Thomas Schmeckpeper im Gespräch mit Andi Goral von report-K zum Fortschritt beim Rheinpendel am 19. September 2022.

Köln | Der Rheinpendel Express Köln war eine Idee, hinter die sich viele Parteien im Kölner Stadtrat im Jahr 2019 stellten.

Jetzt floss fast drei Jahre mal mehr und mal weniger Niedrigwasser den Rhein hinab. Was wurde aus dem Prüfantrag für eine neue Form der Mobilität? Die Öffentlichkeit erfährt wenig von der Prüfung und den ersten Zwischenergebnissen. Hier wünscht sich Initiator Schmeckpeper mehr Transparenz, wie er im Gespräch mit Andi Goral sagt. Das Video-Interview von report-K.

Das Video-Interview

Seilbahnen für den ÖPNV sind weder Raketentechnik noch sind sie völlig neu in der öffentlichen Diskussion. Am 21. Mai 2021 nannte der damalige Verkehrsminister und heutige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst ein „Verkehrsmittel der Zukunft“. So stellte sein Ministerium fest, dass Mobilitätslösungen mit Seilbahnen boomten. So wollte schon die schwarz-gelbe Landesregierung die Genehmigungsverfahren für Seilbahnen beschleunigen und änderte entsprechend das Landesgesetz. Verkehrsminister Hendrik Wüst damals: „Seilbahnen sind ein Verkehrsmittel der Zukunft und können ein wichtiger Baustein einer besseren, sicheren und sauberen Mobilität in Nordrhein-Westfalen sein. Deshalb geben wir jetzt dem Seilbahngesetz ein Update, um Planungsverfahren zu vereinfachen und zu beschleunigen.“ NRW passte damals das Seilbahngesetz an geltendes EU-Recht an.

Das Ministerium startete damals eine ÖPNV-Offensive und stellte bis 2031 viel Geld – 2 Milliarden Euro – zur Verfügung. In einer Mitteilung an die Öffentlichkeit schrieb das Ministerium damals: „Für eine bessere, sicherere und sauberere Mobilität können auch Seilbahnen einen Baustein der Personenbeförderung darstellen. Deswegen hat das Ministerium für Verkehr jetzt eine Novellierung des Seilbahn-Gesetzes in den Landtag eingebracht.“

Urban Netways stellte konkrete Berechnungen und Vorstellung vor

Urban Netways stellte im Januar 2021 einen Vorschlag für den Kölner Norden und Leverkusen vor. Zudem schlug der Think Tank vor, dass Köln als Forschungsstandort für urbane und vernetzte Seilbahnsysteme dienen könne. Die Technische Hochschule und Urban Netways planten die Zusammenarbeit, die sie jetzt mit Leben führen. Und es sind die jungen Menschen, die nach dem Projektstand fragen, die Transparenz beim Prüfauftrag fordern, wie Schmeckpeper sagt. Damals schrieb der Think Tank: „Mit einer Seilbahn On Demand zwischen Chorweiler Nord und Leverkusen Mitte halbiert sich die Fahrzeit für Pendler*innen auf 20 Minuten im Vergleich zur S-Bahn und das ganz ohne Wartezeit. Wer von Merkenich mit dem ÖPNV zum Leverkusener Bus- und Bahnfernverkehr über den Rhein möchte, muss aktuell noch in der Innenstadt umsteigen und würde mit der Seilbahn weniger als 10 Minuten benötigen.“

Damals schrieb Prof. Dr. Volker Stölting (TH Köln, Verkehrswesen): “Von der Projektskizze des ‚Rheinpendel‘ motiviert, haben sich bereits Studierende an unserer Hochschule mit dem Thema ‚Urbane Seilbahn‘ und dem konkreten Beispiel Köln wissenschaftlich beschäftigt. Dem Interesse der Studierenden und den Zukunftschancen dieser Technologie werden wir als Hochschule mit dieser Kooperation gerecht. Wir sehen Potenzial für die Region aber auch darüber hinaus und freuen uns auf die Zusammenarbeit.”

Das beschloss der Verkehrsausschuss des Kölner Rates am 26. März 2019

Es war damals ein Antrag der CDU-Fraktion, der Grünen, der FDP und der Ratsgruppe Gut. Sie stellten gemeinsam den Prüfantrag und beschlossen ihn. Damit beauftragte der Rat die Stadtverwaltung,  „die Machbarkeit eines Seilbahnsystems entlang des Rheines zu prüfen. Das System soll den Rhein überquerend die bestehende ÖPNV-Infrastruktur von Nord nach Süd sinnvoll ergänzen und optimieren. In einem ersten Schritt soll die Verwaltung gemeinsam mit der KVB eine erste Einschätzung durch ein externes Verkehrsplanerbüro einholen. Diese umfasst

 den Nutzungsbedarf eine grobe Kostenschätzung  einen Vorschlag zur Streckenoptimierung. Anhand der Ergebnisse wird die Verwaltung dem Verkehrsausschuss einen Vorschlag für das weitere Vorgehen hin zu einer möglichen Realisierung machen.“

Es herrscht Funkstille zu dem Projekt

Thomas Schmeckpeper stellt viele Fragen zum Stand der Prüfung, ob öffentliche Mittel verwandt wurden, wie der Status ist. Auch der Verkehrsausschuss oder Mitglieder haben schon gefragt. Aber es herrscht öffentliche Funkstille. Wollen die Beteiligten, wie die Kölner Verkehrsbetriebe nicht sprechen? Dabei wäre ein elektrisch mit Ökostrom betriebenes Seilbahnsystem ohne viel Personal genau in dieser Zeit ein Segen, in der Buslinien wegen Personalmangel ausfallen und alle von fossilen Antrieben loskommen wollen. Zudem stellt sich die Frage, warum Köln sich nicht um Fördermittel aus dem 2 Milliarden Topf aktiv und schnell bewirbt? Die Öffentlichkeit wartet gespannt auf Antworten.

Mehr Informationen finden sich hier: www.urban-netways.de/rheinpendel-express/