Heinz Günther Hunold und Björn Griesemann mt der neuen Kanone für die Roten Funken, die nicht schiiessen kann.

Köln | Das Hotel Maritim bis zur obersten Empore voll besetzt. Die Roten Funken riefen zum Regimentsexerzieren und alles was Rang und Namen im Kölner Karneval hat, folgte der Einladung. Ein Abend der Geschichte erzählte, deren Erzählung 1794 begann und die im Hier und Jetzt erzählerisch verortet ist. Und immer mit einem Augenzwinkern über sich selbst, die Stadt und den organisierten Karneval an sich. Ein besonders emotionaler Moment als die Roten Funken im Video noch einmal Hans Süper zeigten, der am 3. Dezember verstarb. Aber dieser blieb nicht der einzige tolle Moment vor und nach der Erbsensuppe.

Teil 1: Erste Höhepunkte

Es begann mit dem Moment, der sonst oft den Höhepunkt zum Abschluss darstellt – der Vereidigung der jungen Rekruten und Vergabe der Spitznamen wie „Schmess“, „Bäätes“, „Rappelskess“, „Pritsch“ oder „Kaschemm“.  14 junge rote Funken reicher ist jetzt das Korps.  Aber ein Highlight reihte sich an das nächste. Dann tanzten in höchster Eleganz einige ausgewählte Rote Funken mit der Traditionstanzgruppe Hellige Knäächte un Mägde. Allerdings waren die tanzenden Roten Funken aufs Äußerste von der Dynamik der Helligen durchaus gefordert.

Der Videobeitrag zeigt den ersten Teil des Regimentsexerzierens der Roten Funken

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Festkomitee auf der Bühne, bedeutet Gold, Silber und der Bund Deutscher Karneval (BDK) brachte sogar Brllies mit. Der Vorstand der Kölsche Funke rut-wieß erhielt den Verdienstorden des Festkomitee Kölner Karneval in Silber, bis auf Senatspräsident Hans Willy Fahnenbruck und Vizepräsident Willi Stollenwerk. Diese beiden Herren erhielten den Orden in Gold und der Präsident Heinz-Günther Hunold den Orden des BDK in Gold mit Brillianten und damit die höchste Auszeichnung, die der Verband, der mehr als 2,5 Millionen Karnevalisten vertritt, vergibt.

Mit dem Schlachtruf „Mer han de Spetz“ startete ein weiterer emotionaler Höhepunkt des Abends. Der Vorstand der Kölner Funken-Artillerie drängte mit Koch auf die Bühne. Und dann gab es die erste Geschichtsstunde aus Sicht der Blauen Funken und Geschenke. Eine Partitur aus dem Jahr 1895 des Funkenmarsches „Kölner Funken Tanz“ mit der Musik von Alfred Beines und dem Text von P.P. Faust. Diese ist von Hand geschrieben, wie Funkenpräsident Hunold sachkundig herausfand. Björn Griesemann, Präsident der Blauen Funken, erläuterte warum in dieser Session der Federbusch nicht nur blaue Federn zeigt, sondern auch rote und damit die Farben Frankreichs, die für Brüderlichkeit, Gleichheit und Freiheit stünden. Aber die Blauen Funken hatten noch etwas im Gepäck. Etwas Schweres. Eine Kanone. Denn die Bombardiere, die im Kölner Karneval heute von der Kölschen Funken-Artillerie blau-weiß repräsentiert werden, waren mal Teil der Kölner Stadtsoldaten. Und mit der Kanone, die nicht mehr schießen kann, sind auch die Roten wieder vollzählig ausgestattet. Es war ein Moment beim Regimentsexerzieren, als deutlich wurde, wie wichtig Frieden ist und vom Regimentsexerzieren der Roten Funken ging ein Appell aus, dafür einzustehen und lieber zu bützen.

Ludwig Sebus und die nächste Funkengeneration

Teil 2: Die Rote Funken Story und das Geheimnis Karneval

200 Jahre eigene Geschichte. Wie kann diese in Zeiten von immer schnelleren Schnitten in Fernsehen und im Internet erzählt werden? Rund anderthalb Stunden lang boten die Roten Funken den Gästen des Regimentsexerzierens einen Parforceritt durch ihre eigene, aber auch durch die Geschichte des Kölschen Fasteleer an. Der Saal im Maritim Hotel verwandelte sich in ein Theater. Die Inszenierung grandios. Selbst die ein oder kleinere Panne im eigentlichen Schauspiel wirkte als Teil der Inszenierung. Und wie es einmal auf dem Screen stand: „Herrlich“ ist das einzig mögliche Fazit.

