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„Rheinenergiesportpark“: BUND stuft Bebauungsplan des FC als rechtswidrig ein

Köln | Am 30. August endet die Offenlage der Pläne des 1. FC Köln zur Erweiterung des „Rheinenergiesportparks“ und Versiegelung von Flächen im Äußeren Grüngürtel sowie Errichtung mehrerer Gebäude. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) stuft den Bebauungsplan zur Erweiterung des Rheinenergiesportparks als rechtswidrig ein. Der Kölner Eifelverein stellt sich gegen die Pläne des 1. FC Köln. Zudem stellt sich die Frage ob das Gelände in Marsdorf nicht doch ausreichend groß genug ist, den 1. FC Köln für alle seine Aktivitäten Platz zu geben. Auch die Frechener Grünen äußerten sich zu den Plänen.

BUND erklärt seine Einwendung gegen die Erweiterung des Rheinenergie-Sportparks

Der BUND sagt, die Belange des Umweltschutzes seien bei den Bebauungsplänen nicht richtig ermittelt und fehlerfrei bewertet worden. So sei die nach dem Baugesetzbuch verlangte Nullvariante bei einer Nichtdurchführung über die voraussichtliche Entwicklung des Umweltzustandes nicht erfolgt. Diese wäre aber mit geringem Aufwand möglich gewesen.

Der BUND sieht vor allem negative Auswirkungen durch die Bebauungspläne des 1. FC Köln im Bereich Klimaschutz. So sei nicht mehr davon auszugehen, dass im Stadtteil Sülz nach dem Bau der Kunstrasenflächen, an den besonders heißen Tagen ein kühlender Luftaustausch stattfinden könne. So schreibt der BUND: „Bei einem Verzicht auf die Bebauung der Gleueler Wiesen fällt der Temperaturanstieg dort aber deutlich geringer aus und es kann ein Luftaustausch mit dem aufgeheizten Stadtteil Köln-Sülz erfolgen.“ Der BUND kritisiert zudem, dass eine Untersuchung großräumiger Kaltluftverhältnisse nicht erfolgt sei.

Einen besonderen Konflikt sehen die Naturschützer bei der stillen naturnahen Erholung und dem Landschaftsbild. Eine Erhöhung der Geländeoberfläche um 1,5 Meter für die Kunstrasenplätze, Flutlichtanlagen, Ballfangzäune und Einzäunungen sei ein erheblicher Eingriff ins Landsschaftsbild, empfindet der BUND. Diese Substanzveränderung sei unvereinbar mit dem Denkmalschutz. Weiter schreibt der BUND: „Äußerst problematisch ist die Inanspruchnahme des wegen seiner Bodenfruchtbarkeit besonders schutzwürdigen Bodens. Zudem ist die Gleueler Wiese als Bodendenkmal sehr wichtig. Es gibt Reste einer römerzeitlichen Siedlung mit Bestattungsplatz, Siedlungsspuren aus der Ur- und Frühgeschichte sowie dank neuerer Erkenntnisse von Luftbildaufnahmen kulturhistorische besonders bedeutsame Militäranlagen aus dem 2. Weltkrieg. Völlig unberücksichtigt blieb bisher die mögliche Belastung des Grundwassers mit Schadstoffen wie Nanopartikel aus Plastik durch den Abrieb von Kunstfasern bei der Nutzung der Kunstrasenplätze. Dabei ist das Plangebiet als Schutzzone für das Trinkwasserschutzgebiet Hürth-Efferen vorgesehen.“

Weitere Argumente gegen einen Ausbau seien die Lichtemissionen der hohen Flutlichtmasten und ihre Auswirkungen auf die Fledermausarten Braunes/Graues Langohr und die Wasserfledermaus. Der BUND befürchtet zudem wildes Parken, da die geplanten Stellplätze nicht ausreichten. So entstehen etwa in dem geplanten Leistungszentrum nur 32 Stellplätze, die vor allem den Spielern und Trainern vorbehalten sein sollen. Dass das Unternehmen 1. FC Köln GmbH & Co KGaA und auch die ihn unterstützende Politik von einem „Sportband“ als Ursprungsidee spreche entspreche nicht der „ nicht der ursprünglichen planerischen Konzeption des Äußeren Grüngürtels“.

