Köln | Einem Freund hat es Niklas zu verdanken, dass er seine Leidenschaft für Tennis entdeckt hat. „Er mich zum Training mitgenommen. Mir hat der Sport sofort gefallen“, erinnert sich der 14-jährige Kölner, der seit dreieinhalb Jahren Tennis spielt. Das er das realisieren kann, obwohl er anders als sein Kumpel im Rollstuhl sitzt, verdankt er auch dem Einsatz von Regina Isecke.

Seit 41 Jahren sitzt sie nach einem Autounfall im Rollstuhl. Ihre Begeisterung für den Sport nicht im geringsten verringert – ganz im Gegenteil: Egal ob beim Tischtennis, beim Schwimmen, beim Kugelstoßen, beim Basketball oder beim Tennis – überall hat es Isecke geschafft, unter die besten Sportler ihres Landes und der Welt zu kommen.

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Heute investiert sie ihr Engagement und ihre Kraft für den Nachwuchs. So organisierte Isecke als Erste ein Wochentraining für Rolli-Tennis in Riehl. „Das ist inzwischen in Windhagen angesiedelt. So etwas ist in Deutschland immer noch einzigartig. Insgesamt 20 Kinder und Jugendliche haben wir in den vergangenen fünf Jahren so zum Tennis gebracht“, sagt Isecke stolz.
Am Wochenende hat sie als Projektleiterin bei der Gold-Kraemer-Stiftung das erste von vier Nachwuchscamps in Widdersdorf organisiert. Insgesamt neun junge Sportler sind aus ganz Deutschland in den Kölner Stadtteil gereist, um sich auf dem Tennisplatz noch zu verbessern. Dazu gibt es über zwei Tage verteilt acht Trainingsstunden und Zeit sich untereinander auszutauschen.

„Tennis ist Tennis“

Unterschiede beim Tennis will Isecke nicht gelten lassen: „Tennis ist Tennis egal ob zu Fuß oder im Rollstuhl.“ Und ein Blick auf die Plätze in der Halle reicht, um diese These zu bestätigen. „Es macht Spaß, sich nach jedem Ball zu strecken und um ihn zu kämpfen“, sagt Niklas. Er ist neben dem Tennis auch beim Basketball sportlich im Einsatz. „Mir geht es um den Spaß. Sport ist ein guter Ausgleich.“

Ähnlich sieht das auch Alex aus Bergheim, der seit drei Jahren Tennis spielt. „Das schnelle Fahren ist toll und die körperliche Anstrengung tut mir gut“, erklärt der Neunjährige, der zu Hause auch gerne Tischtennis spielt.

Zu den vier Camps gehört auch ein Nachwuchscup, bei dem die jungen Spieler zeigen können, was sie sportlich drauf haben. „Die Camps und der Cup motivieren die Spieler. Leider ist es schwer, in Deutschland Trainingsangebote für Rolli-Tennis zu finden. Wir hoffen, dass sich mehr Vereine dafür öffnen“, sagt Isecke.

Autor: Stephan Eppinger
Foto: Niklas auf dem Court in Widdersdorf

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