Köln | Am frühen gestrigen Nachmittag kam es zu einer Sperrung des Kölner Hansaring. Die Polizei hatte eine Wagenkolonne von rund 20 alternativen Wohnmobilen gestoppt, die für sich in Anspruch nahmen, im Verband durch die Kölner Innenstadt zu fahren und dabei, so Polizeisprecher Weber, auch das in der Straßenverkehrsordnung vorgesehene Recht nutzten das Rotlicht zu missachten. Die Polizei stoppte die Kolonne und begeleitete diese später, nachdem die Aktivisten eine Spontankundgebung angemeldet hatten. Sie fordern den Erhalt bestehender Wagenplätze und ein Selbstbestimmungsrecht für Wohn- und Lebensformen. Der Videobericht zeigt den Wagentage-Konvoi am gestrigen Tag auf dem Hansaring und der Pressesprecher der Kölner Polizei Dirk Weber erläutert die polizeilichen Maßnahmen am Hansaring.

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In Köln und in anderen Städten gab es immer wieder Auseinandersetzungen um die „Bauwagen-Plätze“. Plätze auf denen Menschen eine alternative Wohnform mitten in der Stadt suchen und in Bauwagen oder in der mobilen Form in ehemaligen Pferdetrasportern oder umgebauten LKW wohnen und gemeinsam verödete Flächen in der Stadt okkupieren und dort ihrer selbstgewählten Wohn- und Lebensform nachgehen wollen. Seit vielen Jahren war die Szene in Köln mit der Nutzung des Bauwagenplatzes „Wem gehört die Welt“ an der Inneren Kanalstraße Ecke Krefelder Straße befriedet. Jetzt flammt die Diskussion wieder auf, denn die Wagenleute fürchten, dass dieser Platz an den Arbeiter-Samariter Bund oder einen Investor verkauft wird und sie an den Rand der Stadt abgedrängt werden.

Aktionen auf Kölner Brachflächen

In Köln zuletzt am Samstagnachmittag. In Köln Riehl standen dort dutzende bewohnter Laster und Transporter an der Slabystrasse. In einer anschließend verschickten Pressemitteilung schreibt die 28-jährige Meike Zettelmeyer, die auf dem „Wem gehört die Welt“-Platz wohnt: „Die Stadt Köln drängt Wagen-Bewohner systematisch an den Stadtrand. Aber wir haben ein Recht, so zu leben wie wir wollen und das darf auch sichtbar sein. Wenn die Stadt uns die Plätze wegnimmt, tauchen wir überall unerwartet auf und nehmen uns den Platz, den wir brauchen.“ Auch in Köln-Müngersdorf besetzten die Aktivisten eine Brachfläche an der Widdersorfer Straße kurz nach dem Maarweg. Das Ödland ist seit mehreren Jahren verwaist und wird sporadisch als Parkplatz genutzt. Die Pressemitteilung zitiert Joelle Carpenter aus dem Kreis der Unterstützer, die aber selbst in einer Wohnung lebt: „Es ist wichtig, dass alternative Wohnformen in Köln Platz haben und zwar da, wo man sie sieht. Wir können und wollen uns nicht in Luft auflösen und zeigen mit unseren Besetzungen, dass es geeignete innenstadtnahe Freiflächen gibt.“

Die Aktivisten stellen die Gründe für die von Ihnen gewählte Art zu leben offen dar: „Wir wohnen in Bauwagen, Wohnwagen, Lastern oder anderen selbst(aus)gebauten Gefährten. Für uns ist diese Lebensform eine bewusste und langfristige Entscheidung, und keine Notlösung. Dabei sind die Gründe individuell und oft sehr verschieden. So leben z.B. manche einfach gerne draußen, andere schätzen vor allem die Gemeinschaft, das Leben auf kleinem Raum, ein Leben ohne unnötigen Ballast, oder die Möglichkeit im eigenen Heim zu leben, ohne sich Sorgen über horrende Mieten machen zu müssen. Aber obwohl die Wagenszene schon immer sehr heterogen war, so eint uns doch alle die Verbindung zu dieser Wohn- bzw. Lebensform. Auf Wagenplätzen finden zahlreiche unkommerzielle Veranstaltungen statt. Dazu gehören Konzerte sämtlicher Musikrichtungen, es gibt Lesungen, Ausstellungen, Partys, Kneipenabende, Filmabende, Möglichkeiten für Bands zu proben, oder sich anders künstlerisch zu betätigen. Im Alltag und im Zuge von Veranstaltungen steht für viele auch das Engagement gegen Rassismus, Sexismus, Homo- und Transphobie im Vordergrund. Wagenplätze sind Institutionen, die das soziokulturelle Angebot der Stadt erweitern und Angebote ermöglichen, die es in dieser Form sonst nicht geben würde.“

Forderungen an die Kölner Politik

Im Rahmen der bundesweit stattfindenden „Wagentage“ fordern die Bewohnerinnen der Kölner Bauwagenplätze „Wem gehört die Welt!?“ , Innenstadt, „Schöner Wohnen“, Deutz und der „Osterinsel“ in Ehrenfeld von der Kölner Politik offene Gespräche hinsichtlich eines Selbstbestimmungsrechts bezüglich der Lebensform „Wagenleben“. Die Wagen-Bewohner werfen der Stadt und ihrer Politik vor, dass die Flächen vorhanden seien, aber für soziokulturelle Projekte nicht genutzt werden dürften. Die Stadt so eine der zentralen Forderungen müsse diese Freiräume schaffen und für Menschen ermöglichen und die bestehenden Wagenplätze erhalten und weitere auf ungenutzten und vorhandenen Flächen ermöglichen.

Spontan angemeldete Kundgebung

Nach mehreren Stunden Zwischenstopp auf dem Hansaring durften die Aktivisten, nachdem sie einen Verantwortlichen benannt und eine Spontankundgebung bei der Kölner Polizei angemeldet hatten, ihre Demonstration unter Polizeibegleitung fortsetzen. Auf dem Hansaring wurden zwischenzeitlich zwei Menschen in Gewahrsam genommen, weil sie Wasserflaschen an Wände geworfen hatten, die dann Fahrzeuge getroffen hatten. Nach der Weiterfahrt auf dem Hansaring beruhigte sich die verkehrliche Situation im südlichen Innenstadtbereich.

Autor: Andi Goral

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