Köln | Erst sieht man nur eine Hand, wenn man aus dem Treppenhaus des 37 Stockwerks des Uni-Centers in den engen tiefen Spalt blickt. Dann wackelt das Geländer ein wenig, die Hand kommt näher und ein tiefes Keuchen ist zu hören. Dann geht alles ganz schnell, der Sportler sprintet auf den letzten Metern vorbei und das fiepen der Zeitmessung belohnt für einen rund fünf minütigen Sprint 613 Stufen hinauf. Mit einer Laufveranstaltung der besonderen Art feierte das Unicenter heute Jubiläum. Später spielt auch noch Zeltinger.


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Marco hat die Startnummer 15 und steigt erst einmal in den Aufzug ein. Er will aber nicht schummeln, hat nur etwas in seiner Wohnung im 36 Stock des Uni-Centers vergessen. Er wohnt seit 17 Jahren im Uni-Center mit Ausblick auf den Dom und ist hier völlig glücklich. Der 35-jährige Kölner hat vor dem Lauf im Treppenhaus schon einmal trainiert und läuft den Köln-Marathon in drei Stunden und sechs Minuten. Der Treppenlauf im eigenen Haus hat ihm Spaß gemacht, aber nach dem Lauf musste er sich erst einmal einige Minuten auf der bereit liegenden Matte ausruhen. Wie so viele. Wie hoch das ist, mag man daran erkennen, dass als unten die Läufer starteten, oben die Spitze des Uni-Centers von Wolken und Nebel eingehüllt war. Organisiert hat den Lauf der Feuerwehr-Sportverein Köln.

In dem Haus wohnen rund 1.700 Menschen und das Haus feiert Jubiläum. Denn vor 40 Jahren feierte das Uni-Center Richtfest. Eine Sprecherin der Hausgemeinschaft sieht das Haus in der Öffentlichkeit immer im falschen Licht dargestellt. Viele Kölnerinnen und Kölner würden glauben, dass es sich beim Uni-Center um eine Anlage mit Sozialwohnungen handele. Aber dies sei mitnichten so, ganz im Gegenteil, das Uni-Center ist eine reine Eigentumswohnanlage mit vielen Wohnungen auch für Studenten. Man habe alles im Haus, was man zum Leben brauche, so die Sprecherin. Dies sei besonders auch für Ältere ideal, so veranstaltet man einen gemeinsamen Stammtisch und Spaziergänge. Die Menschen im Uni-Center würden nicht anonym nebeneinander her leben, sondern man bilde eine Hausgemeinschaft und man stelle sich auf die Situation in fünf bis zehn Jahren ein, wenn die ersten Auswirkungen des demographischen Wandels angekommen seien. Dann sei das Uni-Center mit seinen tollen Infrastruktur und den Angeboten der Hausgemeinschaft ein idealer Ort, wo man sehr lange, bis ins hohe Alter und auch wenn man gepflegt werden müsse, leben kann.

Von diesem Zustand waren die Läuferinnen und Läufer des Treppenlaufes noch sehr weit entfernt, manche liefen im zweiten Treppenhaus sogar noch nach unten. Marco, allerdings verzichtete, denn das runterlaufen mache die Kniegelenke kaputt, so der passionierte Läufer und er hatte es ja nun wahrlich nicht weit vom Ziel unter die Dusche.

Neben dem Treppenlauf, zeigte die Kölner Feuerwehr auch eine Einsatzübung, der aus dem Karneval bekannte Feuerwehrmann Kresse erzählte Witze, Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes eehrte die Sieger und die Zeltinger Band gab ein Konzert.

Autor: Andi Goral
Foto: Der begeisterte Läufer Marco, 35, hatte heute Morgen eine Laufveranstaltung direkt vor seiner Wohnungstür.

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