Die Kultur- und Kreativwirtschaft braucht auf nationaler und auf europäischer Ebene mehr Unterstützung, um ihren Beitrag zur Erreichung der Wachstums- und Beschäftigungsziele der Lissabon-Agenda leisten zu können. Dieses Fazit zog die Europäische Jahrestagung Kultur- und Kreativwirtschaft am 1. Juli 2008 in der Landesvertretung Nordrhein-Westfalen in Brüssel. Veranstalter waren das Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, die RUHR.2010 GmbH als Organisator der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 „Essen für das Ruhrgebiet“, die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Brüssel und die Konrad-Adenauer-Stiftung in Brüssel. Nach der im November 2006 veröffentlichten Studie „Kulturwirtschaft in Europa“ wurden im Jahr 2004 rund 5,8 Millionen Beschäftigte in der europäischen
Kultur- und Kreativwirtschaft – u. a. im Buch- und Pressemarkt, der Musikwirtschaft, Filmwirtschaft, dem Kunstmarkt, dem Architektur- und Designmarkt, in der Werbung und der Software- und Gamesindustrie – gezählt. Damit leisteten die Kreativbranchen einen Beitrag von 2,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt in Europa, der zum Teil höher liegt als der der klassischen Industriebranchen (Ernährungsbranche 1,9 Prozent, Chemische Industrie 2,3 Prozent).

Vorreiter NRW im Kultur- und Kreativwirtschaft
Wirtschaftsministerin Christa Thoben stellte die Vorreiterrolle des Landes Nordrhein-Westfalen im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft heraus: Der erste Kulturwirtschaftsbericht des Landes Nordrhein-Westfalen wurde im Jahr 1992 vorgelegt; in der Folge sind fünf Kulturwirtschaftsberichte in Nordrhein-Westfalen erschienen. „Kein anderes Land in Deutschland und Europa hat eine so lange Tradition in der Erforschung und Förderung dieses Wirtschaftssektors“, betonte Ministerin Thoben. Der hohe Stellenwert der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Landespolitik zeige sich u. a. daran, dass sie zu den fünf profilbildenden Leitmärkten des Landes gehöre.

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Die „Essener Erklärung“
Ministerin Thoben überreichte Dr. Peter Dröll, Abteilungsleiter „Innovationspolitik“ der Generaldirektion Unternehmen und Industrie der Europäischen Kommission die „Essener Erklärung 2007“. Die Essener Erklärung fasst die Ergebnisse des vom Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen und der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen veranstalteten internationalen Kongresses „Wandel durch Kulturwirtschaft – Perspektiven einer Zukunftsbranche“ vom 17./18. September 2007 in 10 Leitsätzen zusammen. Sie baut auf dem in Nordrhein-Westfalen veranstalteten internationalen Fachkongress von 1999 auf, der im Rahmen der deutschen EURatspräsidentschaft stattfand und dessen Ergebnisse Eingang in die beschäftigungspolitischen Leitlinien der EU-Kommission gefunden haben. Die von den über 300 Teilnehmern des Kongresses verabschiedete Essener Erklärung macht deutlich, dass Wissen und Kreativität die wichtigsten Potenziale im globalen Wettbewerb wie auch für die Stärkung lokaler und regionaler Ökonomien sind. Programme zu ihrer Unterstützung brauchten einen langen Atem.

Kultur als Mittel des Dialogs in Europa
Dr. Jürgen D. Wickert wies auf das besondere Engagement der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft hin. Die Stiftung ermöglichte bereits die Durchführung einer Jahrestagung Kulturwirtschaft auf Bundesebene in Berlin. Sie wolle auch auf Brüsseler Ebene dazu beitragen, dass die Kreativbranchen die erforderliche Unterstützung fänden. Dr. Peter Weilemann, Konrad-Adenauer-Stiftung, betonte die Bedeutung von Kultur als Mittel des Dialogs in Europa. Die Konrad-Adenauer-Stiftung fördere deshalb den Dialog zwischen Kulturschaffenden und Bürgern, zwischen Kultur und Politik und zwischen den verschiedenen Kultursparten. Dass gerade die Kulturschaffenden einen wichtigen Beitrag zum internationalen Renommee der „Marke Deutschland“ leisteten, sei das Ergebnis einer Veranstaltung jüngst in Berlin gewesen. Diese Botschaft auch auf europäische Ebene zu transportieren sei mit Ziel der heutigen Tagung.

Metropole Ruhr auf Augenhöhe mit Berlin und Paris
Ein Schwerpunkt der Tagung war die aktuelle Situation der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Metropole Ruhr und die Vorstellung von Praxisbeispielen. Wie Prof. Dieter Gorny, Direktor für das Themenfeld Kreativwirtschaft der Europäischen Kulturhauptstadt 2010 „Essen für das Ruhrgebiet“ betonte, hat die 5,3 Millionen Einwohner zählende Metropole Ruhr mit ihren rund 20.000 Kultur- und Kreativunternehmen das Potenzial, zu einer neuen kreativen Metropole Europas zu werden – auf Augenhöhe mit Paris und Berlin. „Diese Entwicklung wollen wir im Rahmen der Kulturhauptstadt
Europas 2010 mit Nachdruck vorantreiben und ihr durch eine Vielzahl von Maßnahmen und Projekten Nachhaltigkeit verleihen. Dazu wollen wir Kreative aus ganz Europa in die neue Metropole einladen, um Kreativwirtschaft hautnah zu erleben – z.B. in der größten Clubszene Europas, auf dem Living Games-Festival oder bei der Verleihung des Deutschen Entwicklerpreises.“

[jb/ Quelle: Landesregierung NRW]

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