Wurde die Alternative in Marsdorf nur mangelhaft geprüft?

Wer sich die Standortanalyse genauer ansieht, wird Gewichtungen für einen Ausbau des Rheinenergiesportparks zumindest hinterfragen. Die „Initiative Grüngürtel für Alle!“ spricht sogar davon, dass diese nicht ergebnisoffen durchgeführt sei und gravierende Planungsfehler enthalte. So sei unter anderem das Gemeinwohl gegenüber den Interessen des Unternehmens 1. FC Köln nicht richtig bewertet worden. So vergibt die Standortanalyse etwa in Marsdorf für Flächenbedarf und Flächenverfügbarkeit Minuspunkte und im Äußeren Grüngürtel gleich zwei Pluspunkte und dass, obwohl diese Analyse vor der Entscheidung zur 209. Änderung des Flächennutzungsplans fiel. Also gar nicht klar war, ob diese Flächen jemals zur Verfügung stehen werden. Auch die schulische Anbindung und Anbindung an den ÖPNV wird gleich oder positiver bewertet. Der Rheinenergiesportpark ist mit einem Bus, Marsdorf mit der Stadtbahnlinie 7 angebunden. Auch die Faktoren Image für die Stadt oder Freizeitangebot für die Bürger der Stadt werden im Rheinenergie-Sportpark positiver bewertet. Auch dass ist nur schwer nachvollziehbar, inwiefern sich das Image ändert, wenn an dem ein oder anderen Ort trainiert wird. Positiv für das Image des Vereins und die Stadt sind sportliche Erfolge und möglichst wenige negative Schlagzeilen durch randalierende oder gewalttätige Fans.

Der BUND stellt fest, dass die Erweiterung des Rheinenergiesportparks keinen begründeten Ausnahmefall darstelle, da die Alternative im Gewerbegebiet Marsdorf sowohl für ein neues Nachwuchszentrum als auch für einen Totalumzug des 1. FC Köln groß genug sei. Für das Nachwuchszentrum benötige der 1. FC Köln 3-4 Hektar und für einen Totalumzug 10,5 Hektar Fläche. Der BUND schreibt in seiner Einwendung: „Die Planungen für eine etwaige Umsiedlung des Kölner Großmarktes nach Marsdorf sind mit 30 Hektar völlig überdimensioniert, wie bundesweite Untersuchungen zeigen, die bei vergleichbaren Vorhaben lediglich 16 Hektar Fläche ermitteln. Die mangelhafte Alternativenprüfung muss daher dringend überarbeitet werden.“

Frechener Grüne zum Alternativstandort Marsdorf

Die Grünen aus Frechen sehen Potenzial in Marsdorf, da nach ihrer Auffassung der dort geplante Großmarkt aufgrund von EU-Vorgaben wesentlich kleiner ausfallen könnte. Zudem so die Frechener Grünen stelle sich die Frage nach einem möglichen Betreiber und Bauherr des Großmarktes. Dies könne nicht die Stadt Köln sein, so deren Einschätzung. Die Frechener Grünen fragen, ob es überhaupt möglich sein werde, einen Betreiber und Investor für einen neuen Großmarkt zu finden. Zudem verweisen die Grünen aus Frechen auf die Verkehrsuntersuchung zum Bebauungsplan des Fußballunternehmens. Die geprüften Alternativstandorte in Marsdorf, Müngersdorf oder Hürth, so Bernhard Ingenieure, lägen für die Mehrzahl der Nutzer günstiger als der Standort Geißbockheim.

