„Tag der Forts“ wird europäisch
Vor gut zwei Jahrhunderten begann Köln mit dem Bau des Festungsgürtels, der sich zur mächtigsten militärischen Verteidigungsanlage Europas entwickeln sollte. Nur ein Jahrhundert später wurden die mächtigen Mauern schon nicht mehr benötigt. Unter Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer entstanden die zwei grünen Gürtel rund um Köln, in denen viele der Forts noch heute zu sehen sind. Statt Feinde abzuhalten, wurden sie nun in Erholungsplätze, Waldschulen sowie Sportanlagen umfunktioniert. Die meisten Forts sind heute nicht mehr frei zugänglich, da sie entweder zu baufällig sind oder von Vereinen genutzt werden.

Der „Tag der Forts“, der vor acht Jahren in Köln ins Leben gerufen wurde, hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses noch recht unbeachtete Stück Kölner Geschichte wieder erlebbar zu machen. Inzwischen hat die Idee sich in Europa Anklang gefunden. Und so öffnen in diesem Jahr erstmals nicht nur die Kölner Forts ihre Tore für die Bürger. Auch in Straßburg, Mutzig, Metz, Ulm und Landau können die Bürger am 5. Juni 2011 kostenlos die alte Militärarchitektur erkunden. Weitere Städte in Deutschland und Europa wollen sich im kommenden Jahr anschließen. So fördern heute die einstigen Festungsanlagen den europäischen Austausch.

Entdeckungstouren zu Fuß oder per Rad
In Köln bieten rund 50 Veranstaltungen von ehrenamtlichen Helfern an über 30 Orten der militärischen Geschichte Kölns Gelegenheit Zeitgeschichte, Stadtgrün und Umnutzungsmodelle der Kölner Forts zu erleben. Dabei können Besucher die Forts und Zwischenlager zu Fuß oder mit dem Rad erkunden. Wanderungen werden beispielsweise entlang des nördlichen Rheinufers oder als Rundgang zur mittelalterlichen Stadtmauer angeboten. Erstmals können die Besucher in diesem Jahr beide Radtouren miteinander verbinden und so einen ganzen Tag lang die Forts vom Decksteiner Weiher bis nach Höhenhaus entdecken. Neu ist auch wieder das Zwischenwerk IIIb in Bocklemünd dabei. Vier Jahre lang konnten die Besucher das Fort nicht besichtigen. Insgesamt ist es ratsam zu allen Führungen und Forts festes Schuhwerk zu tragen und eine Taschenlampe mitzunehmen. Die abenteuerlichste Führung findet dabei bei dem Fort IX in Westhoven statt. Hier dürfen Kinder nur an der Hand geführt teilnehmen.

Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Architektur der Forts. Die meisten Bauten sind heuten nur noch ebenerdig zu besichtigen, dabei lag das Erdgeschoss früher eine Etage tiefer. Zugänglich waren die Forts dann über Zugbrücken. Im vergangenen Jahr entdeckte die Fachhochschule Köln bei Ausgrabungen am Fort IV die ehemalige Zugbrücke. Heute ist das Fort eines der wenigen, bei denen beide Etagen der Festung zu sehen sind. Erkunden können die Besucher an diesem Tag zudem die heutige Nutzung der Forts. Oftmals werden sie von Sport-, Kultur- oder Brauchtumsvereinen für Proben und Training genutzt. An manchem Fort wie etwa dem Zwischenwerk VIb – dem heutigen Geißbockheim – sind Sportplätze eingerichtet worden.


Zwischenwerk VIIIb.


