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Über 2.200 “Stolpersteine” hat Gunter Demnig seit 2000 allein in Köln verlegt – hier vor dem Gymnasium Kreuzgasse.

Gunter Demnig verlegt 65 neue Stolpersteine

Köln | Großeinsatz von Gunter Demnig: Am Mittwoch und Donnerstag verlegte der Kölner Künstler an 23 Orten insgesamt 65 Stolpersteine. Sie erinnern an Opfer des Nationalsozialismus: Juden, Zwangsarbeiter und politisch Verfolgte. Bei der kleinen Zeremonie mit roten Rosen und Gitarre für die Familie Ziegellaub waren auch deren Nachkommen aus Israel anwesend.

Die jüdische Familie Ziegellaub lebte im Haus 102 an der Ecke Thieboldsgasse/Bayardsgasse. Moses Ziegellaub kam 1900 aus Ostgalizien nach Köln und heiratete hier sieben Jahre später Rachel Landsberg. Nach der Rückkehr als Soldat im Ersten Weltkrieg eröffnete er ein Schuhgeschäft. 1938 ordnete das NS-Regime die Ausweisung aller jüdischen Einwohner an, die aus dem damals polnischen Ostgalizien stammten. Moses Ziegellaub und sein Vater wurden dorthin abgeschoben, kehrten aber 1939 nach Köln zurück und flohen nach Belgien, ebenso seine Ehefrau und die anderen Kinder.

Rachel Ziegellaub und die Tochter Amalia starben in Belgien. Der Vater, die Söhne Max und Hermann sowie die Töchter Sophie und Ernestine wurden zunächst in einem Übergangslager inhaftiert, später nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Zwangsarbeiter wegen „Widerstandsleistung“ erschossen

Die Sowjetrussen Boris Bunjaew und Alexander Mesinow kamen als Zwangsarbeiter nach Köln. Sie arbeiteten in der Ehrenfelder „Maschinenfabrik Gebrüder Herrmann“. Bunjaew wurde am 3. Dezember 1944 wegen „Widerstandsleistung“ auf dem Fabrikgelände mit „Kopfschuss“ – so die Sterbeurkunde – getötet. Mesinow erschoss man am selben Tag in der Vogelsanger Straße. Jetzt liegt zum Gedenken ein Stolperstein vor der Firmenadresse Grüner Weg 8.

Alpenverein erinnert an ein Mitglied, das er 1937 ausgeschlossen hat

Moritz Bing, geboren 1875, war Rechtsanwalt und als begeisterter Bergsteiger Mitglied des Alpenvereins. Seine Ehefrau verstarb bereits 1920. Mit seinen Töchtern Susanne und Maria lebte er im Haus Oberländer Ufer 208. Ab 1933 schränkten die NS-Gesetze Alltag und Berufsleben der jüdischen Bürger und Bürgerinnen immer mehr ein. So wurde Moritz Bing 1938 die Zulassung als Anwalt entzogen, schon ein Jahr zur wurde er aus dem Alpenverein ausgeschlossen.

Während des November-Pogroms von 1938 wurde er verhaftet und ins KZ Dachau verschleppt. Nach seiner Entlassung konnte er in die Schweiz fliehen, wo er 1947 starb. Seine Tochter Maria war schon 1936 in die Schweiz emigriert, sie starb 1996 in Freiburg. Ebenfalls 1938 war Susanne Bing in die Schweiz geflohen, 1945 heiratete sie den aus Köln stammenden Kunsthistoriker Fritz Schmalenbach, sie starb 1992 in Lübeck. Die Stolpersteine für die Familie Bing stifteten Mitglieder des Deutschen Alpenvereins Sektion Köln.

Inzwischen hat Gunter Demnig in Köln rund 2.200 Stolpersteine verlegt, rund 50.000 sind es in über 800 Orten in Deutschland. Auch in Österreich, Italien, Tschechien, Norwegen oder Spanien erinnern sie an Opfer des Nationalsozialismus: Vor allem Juden, aber auch Gewerkschafter, Kriegsdienstverweigerer wie die Zeugen Jehovas, Homosexuelle oder politische Gegner. Meist liegen sie dort, wo sie gewohnt oder gearbeitet haben.

Ausstellung über Geschichte der „Stolpersteine“

Vor 25 Jahren verlegte der Kölner Gunter Demnig vor dem Historischen Rathaus in Köln seinen ersten „Stolperstein“. Mittlerweile sind es gut 61.000 in 21 Ländern Europas geworden. Grund genug für die Kunst- und Museumsbibliothek, die Geschichte dieses „Kunstdenkmals als Bürgerbewegung“ in einer kleinen Ausstellung zu erzählen. Zumal der Künstler im Oktober seinen 70. Geburtstag feiert.

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