Berlin | aktualisiert | Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) hat neue Streiks bei der Deutschen Bahn angekündigt. Bahn ab Montag im Notfahrplan. Lauterbach kritisiert Bahnstreik.

Die Lokführer wollen von Samstag bis Mittwoch die Arbeit niederlegen, sagte GDL-Chef Claus Weselsky am Freitag in Berlin. Im Güterverkehr sollen die Maßnahmen demnach am Samstag um 17 Uhr beginnen, der Personenverkehr und die Bahn-Infrastruktur sollen von Montag, 2 Uhr, bis Mittwoch, 2 Uhr, bestreikt werden.

Werbung

Weselsky begründete die neuen Streiks damit, dass die Bahn bisher „keinerlei Einlenken“ in dem Tarifkonflikt erkennen lassen habe. Die GDL fordert Lohnerhöhungen von rund 3,2 Prozent und eine einmalige Sonderzahlung in Höhe von 600 Euro. Bisher wurden vier Verhandlungsrunden geführt.

Es war allgemein erwartet worden, dass am Freitag neue Streiks bei der Bahn angekündigt werden, da die GDL bereits im Vorfeld beklagt hatte, dass weiterhin „kein verhandelbares Angebot“ vorliege.

DGB-Chef zweifelt an Legitimität des Lokführerstreiks

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, zweifelt an der Legitimität des Bahnstreiks und fordert die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) zum Einlenken auf. „Lösungen werden am Verhandlungstisch erstritten, an den sollte GDL-Chef Claus Weselsky Anfang nächster Woche zurückkehren“, sagte Hoffmann dem „Spiegel“. Im Zentrum der Auseinandersetzung stünden nicht die Interessen der Bahn-Beschäftigten, sondern die Überlebensfähigkeit der GDL, so Hoffmann.

In den meisten Bereichen der Bahn habe diese keine oder kaum Mitglieder, hier habe Weselsky „kein Mandat und damit keine Legitimation“ für einen Arbeitskampf. Scharfe Kritik übte der DGB-Vorsitzende auch am Chef des Deutschen Beamtenbunds, der sich in dieser Woche mit der GDL solidarisiert und die größere Eisenbahnergewerkschaft EVG angegriffen hatte. „Die Polemik von Ulrich Silberbach gegen eine Mitgliedsgewerkschaft des DGB ist unerträglich“, so Hoffmann.

„Die EVG ist mit Abstand die größte Eisenbahnergewerkschaft, das weiß auch Herr Silberbach.“ Hoffmann wirft Weselsky vor, die Belegschaft zu spalten. In einer Urabstimmung hatten sich die Anhänger der GDL vergangene Woche für einen Streik entschieden und zwei Tage lang Güter- wie Personenverkehr lahmgelegt.

Sie fordern 3,2 Prozent mehr Lohn über eine Laufzeit von 28 Monaten, die Bahn bietet 40 Monate an.

Deutsche Bahn erneut mit Notfahrplan während GDL-Streik

Die Deutsche Bahn stellt beim angekündigten zweiten Streik der Lokführer-Gewerkschaft (GDL) erneut einen Notfahrplan auf. Das bundesweite Angebot im Fernverkehr werde wieder auf rund ein Viertel reduziert, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Im Regional- und S-Bahnverkehr peile man erneut etwa 40 Prozent des Zugverkehrs an.

Die Anzahl der angebotenen Züge werde jedoch je nach Region stark schwanken. Im Güterverkehr wolle man gemeinsam mit externen Partnerbahnen „versorgungsrelevante Züge“ aufs Gleis setzen. In der zweiten Streikwelle sollen nach Angaben der Bahn mehr Züge fahren als bei ersten Streik in der vergangenen Woche.

Im Fernverkehr sollten etwa 20 zusätzliche Züge pro Tag unterwegs sein, etwa zwischen Berlin und Bayern oder auch auf der Strecke zwischen Hamburg/Berlin, Flughafen Frankfurt und Stuttgart, hieß es. Dabei hätten die besonders stark genutzten Verbindungen sowie die Anbindung wichtiger Bahnhöfe und Flughäfen Priorität. Auf ausgewählten Hauptachsen sei wieder ein zweistündliches Angebot vorgesehen.

Dennoch fordert der Konzern Fahrgäste auf, Ihre Reise auf die Zeit vor oder nach dem Streik zu verschieben. Man könne nicht garantieren, dass alle Reisenden wie gewünscht an ihr Ziel kommen. Bereits gebuchte Tickets ab Freitag flexibel genutzt werden könne.

Diese Möglichkeit wird laut Bahn auf zehn Tage nach Streikende ausgedehnt. Alle bereits gebuchten Fahrkarten des Fernverkehrs für Strecken, die vom 23. bis einschließlich 24. August vom GDL-Streik betroffen sind, behalten demnach ihre Gültigkeit – sie bis einschließlich 4. September genutzt werden. Bei „Sparpreisen“ und „Super Sparpreisen“ wird die Zugbindung aufgehoben. Zudem könnten Fahrkarten kostenfrei erstattet werden, teilte die Bahn mit. Am Freitagmittag hatte die GDL den weiteren Ausstand bei der Deutschen Bahn angekündigt. Dabei wird der Personalverkehr von Montag, 2 Uhr, bis Mittwoch, 2 Uhr, bestreikt. Ab 25. August erwartet die Bahn wieder einen „weitgehend regulären Bahnbetrieb“.

Lauterbach: Bahn-Streik kommt „zur Unzeit“

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach kritisiert den Zeitpunkt des erneuten Arbeitskampfes der Lokführer. „Dieser Streik kommt zur Unzeit“, sagte er der „Bild“. Man befinde sich am Beginn einer „fulminanten“ vierten Corona-Welle, die vor allem Kinder und deren Eltern gefährde.

„Die Mitarbeiter der Bahn haben jedes Recht zu streiken, nur wäre aus epidemiologischer Sicht ein späterer Zeitpunkt besser“, so Lauterbach. Er selbst komme aus einer Arbeiterfamilie und habe oft miterlebt, wie sein Vater als Vorarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen die Arbeit niederlegte. „Ich muss mich von Herrn Weselsky also nicht über das Recht zu streiken belehren lassen“, sagte der SPD-Politiker zu Weselskys öffentlicher Kritik an Lauterbachs Warnungen vor Streiks inmitten der Corona-Pandemie.

Er solidarisiere sich mit dem Personal und den Forderungen nach mehr Personal und Lohn, fügte der Gesundheitspolitiker hinzu.

Autor: dts

Werbung