Das Programm im Überblick
Wanderungen zu Fuß oder mit dem Rad
Rundgang Stadtmauer
Die große Stadtmauer mit ihren zwölf Toren und einer Vielzahl von Türmen, errichtet von 1180 bis gegen 1250, umschloss die mittelalterliche Stadt in einem Halbrund – eine städtebauliche fortifikatorische Figur, die bis heute den Stadtgrundriss prägt.
Beginn: 10.30, 11.30 und 12.30 Uhr, Dauer ca. 45 Minuten
Treffpunkt: vor der Ulrepforte

Wanderung Stadtumwallung
Die Wanderung führt entlang der Spuren der ehemaligen Stadtumwallung und zeigt städtische wie auch militärische Orte und Relikte. Trotz vieler baulicher Veränderungen sind die alten Strukturen im Stadtbild durchaus noch erkennbar.
Beginn 11 Uhr; Dauer: ca. 1 Stunde
Treffpunkt Vor dem Eingang des Fort IV im Volksgarten
Endpunkt  Fort V an der Luxemburger Straße

Radtour linksrheinisch entlang des äußeren Festungsgürtels
Die Rundfahrt führt zu den in den 1870er Jahren erbauten Forts VII am Eifeltorbahnhof, VI am Decksteiner Weiher und den Zwischenwerken VIIIb, VIb . Alle Festungsanlagen werden auch kurz besichtigt.
Beginn 10.30 Uhr (Kurzführung Fort VI)
Dauer ca. 2,5 Stunden
Treffpunkt Fort VI (Deckstein)
Endpunkt Zwischenwerk VIIIb, Konrad-Adenauer-Straße/Ecke Militärringstraße (Marienburg)

Radtour rechtsrheinisch entlang der Festungswerke
Die Radwanderung führt zu den in den 1870er Jahren erbauten Forts und Zwischenwerke im Bereich vom Rheinufer in Westhoven bis zum Fort X.
Beginn 13.30 Uhr (um 13 Uhr Kurzführung Zwischenwerk VIII b)
Dauer  ca. 2,5 Stunden
Treffpunkt Zwischenwerk VIIIb, Konrad-Adenauer-Straße/Ecke Militärringstraße (Marienburg)
Endpunkt Fort X, Nohlenweg (Höhenhaus)

Rundgang auf dem ehemaligen Friedenspulvermagazin
Besichtigt werden: Lage Fritz-Encke-Volkspark, zwischen Sinziger Straße und Militärringstraße
Staudengärten, umgebende Allee, ehemaliges Pulverhäuschen ,Reigenplatz, „Leseraum im Freien“, Freilichttheater. Erläuterungen zur Parkgestaltung auf dem ehemaligen Friedenspulvermagazin 1923–24 durch Fritz Encke.
Beginn 12 Uhr; Dauer: ca. 1,5 Stunden
Treffpunkt Brunnentempel (nahe dem Parkplatz Sinziger Straße)

Wanderung nördliches Rheinufer
Dass die Bastei einst als „Rheinkaponniere“ mit zu den preußischen Festungsanlagen in Köln gehörte, ist ebenso unbekannt wie weitere Relikte am Rheinufer zwischen Thürmchenswall und der Zoobrücke. Die kleine Wanderung führt vorbei an zwei Kaponnieren zur Rheinverteidigung; einem Wehrturm, der zu Unrecht meist als „Weckschnapp“ bezeichnet wird, bis hin zu Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg an unerwarteter Stelle und einem Flak-Leitstand.
Beginn 10 Uhr; Dauer: 1,5 Stunden
Endpunkt Zoobrücke
Treffpunkt vor der Bastei, Theodor-Heuss-Ring/Konrad-Adenauer-Ufer

OptischeTelegrafenstation
Der Preußische optische Telegraf war von 1832 und 1849 ein optisches Signalsystem zwischen Berlin und Koblenz (550 Kilometer), das behördliche und militärische Nachrichten übermitteln konnte. Die Telegrafenlinie bestand aus rund 60 Telegrafenstationen, die mit Signalmasten ausgestattet waren, an denen jeweils sechs mit Seilzügen zu bedienende Telegrafenarme angebracht waren.
Lage Egonstraße 152 (Flittard)
Beginn 13 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt vor dem Gebäude


Fort IV: Als die Stadt Köln 2010 hier ein Rohr verlegte, fand man die fast intakte Brücke, die einst den Eingang zum Fort bildete.