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Das Schauspiel begann die Geschichte ab 1794 zu erzählen. Es berichtete über die wichtigsten Meilensteine, die historisch gesetzt sind. Aber aus jedem einzelnen Meilenstein, die ja meist gräulich am Wegesrand stehen, machten die Roten Funken durch die Art ihrer Erzählung einen kleinen Diamanten. Diese Einzel-Rohdiamanten wurden zum Collier durch Einordnung der Werte, die die Funken und Karnevalisten verbinden. Da ist der Funken-Alltag der sich um „Jet zo müffele un zo süffele“ dreht, gespielt von den Protagonisten, die das selbst am besten können. Da geht es um das gemeinsame Singen, die Freundschaft. Sujets, die Karnevalisten natürlich kennen und gleichzeitig, wenn sie im Saal sitzen mitmachen können: Also das Singen. Gespielt, wie gelebt von den Roten Funken der Jetztzeit aus dem Hier und Heute, aber eben zudem gezeigt aus längst vergangenen Zeiten, die andere Protagonisten prägten. Aber die lebten die gleichen Ideale. Und das wurde auf spielerische und leichte Art am gestrigen Abend erfahrbar. Und da diese Ideale etwas Positives sind, das Leben derer, die Roter Funk sind oder weiter gefasst Karnevalist oder Fan des Karnevals, schöner, leichter und einfacher machen, gelang die Vermittlung der frohen Botschaft des Fastelovends gefühlvoll und eindringlich.

Das Spiel der Roten Funken nahm alle mit: Die Insider und die, die sich noch nicht so intensiv mit den Roten Funken und dem Karneval beschäftigten. Aus dem Innenleben – erkennbar aus den Reaktionen im Publikum – seien exemplarisch die Szenen mit Hansgeorg Brock, dem „Stätzje vun d´r Ülepooz“ genannt sein. Sie skizzierten sein Wirken und zeichneten ihn als Funkenherrscher nach. Wer sich mit Funken unterhält, die ihn noch kannten, konnten selbst in den wenigen Szenen sehen, wie gut dessen Führungsstil gespiegelt wurde. Im Gesamtbild zeichneten die Funken so auch unterschiedliche Charaktere die im Kölschen Fasteleer wirken trefflich nach. Wer mit offenem Blick durch die Säle geht, wird genau diese Typen finden. Und sind nicht gerade die Typen – also die Menschen – die den Karneval so reichhaltig machen?

Das Spiel zeigt die Vorgeschichte, die Gründung, das Funkenleben der Wenigen am Anfang und die Trennung von den Artilleristen und einen Funk auf einem Fahrrad. Auf einem modernen Damenrad? Hier liegt die Stärke der Erzählung. Moderne und Zeit werden mit einem Augenzwinkern verbunden und überwunden. 1817 war es ein Freiherr von Drais, der den Vorläufer des Fahrrades erschuf. Das muss aber nicht gezeigt werden. Das moderne Fahrrad und überhaupt der Funk auf dem Fahrrad persifliert gleichzeitig die aktuellen Mobilitätsdebatten in der Stadt. Besser geht es nicht.

Die Darstellung der Trennung hin zu Roten und Blauen Funken dürfte historisch und wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten, war aber witzig in Szene gesetzt. Internes, wie die Gründung eines Senats, die Corona-Video-Knubbelabende, für alles fand sich in den anderthalb Stunden Platz. Auch für die Zeit in den beiden Weltkriegen, ein kritischer Umgang mit der Nazizeit und dem Wiederaufbau. Der Williamsbau und seine Bedeutung für den Kölner Karneval, ein echter Elefant im Rosenmontagszug. Dazu kamen zwei große Altvordere zu Wort. Zum einen Ludwig Sebus, dem es gelang den Karneval und die Roten Funken in seiner Bedeutung zu ordnen. Hans Süper brachte den emotionalen Teil mit „Ich bin ne Kölsche Jung“ zum Leben.

Anderthalb Stunden für zwei Jahrhunderte und eine vielfältige Geschichte, die kleinteilig ist und bleiben wird, denn sie wird immer von denen handeln, die sie gerade mit Leben füllen. Den aktuellen Roten Funken, damals, vorgestern und heute.

Den Roten Funken gelang ein Porträt ihrer Gemeinschaft, ein Überblick über den Karneval und ein intimes Gemälde einiger Protagonisten mit einem großen Augenzwinkern und damit Persiflage komprimiert zu vermitteln. Und das unter Einbeziehung ihrer Rolle in der Stadtgesellschaft. Chapeau. Und noch eines: Nach dem Stück stellt sich nicht die Frage nach Zukunft oder der Zukunft einer Botschaft. Denn die Zukunft sind die, die den Karneval prägen und mit Leben füllen, die Roten Funken und all die anderen Karnevalisten ihrer Zeit. Besser kann Kölner Karneval nicht erzählt werden.

Es folgen noch die Videobeiträge in der Kurzfassung.
Die Redaktion von report-K dankt den Roten Funken für die Rechte, die Langfassung veröffentlichen zu können.

Rote Funken zeigen Hans Süper