„Es war immer mein Traum, ein großes Turnier in Köln mitgestalten zu können“

Köln | Mit einen ATP-Doppelturnier findet in der Kölner Arena das erste große Tennisevent seit der Eröffnung statt. 1998 hatte es dort einen Showkampf mit Steffi Graf gegeben. Von 12. bis zum 25. Oktober kommen Topstars wie Alexander Zverev und Andy Murray an den Rhein. Die Arena plant mit bis zu 6.600 Zuschauern. Der Vorverkauf hat begonnen. Unsere Zeitung sprach vorab mit der früheren Profisspielerin und Bundestrainerin Barbara Rittner, die als Turnierdirektorin in Köln an den Start geht.

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An diesem Wochenende musste das Spiel des FC in Köln wegen der steigenden Corona-Zahlen ohne Zuschauer stattfinden. Welche Sorgen bereitet Ihnen die aktuelle Situation als Direktorin eines ATP-Doppelturniers in der Kölner Arena?

Barbara Rittner: Die Situation mit den weltweit extrem steigenden Corona-Zahlen macht einen nachdenklich. Ich bin da mit der Kölner Oberbürgermeisterin und der Stadt in einem regen Austausch. Wir müssen die Entwicklung genau beobachten, haben aber ja noch fünf Wochen Zeit, und im schlimmsten Fall wird das Turnier ohne Zuschauer stattfinden, was ich natürlich nicht hoffe. Das Bundesligaspiel in Dortmund am vergangenen Wochenende hat gezeigt, was für eine Freude dort bei den 10.000 Fans im Stadion war. Und trotz der tollen Stimmung waren die Anhänger sehr diszipliniert.

Welche Bedeutung hat das Publikum bei einem Tennisturnier in der Kölner Arena?

Barbara Rittner: Die Rheinländer sind mit ihrer Mentalität sehr offen für große Veranstaltungen und lieben es, live Sport zu erleben. Das sieht man vor allem an den Wochenenden, an denen der FC seine Heimspiele hat. Da gibt es eine ganz besondere Stimmung in der Stadt und man ist stolz auf die eigenen Sportler. Diese tolle Mentalität der Menschen sollte auch im Tennis in der Arena möglich sein, was das Turnier zu einem besonderen Event machen wird.

Was bedeutet es für Sie ein großes, internationales Turnier in der Wahlheimat erleben zu können?

Barbara Rittner: Ich habe mein ganzes Leben Tennis gespielt und bin auch nach dem Ende meiner aktiven Karriere als Spielerin im Tennis geblieben. Tennis ist meine Leidenschaft. Und es war immer mein Traum, ein großes Turnier in Köln mit gestalten zu können, auch wenn ich natürlich noch gerne dabei selbst auf dem Platz stehen würde. Ich wohne am Rhein vier Kilometer von der Arena weg und freue mich jetzt sehr auf das Turnier zu Hause. Ich bin stolz, dort als Direktorin tätig zu sein.

Wie beurteilen Sie Köln als Tennisstadt?

Barbara Rittner: Ich selbst habe keinen direkten Bezug zur Tennisszene in Köln, da ich zunächst in Uerdingen und später beim RTHC Bayer Leverkusen Bundesliga gespielt habe. Aber Köln hat wunderschöne Tennisklubs in den Grünanlagen der Stadt. Da gibt es eine lange Tennistradition und früher gab es auch ein bekanntes Herrenturnier, das ich selbst allerdings nie erlebt habe.

Wie stehen die Chancen, dass Köln langfristig eine Station im internationalen Turnierkalender wird?

Barbara Rittner: Ganz logisch betrachtet, hat Köln eine Chance, langfristig Veranstaltungsort für internationale Turniere zu werden. Es wird Lücken im Turnierkalender geben, wenn ein Titelsponsor durch die Krise in Schwierigkeiten kommt und als erste Maßnahme sein Engagement im Sport beendet. Wenn die beiden Turnieren in der Lanxess-Arena gut funktionieren, steigen die Chancen. Wir haben mit Emotion einen hochprofessionellen und vor allem erfahrenen Veranstalter und die Arena ist ein toller Ort für sportliche Großveranstaltungen, an dem ich bislang viele Konzerte und großen Handball und Eishockey erlebt habe. Es ist unser Ziel, dauerhaft Turniere in die Stadt zu holen.