Forts zum Entdecken
Fort I
Im Friedenspark, Oberländer Wall (Neustadt-Süd)
Nach kurzer Geschichte der Festung Köln und des Forts I erfolgt ein Rundgang durch den Bereich des Kernwerks, der linken Grabenwehr und Munitionsräumen. Aufstieg zum Kriegerdenkmal und Besichtigung der Parkanlagen auf dem Festungswerk.
Beginn: 14 und 15 Uhr, Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt: vor dem Torbogen am Eingangsbereich
Kinderaktionen: „Wir bauen ein Fort“ (Bauspielplatz)

Fort IV und Lünette 3
Ehemaliges Fort Erbgroßherzog Paul von Mecklenburg, erbaut: 1815 –1825. Heutige Nutzung des Reduits als Künstlerateliers. Der linke Teil des Grabens blieb erhalten und ist in den Volksgarten integriert.
Im Volksgarten nahe der Eifelstraße und dem Eisenbahndamm
Führung: Besichtigung des Forts, Rundgang durch den Festungsgraben und die gärnerischen Anlagen auf dem ehemaligen Fortgelände weiter durch den Volksgarten, Besichtigung der Lünette 3 (Orangerie).
Beginn: 10 Uhr; Dauer ca. 1 Stunde
Treffpunkt: vor dem Eingang zum Fort

Fort V
Erbaut: 1841–1847. Heutige Nutzung durch die Universität Köln. Erhalten ist noch das Reduit, das vor drei Jahren saniert und mit einem neuen Dachaufbau versehen wurde.
zwischen Zülpicher Straße und Otto-Fischer-Straße am Südbahnhof
Führung: Rundgang mit Erläuterungen
Beginn: 12 Uhr; Dauer ca. 1 Stunde
Treffpunkt: an der Freitreppe (Haupteingang zum Reduit)

Fort X
Ehemaliges Fort Wilhelm von Preußen, erbaut: 1815–1825. Heutige Nutzung durch Vereine. Gärtnerische Gestaltung von Wall und Graben, besonderes Schmuckstück ist der Rosengarten.
Neusser Wall 33
Führung Rundgang mit folgenden Standorten Kehlhof, Kehltambour beim Enveloppentor, linke Defensionsgalerie und rechter Graben.
Beginn Fortlaufend von 10 bis 17 Uhr. Dauer: ca. 1,5 Stunden
Treffpunkt Am Eingangstor

Fort IV
Die Fachhochschule Köln: Praktisch vorgeführt werden die Vermessungsarbeiten am Baudenkmal. Neben den Arbeitsabläufen werden auch die  verwendeten Geräten und Apparaturen erläutert.
Freimersdorfer Weg zwischen Bahngelände und WDR (Bocklemünd)
Führung Gezeigt und erläutert wird die Kehlkaserne innen und außen sowie das Gelände
Beginn 13.30 Uhr; Dauer: 1,5 Stunden.
Treffpunkt vor dem Eingang zum Fort
Hinweis Festes Schuhwerk erforderlich

Fort VI
Eichenkreuz-Sportanlage (Deckstein).
Führung    Besichtigung der Kehlkaserne (außen und innen), Vortrag über geschichtliche Entwicklung mit Erklärungen an interessanten Punkten Rundgang durch den Felsengarten und entlang des äußeren Umrisses des Forts mit Erläuterungen zu den Spuren des ehemaligen Festungswerks.
Beginn 11 und 13 Uhr; Dauer: 1,5 Stunden
Hinweise     Taschenlampe und festes Schuhwerk erforderlich
Öffnungszeiten nur während der Führungen.
Treffpunkt vor dem Fort, an der Tordurchfahrt

Zwischenwerk VI b
Club-Allee, nördlich der Berrenrather Straße (Sülz)
Führung     Besichtigung der Kehlkaserne (Geißbockheim) und der Außenanlage.
Beginn 15.30 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Hinweise     Festes Schuhwerk erforderlich
Öffnungszeiten nur während der Führung
Treffpunkt auf der Terrasse der Gastronomie

