Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, mit dem Rucksack auf den Schultern das Haus zu verlassen, den Alltagsstress und die Probleme zu vergessen und einem fernen Ort entgegenzuwandern. Zehn Männer wollen sich nun diesen Traum erfüllen und starten am 28. Juli eine fünfwöchige Alpenüberquerung von München nach Venedig. Obwohl sie weder die Ersten noch die Routiniertesten sind, die sich auf die 520 Kilometer lange Wegstrecke begeben, ist ihr Vorhaben außergewöhnlich. Denn hinter jedem Einzelnen von ihnen liegt eine schwere Zeit mit der Diagnose „Prostatakrebs“. Die Krankheit verbindet die zehn Männer, die sich vorher noch niemals begegnet sind, und ist zugleich der Ausgangspunkt für ein wissenschaftliches Projekt zum Thema „Sport in der Krebsnachsorge“ der Deutschen Sporthochschule Köln. Begleitet wird die Wandergruppe von drei Studenten, die ihre Diplomarbeit über die körperliche und psychische Verfassung der Männer während der Reise schreiben. „Wir wollen beweisen, dass man selbst nach einer Krebserkrankung Außergewöhnliches vollbringen kann und dass die gewonnenen Erfahrungen enorm wichtig für die individuelle Problembewältigung sind“, so der wissenschaftliche Leiter Dr. Freerk Baumann vom Institut für Rehabilitation und Behindertensport der DSHS.

Wanderung über 35 Tage
Die Schirmherrschaft über das Projekt hat die Krebsgesellschaft NRW. „Nach einer Krebserkrankung fällt es vielen Betroffenen schwer, neues Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen und die eigene reale Leistungsfähigkeit einzuschätzen. Persön-liche Herausforderungen – sei es nun der erste ausgedehnte Spaziergang in der näheren Umgebung oder das große Abenteuer einer Alpenüberquerung – können dazu beitragen, das Gefühl für den Körper und die eigene Kraft wieder zu erlangen“, bestätigt Dr. Margret Schrader von der Krebsgesellschaft NRW. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Alpenüberquerung“ an. Die Idee, eine Wegstrecke von 520 Kilometern über insgesamt etwa 20.000 Höhenmeter in 35 Tagen zu Fuß nur mit Willens- und Muskelkraft und ohne motorisierte Hilfsmittel zu bewältigen, bedarf in der heutigen Zeit enormer Motivation. „Die Wahrnehmung wird auf Dinge gerichtet werden, die bisher jedem von uns als so selbstverständlich erschienen, dass sie kaum beachtet wurden. Vermeintliche Probleme, die das Alltagsgeschehen zu Hause immer wieder bestimmen, werden mit der entsprechenden Distanz aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet und es werden gegebenenfalls sogar Lösungsansätze gefunden. Selbst wenn die Männer ‚nur’ einen Teil der Strecke bewäl-tigen, kann diese Erfahrung andere Lebensbereiche positiv beeinflussen“, so Baumann.

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Ex-Fußballer Jimmy Hartwig begleitet erste Etappe
Warum der Kölner Sportwissenschaftler für die Alpenüberquerung eine reine Männer-gruppe ausgewählt hat, begründet er mit der Erfahrung, dass speziell Männer eher defensiver mit ihrer Erkrankung und den damit verbundenen Folgen umgehen als Frauen. „Unter Männern wird ein solches Thema immer noch oft tabuisiert, wodurch ein wichtiger Zweig der Krankheitsbewältigung, der Erfahrungsaustausch, schlicht nicht vorhanden ist. Unser Ziel ist es, unter anderem die Gesprächsbereitschaft der Betroffenen untereinander mit Hilfe der entstehenden Gruppendynamik zu fördern“, erläutert Baumann.Dass gemeinschaftliche Herausforderungen eine ganze Gruppe, aber auch jeden Einzelnen stärker machen, kann auch der ehemalige Profi-Fußballer Jimmy Hartwig bestätigen. 1991 selbst an Krebs erkrankt, setzt sich der 53-Jährige heute engagiert für die Projekte der Krebsgesellschaft NRW zur Krebsprävention und Rehabilitation ein. Zum Auftakt der großen Tour wird er die Wandergruppe auf der ersten Etappe von München nach Wolfratshausen begleiten.

Start: 28. Juli 2008, Marienplatz in München, 8:00 Uhr
Die Etappen
01. München – Wolfratshausen
02. Wolfratshausen – Bad Tölz (Ruhetag)
03. Bad Tölz – Tutzinger Hütte
04. Tutzinger Hütte – Vorderriß
05. Vorderriß – Karwendelhaus
06. Karwendelhaus – Halleranger Alm
07. Halleranger Alm – Wattens (Ruhetag)
08. Wattens – Lizumer Hütte
09. Lizumer Hütte – Tuxer Joch Haus
10. Tuxer Joch Haus – Olperer Hütte
11. Olperer Hütte – Stein
12. Stein – Pfunders (Ruhetag)
13. Pfunders – Kreuzwiesen Hütte
14. Kreuzwiesen Hütte – Schlüter Hütte
15. Schlüter Hütte – Puez Hütte
16. Puez Hütte – Boe Hütte (bzw. Pordoi Hütte)
17. Boe Hütte – Marmolada Hütte
18. Marmolada Hütte – Alleghe
19. Alleghe – Tissi Hütte
20. Tissi Hütte – Rif. San Sebastiano
21. Rif. San Sebastiano – Rif. Pian de fontana
22. Rif. Pian de fontana – Belluno
23. Belluno – Rif. Alpini °5
24. Rif. Alpini °5 – Jesolo
25. Jesolo – Venedig
Ziel: 1. September 2008, Ankunft auf dem Markusplatz in Venedig

[nh; Quelle: Deutsche Sporthochschule Köln]

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