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Köln-Stammheim: Großer Andrang beim Besichtigungstermin

Köln | An der Grenze der Stadtteile Stammheim und Flittard im rechtsrheinischen Kölner Norden werden in der letzten Juliwoche mehr als 200 neue Bewohner mit Fluchthintergrund ihre neuen Unterkünfte beziehen. Am heutigen Dienstag war Besichtigungstermin.

Ursula Adams vom Kölner Amt für Wohnungswesen hatte am heutigen Donnerstagmittag viel zu tun. Nein, Minderjährige ohne Begleitung werden nicht einziehen, dafür einige wenige Männer und Frauen ohne Familie. Nein, der Zaun soll lediglich die Grundstücksgrenze markieren und Ja, der großzügige Kinderspielplatz hinter einem der mobilen Wohncontainer steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen. Beim heutigen Besichtigungstermin gab es viele Fragen, mehr als 100 interessierte Anwohnerinnen und Anwohner hatten sich auf den Weg in die neue Einrichtung gemacht, um sich selbst ein Bild zu machen.

Auch wenn nur zwei der vier Baukörper mit jeweils 50 Wohneinheiten auf zwei Stockwerken für den Publikumsverkehr geöffnet waren, war der Einblick doch vielsagend. Zwar gab es auch skeptische Blicke, in der Mehrzahl aber sorgten sich die Anwohnerinnen und Anwohner um die täglichen Belange der Nachbarn. In welchen Schulen kommen die Kinder unter? In welche Kita werden sie gehen? Müssen sie ihre Wohnungen selbst aufräumen? Wie sieht das mit den Integrationskursen aus?, waren dabei nur einige der Fragen, die immer wieder zu hören waren.

Einzugstermin ist Ende Juli

Ab der zweiten Ferienwoche, also ab dem 23. Juli 2018, wird die Stadt Köln mit dem Bezug der neuen mobilen Wohneinheiten einen weiteren Meilenstein ihres erweiterten Konzeptes zur Flüchtlingsunterbringung umsetzen. Denn die derzeitigen Leichtbauhallen am Luzerner Weg werden komplett freigeräumt und die dort lebenden Menschen nahezu komplett nach Stammheim umziehen. Koordinatorin Adams geht davon aus, dass der Umzug bis Ende Juli dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Dann werden etwa 210 bis 220 Personen eine neue Wohnung haben.

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Blick in eine "große" Wohnung. Auf knapp 64 Quadratmeter müssen bis zu zwölf Personen unterkommen.

Die Wohneinheiten selbst sind genormt. Die kleineren Wohneinheiten haben eine Fläche von 24,5, die mittelgroßen von rund 50 und die größten von 63,8 Quadratmetern. Dieser Raum muss jedoch für Familien mit bis zu vier, acht und sogar zwölf Personen reichen. In erster Linie werden das Familien sein, die nun nach Monaten in der Leichtbauhalle am Luzerner Weg endlich ein bisschen Privatsphäre zurückbekommen.

Neben den Wohnungen gibt es in jedem Trakt auch Aufenthalts- und Sanitärräume. Hinzu kommt ein Außenbereich mit Wäschespinnen und einem Kinderspielplatz mit Sitzgelegenheiten für die Eltern.

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Street-Basketball und ein großzügiger Spielbereich soll auch allen anderen Anwohnern zur Verfügung stehen.

Eine Einlasskontrolle wie in den Notunterkünften der Stadt, wird es hier nicht geben. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass sich die Bewohner auch an die Regeln halten und es nicht zu Verstößen kommen wird. Auch Angriffe von außen, beispielsweise durch Rechtsradikale, habe es nach Aussage von Adams bisher in Köln nicht gegeben. Dennoch wird das gesamte Objekt von einem Wachschutz gesichert. Außerdem wird das Deutsche Rote Kreuz DRK Ansprechpartner vor Ort bereithalten, um die Menschen bei ihrer weiteren Integration zu betreuen.

Aufbau einer Belegungsreserve in vollem Gange

Mindestens einen Wohntrakt wollen die Verantwortlichen der Stadt an diesem Standort freihalten, als so genannte Belegungsreserve. Ein weiterer Grund dürfte in der Beengtheit der Unterkünfte liegen. Denn mit fünf bis sechs Quadratmetern pro Person Wohnfläche ist der Wohncomfort alles andere als üppig. Die Stadt rechnet mit einer Belegung von rund 70 Prozent der Plätze, bliebe eine Reserve von rund 100 Plätzen. Da auch der Standort Luzerner Weg weiterhin als Reserve für Notfälle bereit. Insgesamt will die Stadt eine Belegungsreserve von 1500 Plätzen bereit stellen, um auf nochmalige Zuwächse bei den Flüchtlingszahlen nicht wieder Turnhallen als Notunterkünfte belegen zu müssen.

Zwar gibt es schon eine gewisse räumliche Trennung, vor allem durch den Zaun. Einige Anwohner hatten dies auch kiritisiert, da sie es auf einer Informationsveranstaltung anders verstanden hatten. Aber Akteure vor Ort wollen sich um das Brückenbauen kümmern, wie ein anderer Anwohner durchblicken ließ. Der Bürgerverein Flittard hatte hierzu schon vorab Planungen und Aktivitäten unternommen. Und auch bei den alltäglichen Problemen bahnt sich eine Lösung an. So soll die Straßenreinigung vor Ort zukünfftig von der AWB durchgeführt werden, bisher galt hier die Regel Anwohnerreinigung, wie FDP-Kommunalpolitiker Rolf Albach vor Ort erläuterte.

Nach derzeitigem Stand der Dinge leben derzeit 9.241 Geflüchtete in Einrichtungen der Stadt. Für die Stadt Köln besteht eine gesetzliche Unterbringungsverpflichtung, um die geflüchteten Menschen vor Obdachlosigkeit zu bewahren. Mit der Einrichtung und Fertigstellung weiterer Unterkünfte in mobilen und stationären Unterkünften will die Stadt die Unterbringungssituation der Flüchtlinge verbessern. Denn noch immer leben mehr als 1.000 Menschen in Notunterkünften, noch etwas mehr in Hotels. Nach dem Skandal um den Hotelmietvertrag mit der früheren CDU-Politikerin Andrea Horitzky will die Stadt auch die Zahl der in Hotels untergebrachten Flüchtlinge nach und nach reduzieren.

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