Zwischenwerk VIII b
Vorführung funktionstüchtiger Zugbrücke. Ausstellung von Plänen, Fotos und Gemälden der „Preußischen Festung Cöln“, botanische Sonderführungen rund um das Werk. Vorstellung der derzeitigen Restaurierungs- und Ausbauarbeiten zum Kölner Festungsmuseum. Lichtbildvorträge und Büchertisch. Informations- und Kartenmaterial (auch zu weiteren Kölner Festungswerken) wird kostenlos gestellt.
Konrad-Adenauer-Straße/Militärringstraße (Marienburg)
Kinderaktionen Pfeil und Bogen Wettbewerb
Beginn von 10 bis 18 Uhr zu jeder volle Stunde, Dauer: 45 Minuten
Öffnungszeiten freie Besichtigung des Museumsbereichs: 9 bis 19 Uhr
Treffpunkt vor dem Haupteingang

Zwischenwerk IX a
Die Festungsführung ist eingebettet in einen Rundgang durch die Westhovener Aue mit Erläuterungen zu deren Geländegeschichte und Zukunftsperspektive.
Westhovener Aue
Beginn 10 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt An der Straße “Westhovener Aue” – ca. 500mvor dem Rhein

Fort IX
Besichtigung der Kehlkaserne und des Blockhauses, das Gelände ist normalerweise nicht frei zugänglich.
Porzer Ringstraße (Westhoven)
Beginn 13 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt  Porzer Ringstraße, Zugang gegenüber der Straße auf dem Wasserfeld (Forensische Klinik)

Zwischenwerk IX b
Die Kehlkaserne des Zwischenwerkes IX b steht versteckt im Wald. Erhalten sind neben dem Gebäude ansatzweise die beiden Flankengräben.
im Gremberger Wäldchen
Führung    Besichtigung der Kehlkaserne und des Dachbereichs
Beginn 15 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt Gremberger Ring, Parkplatz nahe dem „Gremberger Hof“

Fort X
Nohlenweg/Frankfurter Straße (Höhenberg)
Rundgang durch verschiedene Vereinsräume im Fort und durch die
Grünanlage, vor allem entlang des Grundrisses der ehemaligen
Festungsanlage.
Beginn 10.30, 12 und 16 Uhr, Dauer: 1,5 Stunden
Treffpunkt  vor dem Forteingang (Fußweg vom Nohlenweg/Ecke Frankfurter
Straße führt zum Fort)

Zwischenwerk XI a
Herler Ring, zwischen Bergisch Gladbacher Straße und Gauweg (Buchheim)
Besichtigung mit Blick auf das Sportgelände auf Teilen des geschleiften Zwischenwerks
Beginn 10 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Öffnungszeiten nur während der Führung
Treffpunkt  vor dem Eingang zur Kehlkaserne (Herler Ring 176)

Fort XI
Piccoloministraße (Mülheim), westlich der Autobahn A 3
Besichtigung von Kehlkaserne, Parkanlage und Grabenverlauf
Beginn 11.30 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt Am Tor. Der Zugang (Fußweg) beginnt an der Piccoloministraße zwischen der Autobahn und Mülheimer Ring

Zwischenwerk XI b
Cottbuser Straße (Mülheim)
Besichtigung der Kehlkaserne und des Parkgeländes auf dem geschleiften Zwischenwerk
Beginn 13 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt vor der Kehlkaserne an der Cottbuser Straße

Fort XII
Am Stammheimer Häuschen (Stammheim)
Bei dem Rundgang zeigen die Expertinnen die noch sichtbaren Spuren des Forts und erläutern, wie die Sanierung des Geländes die historische Situation unter Berücksichtigung der heutigen Nutzungsansprüche wieder erlebbar machte.
Beginn 14.30 Uhr; Dauer: 1,5 Stunden
Treffpunkt  n der Straße „Am Stammheimer Häuschen“, Zugang zur Grünanlage

Zündorfer Wehrturm
Hauptstr. 181 (Köln-Porz-Zündorf)
Führung Herren von Zündorf und ihr wehrhafter Wohnturm, die Auswirkungen des Kölner Stapelrechts.
Beginn 15 Uhr; Dauer: 1 Stunde
Treffpunkt Zündorfer Wehrturm, Hauptstr. 181 und Zugang über die rheinseitige Treppe

Mehr zum Tag der Forts finden Sie auf www.tag-der-forts.de


[cs]

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