Kölner Eifelverein (KEV) protestiert erneut gegen FC-Pläne

Auch der Kölner Eifelverein machte seine Einwendung gegen die Pläne des 1. FC Köln den Rheinenergiesportpark auszubauen öffentlich. Der KEV unterhält ein rund 800 km langes Wegenetz von Wanderwegen – darunter den durch den Grüngürtel führenden „Kölnpfad“. Der KEV befürchtet negative Folgen für das Stadtklima und die Gesundheit der Kölner Bevölkerung, wenn die Gleueler Wiese mit Kunstrasenplätzen versiegelt wird. In der Einwendung des KEV heißt es: „ Der Kölner Eifelverein fordert, dass die Genehmigung allenfalls unter harten Bedingungen erteilt werden darf: Kein Kunstrasen, kein Flutlicht, kein durchgehender Zaun, kein Abschotten des Geländes (Es soll in Zeiten ohne Übungsbetrieb der Bevölkerung zugänglich sein), keine neuen Gebäude in diesem Bereich (Sie sollen nur in unmittelbarer Nähe des Geißbockheims gebaut werden) und kein Verkauf von Teilen des Grüngürtels (Das Gelände darf allenfalls verpachtet, aber keinesfalls an den FC verkauft werden, damit die Stadt den Zugriff darauf behält).“

Eine Ansammlung von Kompromissen

Wer sich die Mühe macht, die 108 Seiten Begründung nach § 3 Absatz 2 des Baugesetzbuches, die die Stadt Köln in der Offenlage zur Erweiterung des Rheinenergiesportparks (Hier geht es zum PDF, dass von der Stadt Köln veröffentlicht wurde) publizierte, durchzulesen, stellt fest, dass zu fast allen Punkten Ausnahmen, Sonderregelungen oder Einschränkungen formuliert werden, um eine Umsetzung der Pläne des 1. FC Köln im Äußeren Grüngürtel überhaupt zu ermöglichen: Ob es um die Sportanlagen und die Höhe der Ballfangzäune geht, die Bebauung mit dem Leistungszentrum, die fehlenden Stellplätze, die schlechte Anbindung an den ÖPNV, die nächste Stadtbahnhaltestelle ist über einen Kilometer entfernt, Sondertrainingsformen wie den Speed Cage, den Trainingshügel, um nur einige zu nennen. Das Unternehmen 1. FC Köln GmbH & Co KGaA beschreibt richtigerweise, dass seine Entwicklungsmöglichkeiten derzeit hinter denen anderer Klubs zurückbleibt. Dennoch muss sich der Verein und vor allem seine Führung, das Präsidium, der Beirat und die Geschäftsführung fragen lassen, ob es wirklich nachhaltig ist, an einer Stelle zu erweitern, wo die aktuellen Ausbaupläne in fast jedem Handlungsfeld beschnitten werden müssen, um den gesetzlichen Anforderungen, wenn überhaupt, zu genügen oder es nicht doch besser wäre einen Ort zu suchen, an dem nicht nur aktuell das Optimum statt Kompromisse erzielt werden kann sondern der auch Optionen für die Zukunft und weitere Entwicklung bietet. Wer das Papier liest entwickelt Verständnis für die Befürchtungen der Ausbaugegner, die den 1. FC Köln als „Raupe Nimmersatt“ bezeichnen, dass der Raubbau am Äußeren Grüngürtel auch in Zukunft weitergehen könne. Hier liegt auch das Versäumnis der Politik im Stadtrat, die dies viel früher hätte erkennen müssen und von vornherein, den Ausbauplänen an dieser Stelle Absagen hätte erteilen müssen. Insofern ist die Verärgerung bei Verantwortlichen des Unternehmens 1. FC Köln verständlich, die jetzt ihr Investment in die Planung zum Ausbau des Rheinenergiesportparks gefährdet sehen, wenn die Pläne hinterfragt werden. 

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