„Eine Spirale, die so nicht weitergehen kann“
Das Thema hat am letzten Wochenende wieder eine traurige Aktualität bekommen. Jeder Fußballfan (und auch –gegner) hat noch die Bilder vom Spiel Frankfurt – Köln vor Augen, bei dem es nach Abpfiff zu erheblichen Ausschreitungen gekommen war. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger, möchte so etwas in Zukunft stärker bekämpft sehen. „Für mich ist Fußball die schönste Nebensache der Welt“, gab er heute bekannt. „Unter Fans verstehe ich allerdings all die, die friedlich ein Spiel sehen wollen. Gewaltbereite Fans sind keine Fans, sondern Straftäter“, betonte Jäger. Wichtig sei es nun, die Sicherheits-Konzepte an das neue Jahrtausend anzupassen. „Wir haben es mit einer völlig neuen Fankultur heutzutage zu tun. Der Eventcharakter beim Fußballspiel findet nicht mehr nur während des Spiels statt, sondern auch vor- und nachher“, erklärte der NRW-Innenminister.

Auch für Polizeidirektor Bernd Heinen, vom Ministerium für Inneres und Kommunales, sind die Grenzen des Tragbaren längst erreicht worden. „Die Gewalt ist eine Spirale, die so nicht weitergehen kann“, betonte er heute. Von sämtlichen Vergehen, die während einem Fußballspiel erfasst werden, seien nahezu die Hälfte Gewaltdelikte. In den letzten acht Saisons sei eine Steigerung von 250 Prozent verzeichnet worden. Die Zahl der Arbeitsstunden der Polizei an den Fußballwochenenden sei um 95 Prozent gestiegen.

Ein Netzwerk muss gebildet werden
Laut Jäger hätten während der Spielzeit 2009/2010 17,5 Millionen Zuschauer die Spiele der ersten und zweiten Bundesliga besucht – natürlich sei hier nur ein kleiner Teil enorm gewaltbereit. Gerade aber weil Fußball einen solch hohen Stellenwert in der deutschen Sportkultur und Gesellschaft einnehme, sei es wichtig für die Sicherheit der Fans zu sorgen. Hierzu wollen alle Partner, Fußballverbände, Vereine, Kommunen, Fanprojekte, Verkehrsunternehmen und Polizei, gemeinsam an einen Strang ziehen. „Es ist wichtig, dass ein Netzwerk gebildet wird“, beschrieb Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des DFB, diese Maßnahmen.


Die Netzwerkpartner der Initiative "Mehr Sicherheit bei Fußballspielen"

Das 10-Punkte-Konzept der NRW-Initiative
Um die Sicherheit bei Fußballspielen zukünftig so gut es geht gewährleisten zu können, soll die Polizei „transparent, verlässlich, differenziert und konsequent“ arbeite, heißt es in dem neuen Konzept. Zudem müssten Fans umfassend über die Anreise und Maßnahmen vor Ort informiert werden. Auch außerhalb der Stadien will man die Verantwortung für die Fans stärker wahrnehmen. Alle Möglichkeiten der organisierten Anreise sollen gewährleistet werden. Beispielsweise bedeutet dies, „dass die Fans bei Auswärtsspielen durch vereinseigene Ordner begleitet werden“, so das Konzept. Zudem soll der Dialog zwischen Polizei und Fanszenen intensiviert werden. Und der öffentliche Nahverkehr  soll künftig "Aggression und Konflikt fördernde Reisebedingungen minimieren.“

Aber auch die Fans werden angehalten, für eine friedliche und sichere Stimmung zu sorgen. So sollen sie „sich eindeutig von Störern und gewaltbereiten Problemfans absetzen und distanzieren“, appelliert das Konzept an die Fans. Gegen gewaltbereiet Fans will die Polizei künftig strikter eingreifen. So sollen Störungen bereits im Ansatz verhindert und nachhaltig unterbunden werden. Gewaltbereite Fans sollen „umgehend auf ihren Reisewegen in ihre Heimatorte zurückgeführt“ werden.

Dominic Röltgen für report-k | Kölns Internetzeitung

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