drei davon live. Das Festival wird unterstützt von der Stadt Köln, dem Förderverein Romanische Kirchen Köln e.V., dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, Toyota und der Agency for Cultural Affairs. Tickets und ein detaillierte Programme sind allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

[asch, Foto:
Zen Kûge Ryûginkai]

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