Köln | Das Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum (RJM) geht dem Phänomen der Kunstfälschung auf dem globalen Kunstmarkt mit der Ausstellung „Tatort Kambodscha? Einer Fälschung auf der Spur“ nach. Die Sonderausstellung im ehemaligen JuniorMuseum zeigt auf 200 Quadratmetern drei Schwerpunkte: „Einer Fälschung auf der Spur“ mit der Entlarvung der Fälschung, den ethnologischen Forschungsergebnis-sen im Bereich „Von der Kopie zur Fälschung – Eine Metamorphose“ und den naturwis-senschaftlichen Erkenntnissen im Bereich „Schichten und Geschichten – wie entdeckt man eine Fälschung?“.

Der internationale Markt mit Khmer-Kunst aus dem 9. bis 15. Jahrhundert boome, so das Kölner Museum. Teilweise werden auf dem internationalen Kunstmarkt, so die Experten Millionenpreise erzielt. Dei meisten Khmer-Skulpturen befänden sich heute außerhalb von Kambodscha in Privatsammlungen oder Museen.

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Museum zeigt Genese der Fälschung

Kommissar Zufall führte zu einem spannenden Kunstkrimi. In einer Galerie in Bangkok erlebten Göttinger Wissenschaftler, wie ein deutscher Kunstliebhaber eine vermeintlich echte Khmer-Skulptur samt Echtheits- und Provinienz-Zertifkaten erwarb. Die Wissenschaftler forschten nach und stellten fest, dass das so deklarierte Original eine Kopie war, die in einer Bildhauerwerkstatt in Kambodscha hergestellt wurde. Der Kunstliebhaber hat die Fälschung samt Dokumenten dem RJM überlassen und dieses zeigt jetzt die Fälschung, samt falschen Papieren.

Die Experten erklären, dass in Kambodscha zahlreiche Steinbildhauer Khmer-Skulpturen nach Katalogfotos herstellen. Damit sie antik wirken setzt man die Skulpturen mechanischen und chemischen Prozessen aus. Zur Fälschung werden diese Skulpturen allerdings erst, wenn sie mit falschen Herkunftsangaben veräußert werden. Das RJM stellt fest, dass diese kriminelle Energie aber oft nicht die Steinmetze aufbrächten, sondern kriminelle Händler und Galeristen.
Ob eine Skupltur echt oder falsch ist, können meist nur Naturwissenschaftler nachweisen. Mit Methoden der Hochtechnologie werden dann oft Stein, Verwitterungsprozesse und Alter bestimmt. Aber das RJM warnt, nicht in allen Fällen lasse sich die Identität bestimmen und damit auch, ob es sich um eine Fälschung oder ein Original handele.

[infobox]Hintergrund zur Ausstellung
Die Ausstellung wurde von Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin, Institut für Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen, und Dr. Esther von Plehwe-Leisen, LPL Köln, kura-tiert. Sie zeigt Resultate des ethnologisch-völkerrechtlichen Teams der interdisziplinären Forschergruppe an der Universität Göttingen, „Die Konstituierung von Cultural Property“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das die Spuren der gefälschten Skulptur vor Ort verfolgte. Die naturwissenschaftlichen Beiträge basieren auf den Erfahrungen des German Apsara Conservation Projects (GACP) in Kambodscha gefördert durch das Kul-turerhaltprogramm des Auswärtigen Amts und die TH Köln.

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Buchvernissage

Auftakt und Mitbegleiter des Ausstellungsprojektes ist die im Januar 2017 erschienene Neuauflage der Publikation „Cultural Property and Contested Ownership: The Trafficking of Artefacts and the Quest for Restitution“ von Brigitta Hauser-Schäublin und Lyndel V. Prott. Die Publikation befasst sich anhand von Beispielfällen mit der Frage, ob und, wenn ja, welche Wirkung die 1970 UNESCO-Konvention über den rechtwidrigen Kultur-gütertransfer (wozu der Besitz und Handel mit Kulturgütern gehören, die aus Plünderun-gen, Raubgrabungen und Fälschungen stammen) entfaltet hat; von Deutschland wurde sie erst 2016 verabschiedet. Einen Schwerpunkt bilden Fälle aus Kambodscha.
Hauser-Schäublin, Brigitta, Lyndel V. Prott (Hgs.). 2017. Cultural Property and Contest-ed Ownership: The Trafficking of Artefacts and the Quest for Restitution. Gebundene Ausgabe, Englisch, 260 Seiten, 41 Abbildungen. London: Routledge.

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Öffnungszeiten

Das RJM ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Donnerstag von 10 bis 20 Uhr, am 1. Donnerstag im Monat von 10 bis 22 Uhr (außer an Feiertagen).

Eintritt Der Eintritt zur Sonderschau ist frei.

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Begleitprogramm

 Donnerstag, 6. Juli 2017, 18 Uhr, Vortrag
„Tatort Kambodscha? Von Plünderungen und Fälschungen“
Prof. Dr. Brigitta Hauser-Schäublin, Institut für Ethnologie der Georg-August-Universität Göttingen

Donnerstag, 13. Juli 2017, 18 Uhr, Vortrag

„Echt oder Gefälscht? – Naturwissenschaftler entzaubern eine Khmer Steinskulptur“
Dr. Esther von Plehwe Leisen, LPL Köln

Es gibt regelmäßige öffentliche Führungen durch die Ausstellung: viermal mittwochs (7. Juni, 28. Juni, 12. Juli, 2. August) um 15 Uhr vom Museumsdienst Köln, www.museenkoeln.de, und jeden Sonntag um 14 Uhr von der Museumsgesellschaft.
Die Ausstellung dauert vom 2. Juni bis zum 6. August 2017.

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Autor: Andi Goral

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