Köln | Rosemarie Trockel, im Hauptberuf Künstlerin, macht jetzt auch in Parfum. Das Kölner Unternehmen scentcommunication brachte soeben ihren Duft „RT“ auf den Markt.

Es ist eine eher unwahrscheinliche Kombination: Rosemarie Trockel, international erfolgreiche Konzeptkünstlerin (Markenzeichen: Strickbilder) und eher auf der Seite der Konsumkritik verortet, hat nun ein eigenes Parfum kreiert. Die Initiative zu dem Vorhaben ging von dem Unternehmen scentcommunication aus. Eine Köln-Kölner Kooperation sozusagen: Die international erfolgreiche Künstlerin hat ihren Wohnsitz in Köln-Hahnwald, das Unternehmen scentcommunication seinen Sitz in Köln-Mülheim. Auch sonst ist Unternehmenschef Robert Müller-Grünow in der Kölner Kunstszene kein Unbekannter. So sitzt er etwa im aktuellen Vorstand der Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig neben Mayen Beckmann, Gabriele Bierbaum, Jörg Engels und Sabine DuMont Schütte.

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Das auf Duftmarketing spezialisierte Unternehmen scentcommunication wurde Anfang 2003 von Robert Müller-Grünow, einem BWL-Absolventen der Universität Köln gegründet. Nach eigenen Angaben entwickelt Scentcommunication „authentische, individuelle und exakt steuerbare Dufterlebnisse“. Als Kunden gibt das Unternehmen u.a. Commerzbank, Deutsche Bahn, Deutsche Telekom, die Sparda Bank und das Hotel de Rome in Berlin an.

Auch für den umtriebigen und medial sehr präsenten Berliner Galeristen Johann König, Sohn des ehemaligen Museum Ludwig-Chefs Kasper König, war scentcommunication bereits tätig. Auf Anfrage bestätigt die König Galerie die ungewöhnliche Zusammenarbeit. Vor einiger Zeit habe es eine „Beduftung“ der Galerie gegeben; (verkaufssteigerndes) Ergebnis unbekannt.

Das Rosemarie Trockel-Parfum „RT“ ist das erste einer neuen Produktlinie von scentcommunication; bei „The Artist Scent Edition“ sollen namhafte Künstler in Zusammenarbeit mit professionellen Parfumeuren gemeinsam ihren Duft entwickeln. Laut Unternehmensangaben sollen zwei solcher Künstler-Parfume pro Jahr in einer jeweils limitierten „Auflage“ von 500 Flacons entwickelt werden.

Man mag es als Ironie der Geschichte sehen, dass Rosemarie Trockel hier zumindest verbal auch zu den (Kölner) Anfängen Ihrer Erfolgskarriere zurückkehrt. Denn die sind eng mit dem Namen Eau de Cologne verbunden. Allerdings hat dies nichts mit dem Duftwasser, sondern mit Kunst zu tun.

Nachdem die Galeristinnen Monika Sprüth in Köln und Philomene Magers in Bonn der damals noch völlig unbekannten Jungkünstlerin 1983 ihre erste Einzelausstellung („Rosemarie Trockel. Skulpturen – Zeichnungen“) gewidmet hatten, organisierte Monika Sprüth zwischen 1985 und 1989 die legendäre Ausstellungsreihe „Eau de Cologne“, deren Ziel es war, junge Künstlerinnen bekannt zu machen. Mit immensem Erfolg: die vertretenen Künstlerinnen Barbara Kruger, Louise Lawler, Jenny Holzer, Cindy Sherman und Rosemarie Trockel sind heute international bekannte Kunststars. Parallel zu der Ausstellungsreihe erschien – insgesamt dreimal – auch ein gleichnamiges Magazin.

Der Rest ist (Kunst-)geschichte. Sowohl die Galerie Sprüth Magers als auch Rosemarie Trockel wurden im Laufe der Jahre und Jahrzehnte zu internationalen Größen.

Die heute in Berlin, London und Los Angeles angesiedelte Galerie Sprüth Magers, die in Köln nur noch ein Büro unterhält, gehört heute zu den wichtigsten Galerien Deutschlands. Sie vertritt etwa 75 Künstlerinnen und Künstler, sowohl deutsche als auch US-amerikanische Größen wie Ed Ruscha oder Frank Stella.

Rosemarie Trockel fand nach ihren ersten Ausstellungen in Köln zuerst in den USA große Beachtung. 1988 stellte sie etwa im Museum of Modern Art in New York, 1991 im Museum of Contemporary Art in Chicago aus. 1999 war sie dann die erste Künstlerin, die den deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig bespielte, nachdem sie bereits zwei Jahre zuvor auf der documenta X (1997) Aufsehen erregt hatte.

In Köln sind ihre Arbeiten im Museum Ludwig, das ihr 2005 auch eine große Retrospektive ausrichtete, und im Skulpturenpark zu sehen.

Tatsächlich ist ihr Parfum jedoch nicht der erste Ausflug der Künstlerin Rosemarie Trockel in die Mode-Welt. So gestaltete sie im letzten Jahr für die italienische Modefirma Bottega Veneta unter Kreativdirektor Daniel Lee zur Frühjahr/Sommer-Kollektion 2021 ein begleitendes „Artbook“. Arrangiert hatte das Projekt die in Zürich ansässige Agentur „Neutral“ (Michelle Nicol), die auch für die Art Basel arbeitet.

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Wer mehr wissen will:

Im Museum Ludwig in Köln ist Rosemarie Trockel gut mit über einem Dutzend Arbeiten vertreten. Digital finden sich die Arbeiten hier:

https://museum-ludwig.kulturelles-erbe-koeln.de/

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Mehr über Rosemarie Trockel auf Report-K

Rosemarie Trockel in New York

https://www.report-k.de/Kultur/Kunst/Koelns-geheimer-Kunststar-Rosemarie-Trockel-in-New-York-13863

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Rosemarie Trockel in Basel und Frankfurt

https://www.report-k.de/Kultur/Kunst/Rosemarie-Trockel-in-Basel-und-Frankfurt-123920
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In der (Konzept)kunstgeschichte findet sich noch ein anderes berühmtes Parfum, genauer: ein Parfumflacon, Marcel Duchamps „Belle Haleine, Eau de Voilette“ von 1921. Der französische Konzeptkünstler nahm dazu einen bestehenden Parfumflacon der heute unbekannten Marke Rigaud und überklebte ihn mit einem neuen Etikett, mit verändertem Namen und einem Photo der Kunstfigur Rrose Selavy, eine Art weibliches Alter Ego des Künstlers. Woran man sieht, dass sich wie Rosemarie Trockel bereits auch Marcel Duchamp künstlerisch mit Fragen der Geschlechteridentität beschäftigt hat.

Das Kunstwerk, als „assisted Readymake“ bezeichnet, galt jahrzehntelang als verschollen, doch tauchte der Flacon dann überraschend im Nachlass des 2008 verstorbenen französischen Modeschöpfers Yves Saint-Laurent auf. 2009 wurde es für unglaubliche knapp neun Millionen Euro (11,5 Millionen US-Dollar) in Paris bei Christie’s versteigert.

Autor: Von Christoph Mohr

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