Jung, reich – aber keine Ahnung
Gebannt lauschten die Schüler des Kurses Sozialwissenschaft des Apostelgymnasiums in Köln-Lindenthal heute dem „Wirtschaftsexperten“ Stefan Strauss, Geschäftsführer von Strauss Media. Fesseln konnte der Unternehmer die Schüler spätestens dann, als er von seinen ersten – und frühen – Aufträgen im zehntausender Bereich berichtete: „Ich war jung, hatte unfassbar viel Geld – und unfassbar wenig Ahnung“, gab er gleich zu. Eher durch Zufall sei er in den Web-Designer-Bereich geraten. Allerdings hätte es auch danach wieder Phasen der Ernüchterung gegeben. „Zwischenzeitlich habe ich sogar von Pfandgeld gelebt.“



Das Apostelgymnasium in Köln-Lindenthal


Bluthochdruck und schlaflose Nächte

Strauss selbst wollte mit seinem heutigen Vortrag das Bild der Unternehmer ein wenig gerade rücken. „Ich finde es erschreckend, welches negative Bild von Unternehmen oder Marktwirtschaft häufig auch in diversen Unterrichtsmaterialien aufgebaut wurde und wird“, so Strauss. Nun sei es Aufgabe der Unternehmer selbst, das zu ändern und auch über die Vorteile der Selbstständigkeit aufzuklären.

Für viele der Schüler war das Leben von Strauss allerdings nicht unbekannt. Denn etwa ein Drittel der Eltern der Schüler aus der Klasse sind selbstständig. So kommen fünf der insgesamt 14 Oberstufenschüler aus Unternehmerfamilien. Einig waren sie sich denn auch darin, welche Bild sie von Selbstständigen haben. „Unternehmer sind Workaholics“, sagten die Schüler. Jedoch war niemand der Meinung, dass dies eine Krankheit sei. Im Gegensatz zu Strauss selbst. „Es gibt zehn Kriterien, nach denen man als Workaholic gilt – ich erfülle acht davon“, erzählte er. Nach seiner Auffassung sei er krank. Bluthochdruck und schlaflose Nächte seien keine Seltenheit. Ständig habe er das Gefühl, „eine Idee nicht mitgenommen“ oder etwas verpasst zu haben. Statt jedoch abgeschreckt zu sein, so schien es, waren die Schüler nach diesem offenen Geständnis noch gespannter.

Seit zwei Jahren „Wirtschaftsexperten an Schulen“
Die Veranstaltungsreihe „Wirtschaftsexperten an Schulen“ wird bereits seit zwei Jahren von der IHK Köln durchgeführt. Ziel ist es dabei, die Kenntnisse von Schülern im Bereich Wirtschafts- und Arbeitswelt zu verbessern. Dazu sollen die Schüler Informationen aus erster Hand erhalten. Seit zwei Jahren nun besuchen verschiedene Unternehmer die Schüler in ihren Klassenräumen und erzählen aus ihrem Alltag. Das soll den Schülern auch bei ihrer Berufswahl helfen.

Bisher ist diese Veranstaltungsreihe nur für die Sekundarstufe II ausgelegt, so Jennyfer Gringmuth, Koordinatorin für Schule und Wirtschaft bei der IHK Köln. Bisher hätten neben Gymnasien vor allem Berufskollegs an der Vortragsreihe teilgenommen. Bald werde es jedoch auch einen Vortrag an der Gesamtschule in Chorweiler geben – eine Gegend in Köln, wo voraussichtlich weniger Schüler aus Unternehmerfamilien stammen. Ganz auschließen will die IHK es aber nicht, dass es künftig auch Termine in der Sekundarstufe I geben werde. Das würde auch der heutige "Wissenschaftsexperte" begrüßen. Einen Vortrag etwa an einer Kölner Hauptschule wäre seiner Meinung nach eine riesige Herausforderung – aber auch eine Notwendigkeit.

Dominic Röltgen für report-k.de | Kölns Internetzeitung

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