So hoch könnte der neue Hochpunkt in Köln-Riehl werden

Köln | Es gibt etwas zu sehen, wenn auch aktuell nur im Modell: Das geplante Hochhaus der Deutschen Eisenbahnversicherung DEVK zwischen Rhein, Zoo und Seilbahn. Aktuell geht es vor allem um Höhen und Kubaturen in den fünf Entwürfen der Architekturbüros. Am Samstag konnten sich Kölner Bürgerinnen und Bürger ein Bild machen.

Kölns Baudezernent Markus Greitemann und DEVK Vorstand Bernd Zens im Dialog vor der Präsentation der Entwürfe für den neuen Hochpunkt der DEVK am 19. Januar 2024. | Foto: report-K

Die Kölner Stadtsilhouette könnte demnächst durch einen markanten Hochpunkt ergänzt werden. Bis 145 Meter hoch könnte das neue Gebäude – oder zwei – in den kölschen Himmel ragen. Mit 145 Metern würde das geplante Hochhaus zwei Meter kleiner als das Colonia-Haus in Köln-Riehl in unmittelbarer Nähe. Das Colonia Haus, heute auch AXA-Hochhaus genannt ist denkmalgeschützt. Bis zum Jahr 1976 war es das höchste Haus in Deutschland, dessen 45 Etagen am 1. August 1973 bezugsfertig waren. Das AXA-Hochhaus dient in der Hauptsache Wohnzwecken.

Der Entwurf von BAID Architektur am 19. Januar 2024. | Foto: report-K

Der geplante Turm der DEVK dient vor allem dem Unternehmen bei seiner strategischen Weiterentwicklung. Das Unternehmen will wachsen. Wachsen am Kölner Standort. Das es diesen Entschluss gab, ist nicht ganz neu, denn um das Hochhaus entwickelte sich eine lebhafte Debatte in der Kölner Stadtpolitik und -gesellschaft. Die 1. Stufe des zweistufigen Architektenwettbewerbs zeigt nun, dass Bewegung in Debatte und Sache kommt. Gleichwohl bleibt die Debatte teilweise irritierend: Wenn etwa die Frage in Politik und Medien aufgebracht wird, ob ein solches Bauwerk eine Kapitalanlage sei? Natürlich stehen Immobilien in der Bilanz eines Unternehmens, Organisation oder Kommune und werden dort als Kapitalanlage gewertet – übrigens auch steuerrechtlich. So ist das natürlich auch bei einer Versicherungsgesellschaft wie der DEVK und ihren Planungen eines neuen Hochhauses.

Der Entwurf von Henke Schreieck Archtiekten ZT am 19. Januar 2024. | Foto: report-K

Städtebau im Fokus

Aber das ist nur eine Randnotiz. Es gibt nun fünf erste Entwürfe, die vor allem Kubatur und grobe Struktur vorzeichnen vor dem Hintergrund der Vorgaben von Raumbedarfen, Stadtklima oder städtebaulicher Integration. Es ist eine herausfordernde Aufgabe für die Architekturbüros. Zum einen gibt es die Anforderungen des Unternehmens und zum anderen die Forderungen wie etwa eine Verbindung zwischen Zoo und Rhein bei dazwischen liegender KVB-Haltestelle „Zoo/Flora“ zu schaffen. Wie kann da eine Durchgängigkeit realisiert werden?

Der Hausarchitekt der DEVK Jean-Marc Minery erklärt den Entwurf von Henke Schreieck Archtiekten ZT am 19. Januar 2024. | Foto: report-K

Jetzt liegen die Massenmodelle vor, die einen Eindruck geben, wie schlank etwa der Baukörper oder die Baukörper werden. Denn viele der Architekturbüros entwickelten nicht nur einen einfachen viereckigen Klotz, sondern gestalteten etwa mit verbundenen Winkeln oder sogar zwei Gebäudeteilen und formten daraus ein Ensemble. Die BAID Architekten etwa verbanden zwei Winkel mit einem schmalen Kern. Henke Schreieck Architekten ZT formten aus mehreren kleinen Körpern ein Hochhaus mit Durchblicken oder HPP Architekten setzten auf zwei Häuser, wie auch JSWD Architekten, die diese zwei Baukörper allerdings verbanden. Auch Lengfeld & Wilisch setzt auf zwei Baukörper mit filigranen Zwischenkonstruktionen.

Der Entwurf von HPP Architekten am 19. Januar 2024. | Foto: report-K

Die neuen Gebäude sollen auf dem Sockel des derzeitigen Zoo-Parkhauses entstehen. Der neue Hochpunkt soll sich einbetten in die Umgebung und muss vor dem Hintergrund des Weltkulturerbes Kölner Dom einer UNESCO Prüfung standhalten.

Zukunftssicherung

Bei der Präsentation der Modelle war auch Kölns Baudezernent Markus Greitemann vor Ort. Der betonte die enorme Bedeutung der städtebaulichen Proportionen und Architektur sowie die Verantwortung die das Unternehmen DEVK am Standort trage. Gleichzeitig maß Greitemann der Standortsicherung und Zukunftssicherung der DEVK Bedeutung zu. Greitemann zu seiner Zielsetzung: „Ein gutes Stück Köln und ein gutes Stück DEVK“ solle entstehen, bei gleichzeitiger Verträglichkeit mit dem Weltkulturerbe Kölner Dom. Die jetzt gefundenen Massenmodelle nannte Greitemann erstaunliche Ergebnisse.

Der Entwurf von JSWD Architekten am 19. Januar 2024. | Foto: report-K

Der DEVK-Vorstand Bernd Zens machte deutlich, dass es derzeit keine Überlegungen bei der DEVK gebe, den Standort Köln aufzugeben. Neben dem Neubau des Turms werde sein Unternehmen jetzt die Sanierung der bestehenden Gebäudestruktur vornehmen. Diese sei zwar sehr gepflegt, aber es bedürfte einer dringlichen Sanierung. Aufgrund der bisherigen Zeitverzögerungen ginge der bisherige Plan nicht auf. Erst Neubau Turm, dann mit allen dorthin umziehen und daraufhin die Bestandsgebäude zu sanieren. Wichtig sei allerdings der DEVK, dass sie ihre Gästeappartements im neuen Turm unterbringen könne, die von Mitarbeitenden genutzt werden, wenn diese etwa zu Schulungszwecken in Köln weilten.

Der Entwurf von Lengfeld Wilisch Architekten am 19. Januar 2024. | Foto: report-K

Im Frühsommer gibt es mehr zu sehen

Bis Mai soll die zweite Phase des Architekturwettbewerbs abgeschlossen werden. In die gestalterische Arbeit, die jetzt vor den Büros liegt, werden die Anregungen der Jury und der Bürgerbeteiligung einfließen. Dann dürfte es visuell noch spannender werden, wenn etwa die fünf Architekturbüros auch in die Details der Fassadengestaltung einsteigen und ihre Ideen dazu präsentieren werden. Zur Debatte um die Gebäudehöhe habe etwa die erste Jurysitzung ergeben, dass ein höheres und dafür schlankeres Gebäude bevorzugt werde im Gegensatz zu einem massigeren Baukörper.