Jetzt geht es beim Karneval so richtig los. Wir haben uns für Sie in den Sälen und Hallen einmal umgesehen.

Der jecke und schnelle Reporter war in der Deutzer Riesenpartyhalle, dem Pullmann in der Innenstadt, der Flora und am Tanzbrunnen.

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Große Nachfrage bei der Megaparty in Deutz

Wenn wieder tausende Jecken gut bepackt in die Arena nach Deutz pilgern, ist dort ein karnevalistisches Großereignis angesagt. Seit mehr als 50 Jahren gibt es die Superparty – zunächst noch in der Sporthalle und später in der Lanxess-Arena. Mehr als 10.000 Menschen sind zur Premiere am Freitagabend gekommen und feiern mit den Stars des jecken Treibens wie den Bläck Fööss, Cat Ballou, Kasalla, Brings, den Höhnern, den Paveiern, Lupo und Querbeat. Insgesamt 15 Veranstaltungen gibt es in dieser Session, die meisten sind mittlerweile ausverkauft. Nur für zwei Wochentermine gibt es noch Restkarten.

Für die Musiker ist die Lachende Kölnarena ein besonderes Erlebnis: „Das ist einfach überwältigend, wenn man vor so vielen Leuten steht und die unsere Songs mitsingen. Das ist Spaß und Euphorie pur. Wir freuen uns, dabei sein zu dürfen. Viermal waren wir jetzt bei der Lachenden Kölnarena dabei, einmal ging es als Vorband von Brings hier in die Halle. In diesem Jahr sind wir auch bei der Pänz-Arena am Start. Vor dem Auftritt ist man positiv angespannt, man geht fokussiert und konzentriert auf die Bühne“, sagt Lupo-Sänger Kai Mathias.

Auch Oliver Niesen von Cat Ballou freut sich auf die Arena: „Das ist ein Megaevent, die größte Veranstaltung, bei der man beim Kölner Karneval auftreten kann. Man muss nur die Setlist etwas umstellen, da die Auftritte hier kürzer sind. Motiviert sind wir aber bei jeden Saal, in dem wir spielen. Wir versuchen immer, das Beste zu geben.“ Mit der laufenden Session ist der Sänger zufrieden: „Die Stimmung im Bus und auf der Bühne ist super. Und das Publikum feiert superschön.“ Viel Zeit zum selbst feiern, bleibt bei etwa 200 Auftritten aber nicht: „Wir sind ziemlich durchgebucht. Am Karnevalssonntag haben wir den letzten Auftritt. So können wir uns den Rosenmontagszug privat mit der Familie anschauen.“

Wenn das Motto zum Kostüm wird

Gefeiert wird auch in den Sälen. Das gilt für die Paulinchensitzung der Löstigen Paulaner im Pullman, wo die jecken Mädchen das Sessionsmotto besonders fantasievoll umsetzten. So sind die Paulaner-Frauen von Diva Colonia als Herzen mit kleinen Trömmelchen unterwegs. Denn „Et Hätz schleiht em Veedel“. „An dem Kostüm arbeiten wir seit Oktober. Wir kommen seit 25 Jahren immer im Mottokostüm“, sagt Doris Gersch. Als 22 Veedel mit den passenden Ortsschildern sind Jutta Kasperski und ihre Freundinnen unterwegs. „Wir kommen seit acht Jahren zur Paulinchensitzung und versuchen immer das aktuelle Motto umzusetzen. Uns gefällt die Stimmung hier bei dieser Sitzung.“

44 Veedel bei der KG Stromlose Ader

Bei der Stromlosen Ader hat man den Blick beim Motto auf die eigene Gesellschaft geworfen. Deren Mitglieder kommen aus allen neun Stadtbezirken und aus insgesamt 44 Veedeln. Damit werden 34 von 45 Kölner Postleitzahlen abgedeckt. Bei den Gästen der Prunksitzung im Kristallsaal geht es noch gemischter zu. Diese kommen aus insgesamt acht Bundesländern. Die weiteste Anreise betrug 700 Kilometer, die kürzeste 600 Meter. Im Saal sind bei den Gästen 31 von 86 Kölner Veedeln vertreten. Bei der Eröffnung mit dem Tanzkorps der Rheinveilchen waren die 44 Veedelsortsschilder zu sehen, in denen die Mitglieder leben.


Das Tanzkorps der Kölner Rheinveilchen steht wegen seiner Trainingsmethoden derzeit stark in der Kritik.

Marita Köllner zum Ehrenschusterjungen ernannt

Eine besondere Auszeichnung gab es für Marita Köllner bei der Mädchensitzung der Fidelen Zunftbrüder im großen Saal der Flora. Nach Marc Metzger, Guido Cantz und Bernd Stelter wurde sie als erste Frau zum Ehrenschusterjungen gekürt. Dafür gab es neben dem Karohemd und der Schürze auch eine rote Perücke. Die Sängerin zeigt sich begeistert und gab im neuen Look direkt noch eine Zugabe. Natürlich fehlt auch nicht der Auftritt auf einem der Tische im Saal, bei dem sie vom Elferrat als Cheerleader unterstützt wurde. Zur Mädchensitzung kommt der kölsche Karnevalsstar bereits seit Jahrzehnten. Das passt zu den vielen Stammgästen, die die Zunftbrüder jedes Jahr begrüßen können. So kommen auch große Gruppen aus Königswinter, dem Westerwald und dem Ruhrgebiet regelmäßig nach Köln.

Druckerorden beim Fest der schwarzen Kunst

Zu den besonderen Sitzungen zählt definitiv das „Fest der schwarzen Kunst“ im Theater am Tanzbrunnen. Dabei geht es nicht um die dunkle Seite der Magie, sondern um die Handwerkskunst der Drucker. 1948 wurde der karnevalistische Ableger des Kölner Druckereiverbandes gegründet, der sich seit 2018 als Verein organisiert hat und der hospitierendes Mitglied im Festkomitee ist. Zu den Besonderheiten gehört jedes Jahr der zunftbezogene Orden. Er zeigt ein Motiv aus der Druckkunst, und zwar den „Moiré-Effekt“. Zwei unterschiedlich gerasterte Filme befinden sich beim Druck übereinander. Der Drucker prüft mit dem Fadenzähler beim Farbdruck, ob die Raster genau übereinander stehen, damit keine Farbverschiebung stattfindet. Falls doch – Moiré.

Autor: Von Stephan Eppinger

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