Der Wasserpegel des Rheins in Köln sinkt stetig nach unten. Foto: Bopp

Köln | Das Wetter hat große Auswirkungen auf den Rhein. Der Pegel des Fluss sinkt immer weiter. Am Freitag wurden 0,85 Meter gemessen, am Samstag droht sogar ein Pegel von nur noch 80 Zentimetern. Gemessen wird der Pegel an der 688-Kilometer-Marke des Rheins auf Höhe des Heumarktes, kurz nach der Deutzer Brücke.

Sonne satt, ein strahlend blauer Himmel und Temperaturen von über 30 Grad: Der Sommer hat ganz Köln voll im Griff. An Regen ist in den letzten Wochen kaum zu denken. Sonnenanbeter freuen sich über die Hitze, andere dagegen ächzen aufgrund der Situation.

Und das nicht nur wegen der fehlenden Abkühlung, sondern auch wegen des wenigen Wassers. Denn das Wetter hat auch große Auswirkungen auf den Rhein. Das Wasser im Fluss wird immer weniger. Der Rheinpegel hatte in Köln am 5. August erstmals in diesem Jahr die Ein-Meter-Marke unterschritten und stand bei 99 Zentimetern. Seitdem geht es stetig weiter nach unten.

Rheinpegel fällt auf 80 Zentimeter

Am Freitag (12. August) lag der Pegel sogar nur noch bei 84 Zentimeter, für den heutigen Samstag befürchten Experten einen Stand von nur noch 80 Zentimetern. Der Mittelwert des Wassers im Rhein liegt in Köln im August normalerweise zwischen zwei und drei Metern.

Der Rheinpegel steht seit einer Woche unter einem Meter in Köln. Foto: Bopp

Wichtig zu erklären ist dabei, dass der Pegelstand nicht dem Wasserstand entspricht. Die tatsächliche Wassertiefe am Pegel Köln ist 1,11 Meter größer als der angezeigte Pegel. 

Trotzdem hat die Dürre und der Wassermangel im Rhein weitreichende Folgen für die Schifffahrt. Riesige Frachter mit einem Tiefgang von mehr als 2,20 Metern können schon seit Wochen nicht mehr vollbeladen fahren und müssen auf Güter verzichten, um sicher durch den Rhein zu kommen. „Momentan fahren viele Schiffe nur noch mit der Hälfte der Ladung wie sonst, teilweise sogar mit weniger“, verrät Rolf Nagelschmidt.

Der Experte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes der Stadt Köln sagt weiter: „Wenn man bedenkt, dass die Schiffe normalerweise 2700 bis 3000 Tonnen laden können, ist das ein großes Problem und bringt ziemliche Einbußen mit sich.“

Kalkulierte Frachtkosten sind nicht mehr zu halten

Denn die zuvor kalkulierten Frachtkosten sind nicht mehr zu halten. Bei nur einer Auslastung von 50 Prozent wird ein zweites Schiff benötigt, um die komplette Fracht zu transportieren. Damit verdoppeln sich automatisch auch die Kosten. Zudem sind die Dieselpreise aktuell deutlich höher.

Generell schränkt die Trockenheit zurzeit das Geschäft der Frachtschiffe auf dem Rhein und anderen Flüssen in Deutschland stark ein. „Wir dürfen nur noch etwa 50 Prozent der Menge transportieren, die wir transportieren könnten“, sagte der Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt, Roberto Spranzi.

Niedrigwasser im Rhein bekommen viele Branchen zu spüren

Die schwierige Situation bekommen dementsprechend alle Branchen zu spüren: Autofabriken, Chemiewerke, Stahlwerke werden mit Rohstoffen oder etwa Lacken fast nur noch über den Rhein versorgt. Die Unternehmen müssen die höheren Kosten für ein zweites Schiff tragen, wenn sie die komplette Ware sofort benötigen. Die Infrastruktur gerät somit ins Wanken, Produkte werden somit auch für den Endverbraucher wesentlich teurer.

Spaziergänge sollen den Uferbereich des Rheins nicht betreten und verdächtige Gegenstände aufheben. Foto: Bopp

Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Die Stadt Köln warnt Spaziergänger davor, den Uferbereich zu betreten oder verdächtige Gegenstände anzufassen, die durch das Niedrigwasser freigelegt wurden.

Mal sind es Patronen, dann wieder Granaten aus den beiden Weltkriegen. So entdeckten Spaziergänger bei Poll eine Granate aus dem Ersten Weltkrieg. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst transportierte den Blindgänger schnellstens ab.

Wer einen verdächtigen Gegenstand findet, sollte sofort die Telefonnummer der Polizei (110), der Feuerwehr (112) oder des Ordnungsdienstes (0221/221-32000) wählen. Von dort werden sofort alle erforderlichen Maßnahmen in die Wege geleitet.