Derya und Kian wurden im November 2021 am Niehler Hafen getötet. Foto: privat

Köln | Ein spektakulärer Prozess vor seinem Abschluss. Noch knapp zwei Wochen, dann werden am 29.August die Schlussplädoyers gehalten. Ein Urteil kann dann schnell fallen und ein monatelanges Martyrium für die Familie der im November 2021 am Niehler Hafen getöteten Derya (†24) und Kian (†4) beendet sein. Ihr Ex-Freund Anil G. hatte die Tat vergangene Woche gestanden.

Das Geständnis habe Erleichterung gebracht, erklärten Angehörige, die die Verhandlungstage im Saal miterlebten und auch selbst aussagten, gegenüber report-K, aber wäre es früher erfolgt, wäre viel Leid erspart geblieben. im Zuge des Prozesses war die Vaterschaft geklärt worden, dass Anil G. definitiv Kians Vater ist.

Die Familie der Getöteten bei Gericht. Foto: privat

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Anil G. hatte sein Schweigen gebrochen. Das Geständnis im Wortlaut:

Ich gestehe, Derya Seyhun und den Sohn Kian getötet zu haben. Ich bereue dies sehr. Mir ist bewusst, dass alle Angehörigen, Freundinnen und Freunde mir nicht verzeihen können und werden. Trotzdem bitte ich sie um Verzeihung. Ihre große Trauer, die in dieser Hauptverhandlung an vielen Stellen zum Ausdruck gekommen ist, ist mir sehr nahe gegangen.

Ich habe Ende September 2021 von Derya erstmalig erfahren, dass ich der Vater ihres Sohnes bin oder sein soll. ich konnte dies nicht glauben. Sie sagte mir, sie habe über die ganzen Jahre einen anderen Mann für den Vater gehalten, dies hätte sich aber jetzt als falsch herausgestellt.

Mir gegenüber hatte Derya niemals auch nur angedeutet, dass ich der Vater sein könnte. Ich hatte das Gefühl in eine Verantwortung hineingezogen zu werden. ohne dass ich den Grund hierfür kannte. Ich war sicher nicht der Vater des Kindes sein zu können, weil zum einen ich bei dem einzigen Verkehr mit Derya damals verhütet hatte und ich nach dem was sie mir damals sagte sicher war, dass sie auch verhütet hätte. Außerdem konnte ich nicht verstehen, dass Derya jahrelang einen anderen Mann als Vater angesehen und angegeben hatte, was sie ja nur tun konnte, wenn sie da auch ganz sicher war.

Nach der ersten Nachricht haben wir dann einige Male miteinander telefoniert. Dabei ging es unter anderem auch darum was jetzt zu tun wäre. Von einem Vaterschaftstest war dabei auch die Rede. Ich habe mir erst erklären lassen wie ein Vaterschaftstest abläuft und wie sicher ein Ergebnis sein würde. ich hatte nichts dagegen. Zum einen war ich sicher, dass ich nicht der Vater sein könnte, zum anderen war es für mich aber auch eine Selbstverständlichkeit, dass ich für den Fall einer Feststellung der Vaterschaft diese dann auch anerkannt hätte und meiner Verpflichtung zur Unterhaltszahlung nachgekommen wäre. Ich habe mich aber auch darüber gewundert, dass Derya nur von Unterhaltszahlungen sprach und nicht darüber was für den Fall, dass ich der Vater wäre, sonst zu tun hätte oder dürfte.

Ich habe mir in dieser Zeit Gedanken darüber gemacht was meine Eltern sagen würden und wie sich verhalten würden, wenn ich ihnen berichten würde, dass ich der Vater des Sohnes von Derya wäre und sich dies erst jetzt herausgestellt hätte. Ich wusste nicht, ob ich so etwas sagen könnte. Ich war mir aber sicher, dass sie mir mindestens große Vorwürfe machen würden.

Vergleichbare Gedanken hatte ich auch in Bezug auf meine Freundin. Bei ihr war ich mir aber fast sicher, dass sie eine solche Vaterschaft akzetieren würden, wenn der Grund für die Vaterschaft Jahre zurückliegen würde. Ich habe bei einem der früheren Telefongespräche mit Derya ihr gesagt, dass ich es gut finden würde, wenn eine eventuelle Vaterschaft meinen Eltern gegenüber geheim gehalten würde. Weiter ist über dieses Thema nicht gesprochen worden.

In dem Telefongespräch am Sonntag haben wir vereinbart, dass wir uns an dem Niehler Molenkopf treffen. Ich wollte nicht, dass uns Bekannte bei einem gemeinsamen Gespräch sehen und hiervon später Dritten gegenüber erzählen. Ich habe dort am Wendebereich der Straße gewartet, bis Derya kam. Zu meiner Überraschung hatte sie den Sohn mitgebracht, wovon sie mir vorher nichts gesagt und womit ich wegen der Uhrzeit auch nicht gerechnet hatte. Wir sind dann aber zu dritt auf dem Gehweg und das letzte Stück in Richtung über die Grünfläche des Einfahrtsbereichs Niehler Hafen gegangen. Derya sagte mir dann auf einmal ich könnte mir Kian ja schon mal ansehen. Vorher habe ich ihn ja noch nie gesehen. Sie tat so, als wenn es sicher sei, dass ich der Vater wäre. Ich fühlte mich in dieser Situation vollkommen überfordert. Ich sagte ihr, dass wir doch erst einmal klären sollten, ob ich der Vater wäre. Ich habe ihr auch gesagt, dass wir doch erst einmal einen Vaterschaftstest machen sollten und das Ergebnis dann abwarten würden. Ich erinnere mich noch daran, dass ich sagte wir müssen ja alle drei an diesem Vaterschaftstest teilnehmen und wir jetzt besprechen könnten wo dieser Test vorgenommen werden würde. Sie ging hierauf aber gar nicht ein. Ich erinnere mich noch daran, dass sie sagte, es hätten noch zwei weitere Männer bereits einen Vaterschaftstest durchgeführt, der negativ verlaufen sei. Ich habe hierzu nichts nachgefragt.

Ich sagte dann noch, dass ich es gut finden würde, wenn ich eine eventuelle Vaterschaft meinen Eltern gegenüber geheim halten könnte und sie bitten würde dies auch zu tun. Das lehnte sie schroff ab. Sie sagte dann noch sie würde Kian meiner Mutter zeigen, die würde das verstehen. Ich erinnere mich daran, dass wir noch sehr aufgeregt weiter redeten. Es gibt keine Entschuldigung für das was dann geschah und es ist der nicht wiedergutzumachende Fehler meines Lebens, dass ich zu meinem Messer grgriffen habe und Derya und Kian in sehr großer Erregung, die ich bei mir vorher nicht gekannt habe, getötet habe. Ich kann bis heute meine Handlungen nicht in Einzelheiten beschreiben, ich war völlig außer mir. Was ich getan habe war fürchterlich. Das hätte niemals passieren dürfen. Ich übernehme die Verantwortung dafür.

Nachfragen der Richterin lehnte Strafverteidiger Gottfried Reims ab. Deryas Familie bestreitet die im Geständnis gemachten Aussagen und hofft jetzt auf das maximale Strafmaß für den Täter, der nach der Tat ins Fitnessstudio und anschließend in eine Shisha-Bar gegangen sein soll: Lebenslang mit anschließender Sicherheitsverwahrung.