Könnte das auch ein Damenturnier sein?

Barbara Rittner: Das ist nicht ausgeschlossen. Meine erste Idee, als ich von zwei aufeinanderfolgenden Turnierwochen gehört habe, war es, ein Damen- und ein Herrenturnier nach Köln zu holen. Aber das hat leider nicht geklappt, weil die WTA Tour Verantwortlichen nicht spontan genug reagiert haben. Erst später kam die Nachfrage von dieser Seite, da war es aber schon zu spät. Und jetzt werden wir uns zunächst einmal auf die beiden ATP-Turnier konzentrieren.

Tennis erfährt nicht zuletzt über deutsche Topspieler wie Alexander Zverev und Angelique Kerber eine Renaissance in Deutschland.

Barbara Rittner: Tennis ist jetzt in Zeiten von Corona der ideale Distanzsport, was die Sportart in der Breite der Bevölkerung deutlich stärkt. Dazu kommen zahlreiche Erfolge der deutschen Damen in den letzten Jahren, allen voran 3 Grand Slams von Angie Kerber. Jüngst natürlich auch der tolle Auftritt von Alexander Zverev beim packenden Finale von New York. Da schaut man als Kind oder Jugendlicher schon darauf, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Es ist wichtig, den Tennissport wieder verstärkt an der Basis bei den Kindern und der Jugend zu verankern.

Wie sind die deutschen Aussichten für die Ende September anstehenden French Open?

Rittner: Das wird ziemlich schwierig. Die Topspieler haben in New York ziemliche Strapazen hinter sich gebracht und jetzt steht binnen kurzer Zeit auch noch das nächste Grand-Slam-Turnier und damit der Wechsel von Hartplatz auf Sand an. Man darf jetzt an Zverev und Kerber keine zu hohe Erwartungen richten, auch wenn ich beiden den Erfolg wünsche. Gerade Angie ist auf dem Hartplatz stärker und braucht so länger, um sich auf Sand umzustellen. Außerdem wurden bislang auch nur sehr wenige Turniere in diesem Jahr gespielt. Auch das macht die Umstellung nicht gerade leichter. Es fehlt noch an Matchpraxis.

Wie hat Corona den Spitzensportlern im Tennis zu gesetzt?

Barbara Rittner: Für einige Profisportler hat die Krise schon eine Existenznot bedeutet und das nicht nur im Tennis. Das gilt gerade für die Sportler, die sich auf die Olympischen Spiele 2020 vorbereitet hatten. Einige mussten sogar ihre Karriere beenden. In den Medien wird oft nur die von Topstars der Sportarten berichtet und nicht von den vielen in der „zweiten Reihe“.

Wie beurteilen Sie das Teilnehmerfeld in Köln?

Barbara Rittner: Wir haben mit Alexander Zverev unsere deutsche Nr.1 als großes Zugpferd und mit Jan-Lennard Struff die deutsche Nummer 2. „Struffi“ kenne ich bereits aus der Jugend auf und er hat eine tolle Entwicklung gemacht. Als Dortmunder ist Köln für ihn fast ein Heimspiel. Wir haben drei Top-Ten-Spieler am Start – das sind neben Zverev auch Gael Monfils und Roberto Bautista. Dazu kommen interessante Nachwuchsspieler wie der 20-jährige hochtalentierte Jannik Sinner. Und mit Andy Murray haben wir einen dreifachen Grand-Slam-Gewinner in Köln. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass noch weitere Topspieler zum Teilnehmerfeld hinzukommen, das jetzt schon wirklich sensationell ist.

Autor: Von Stephan Eppinger

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