Köln Nachrichten Köln Nachrichten

speer_ehu_27062019

Titelbild der „Deutschen Illustrierten“ vom Februar 1938 (Ausschnitt): Albert Speer (r.), „Baumeister des Dritten Reiches“, lässt sich von Adolf Hitler die Pläne vom künftigen Berlin erklären | Foto: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

NS-Dok erinnert an Albert Speer und die Leugnung der NS-Verbrechen

Köln | In die Verbrechen des Nazi-Regimes verwickelt sein, ohne sich schuldig gemacht zu haben? Das wollte viele Deutsche nach 1945 – und es gab dafür ein prominentes Beispiel: Albert Speer, Hitlers Stararchitekt und Rüstungsminister, inszenierte sich nach 1945 als der „gute Nazi“. Und man glaubte ihm allzu gerne. Die Ausstellung „Albert Speer in der Bundesrepublik – Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit“ im NS-Dokumentationszentrum zeigt, wie seine Lügen erst spät entlarvt wurden.

speer_ehu_27062019a

Als Albert Speer (l.) 1966 aus der Zitadelle in Spandau entlassen wurde, begrüßten ihn hunderte Menschen, darunbter viele Medienvertreter. Foto: Deutsches Historisches Museum

Schon in den Nürnberger Prozessen gelang es Albert Speer, die Richter von seiner „Unschuld“ zu überzeugen. Er gab Nichtwissen von den Verbrechen vor und spielte den von Hitler Verführten, den zu spät Einsichtigen: Er hätte es wissen können, wenn er es gewollt hätte. Schließlich wurde er zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach der Haftentlassung 1966 wurde er zum gefeierten Entlastungszeugen

Als er 1966 das Gefängnis in Berlin-Spandau verlassen konnte, wartete vor dem Tor eine Menschenmenge auf ihn, darunter viele Medienvertreter. In den folgenden Jahren pflegte er bis zu seinem Tod 1981 in Dutzenden Zeitungs- und TV-Interviews sein Image als „geläuterter“ Zeitzeuge. Dabei halfen ihm auch autobiografische Bücher wie „Spandauer Tagebücher“, „Erinnerungen“ oder „Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzung mit der SS“. Im sechstelligen Bereich verkauft, machten sie ihn reich. Und seine Lügen überzeugten selbst Simon Wiesenthal.

Erst nach Speers Tod durchbrachen anerkannte Historiker das Lügenkonstrukt. So forderte Speer für den Umbau Berlins in die monumentale Reichshauptstadt „Germania“, dass vor allem Juden ihre Wohnungen verlassen mussten. Er genehmigte 1941 persönlich den Ausbau des Vernichtungslagers Auschwitz – die Ermordung der Juden dort war ihm durchaus bekannt. In den Stollen von Dora-Mittelbau ließ er unter unmenschlichen Bedingungen von Zwangsarbeitern und KZ-Insassen die „Vergeltungswaffe“ V“ zusammenbauen.

Lange wurde Speers Lügengebilde nicht hinterfragt

Die Wanderausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitaggelände – Köln ist die dritte Station – zeichnet mit historischen Bild- und Tondokumenten nach, wie sehr Nachkriegsdeutschland nach Speers „Entschuldung“ gehungert hatte. Wie Wissenschaftler kritiklos an seiner Legende mitgewirkt hatten, nicht zuletzt auch Verleger Jobst Siedler und Publizist Joachim Fest.

Erst nach seinem Tod machten sich Historiker wie die Politologin Isabell Trommer, der Historiker Bertrand Porz oder Jens-Christian Wagner von der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten daran, das Lügen- und Fälschungsgebäude auseinanderzunehmen. An Einzeltischen werden sie und ihre Forschungsarbeit vorgestellt und so gewürdigt – eine willkommene Auflockerung der notgedrungen strengen Ausstellungspräsentation mit Vitrinen und Schrifttafeln.

„Albert Speer in der Bundesrepublik – Vom Umgang mit deutscher Vergangenheit“ – bis 8. August 2019. NS-Dokumentationszentrumder Stadt Köln, Appellhofplatz 23-25, 50667 Köln, www.nsdok.de,Di-Fr 10-19 Uhr, Sa und So 11-18 Uhr, erster Donnerstag im Monat 10-22 Uhr. Katalog

Zurück zur Rubrik Köln Nachrichten

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Köln Nachrichten

blome_stadt_koeln_10082020

Menschen sind mehr mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs

Köln | Die Corona-Krise hat auch auf den Verkehr einer Großstadt wie Köln deutliche Auswirkungen. Im Interview sprechen Verkehrsdezernentin Andrea Blome und der Leiter des Amtes für Verkehrsmanagement, Patric Stieler, über die Folgen.

marktstrasse_25062020

Köln | Am 25. Juni rückte die Stadt Köln mit einem massiven Polizeiaufgebot vor dem besetzten Haus an der Marktstraße im Kölner Süden an. Sie wollte räumen. Die Räumung wurde nach massiven Protesten abgebrochen – jetzt bietet die Stadt den Hausbesetzern ein alternatives Gebäude in Köln-Deutz für eine Übergangszeit von zwei Jahren an.

2000 Jahre Kölner Geschichte in Bildern

Köln | Die Geschichte der großen Rheinmetropole Köln ist so einzigartig wie umfangreich. Mehr als 2000 Jahre gibt es die Stadt, die einst von den Römern an der Grenze ihres Imperiums gegründet worden ist. Im Mittelalter erlebte Köln vor allem durch die Ankunft der Heiligen Drei Könige einen ganz neuen Glanz und wurde zum Zentrum für Pilger aus der ganzen christlichen Welt – eine heilige Stadt. Später prägten der 30-jährige Krieg sowie die Franzosen- und die Preußenzeit die Entwicklung der Domstadt. Heute gehört Köln mit ihren mehr als einer Million Einwohnern zu den größten Städten Deutschlands. Noch immer finden sich auf dem Stadtgebiet zahlreiche historische Monumente wie das Prätorium oder die romanischen Kirchen sowie dem prächtigen gotischen Dom.

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >