Großes Polizeiaufgebot am Gymnasium Kreuzgasse an der Vogelsanger Straße: Ein Beutel voll mit Marihuana und eine Leiche wurden entdeckt. Doch es kann Entwarnung gegeben werden: Beide Straftaten wurden von der Kölner Polizei inszeniert, um das Berufsbild Polizeibeamter anschaulich darzustellen. Präsentiert wurden Techniken und Ausrüstungen, die für einen Polizeibeamten zum Alltag gehören. Die Schüler konnten zuschauen, wie ein Tatort abgesichert wird (inklusive künstlicher Leiche), und konnten miterleben, wie Polizeihunde auf Drogensuche gehen oder einem Angreifer keine Chance lassen. Zudem bestand für interessierte Schüler die Möglichkeit, Fragen rund ums Thema Polizeiausbildung zu stellen – Auszubildende berichteten ausführlich über ihre Erfahrungen.


Hier hat kein Angreifer eine Chance. Die Kölner Polizei präsentierte ihre gut ausgebilteten Polizei- und Spürhunde. Innenminister Ralf Jäger (rechts) steht respektvoll daneben.


Innenminister Ralf Jäger sitzt Probe auf einem Polizeimotorrad.

Bachelor-Abschluss inklusive
1.100 Polizeianwärter wurden zum laufenden Jahr eingestellt. Zum 1. September 2011 werden es sogar 1.400 sein. Diese Zahl will man auch im Jahr 2012 halten, so Innenminister Jäger. „Es ist ein unglaublich vielfältiger Beruf“, befand er. Besonders hervor hob er den hohen Praxisanteil, die Teamarbeit und den Bachelor-Abschluss, den die Absolventen am Ende in der Tasche hätten. Seit dem 1. September 2008 erfolgt die Ausbildung zum gehobenen Polizeivollzugsdienst in Nordrhein-Westfalen im Rahmen eines Bachelor-Studiengangs – anstelle des früheren Diploms (der mittlere Dienst wurde 2003 abgeschafft). Der Jahrgang, der jetzt vor dem Abschluss steht, ist somit der erste, der diesen Abschluss anstrebt.

Polizeibeamte mit Migrationshintergrund wichtig
Jäger wies außerdem darauf hin, dass die Polizei unbedingt junge Menschen mit Migrationshintergrund suche. „Es ist völlig egal, wo man herkommt“, so der Innenminister, „wichtig ist es, dass man über Sozialkompetenz, Empathie und die richtigen Charakterzüge verfügt.“ Im vergangenen Jahr hatten elf Prozent der Anwärter einen Migrationshintergrund. Wenn es nach Jäger ginge, soll diese Zahl noch weiter steigen. Auszubildende Shawar Dogar, mit Eltern aus Pakistan, unterstützt diese Meinung: Auch wenn ein pakistanischer Hintergrund in Köln nicht so dringend benötigt würde, würde in vielen Situationen ein solcher Migrationshintergrund deeskalierend wirken. Für Özlem Tekin, ebenfalls Auszubildende, hat die Sache noch einen viel simpleren Wert: „Es hilft z. B. auch älteren Menschen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind“, so die junge Deutsch-Türkin.


Jan Claßen, Özlem Tekin, Shawar Dogar und René Berg (v.l.) stehen kurz vor dem Abschluss ihres Studiums.

Ab 1. Juli Online-Bewerbung möglich
Drei Jahre dauert das Studium zum gehobenen Polizeibeamten. In dieser Zeit werden drei Bausteine intensiv abgearbeitet: Theorie (an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW), Training (beim Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW) und Praxis (in den Kreispolizeibehörden). „Der theoretische Teil ist im Prinzip ein kleines Jurastudium“, so Jan Claßen, einer der Auszubildenden, die sich den Fragen der Schüler heute stellten. Am Ende des Studiums stehen zunächst ein Jahr Einsatzbereitschaft an. Dort fahre man quasi als „dritter Mann“ mit auf Streife, erklärte Dogar. Im Anschluss daran kommt man drei Jahre in den Wechseldienst, wo man sämtliche Stationen durchläuft. Erst dann hat man die Möglichkeit, sich für einen der 66 Fachbereiche des Polizeidienstes zu entscheiden. Für den Ausbildungsjahrgang September 2012 können Interessierte sich ab dem 1. Juli 2011 direkt online auf der Internetseite der Polizei NRW bewerben, voraussichtlich werden noch bis zum 3. November Bewerbungen angenommen.

Dominic Röltgen für report-k.de | Kölns Internetzeitung

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