Das Denkmal des Reitergenerals Jan von Werth auf dem Kölner Alter Markt

SERIE: Kölner Köpfe und Orte

Köln | In der neuen Serie „Kölner Köpfe und Orte“ blicken wir auf Persönlichkeiten in der langen Geschichte der Domstadt. Diese hat Feldherren und Politiker genauso hervorgebracht wie herausragende Wirtschaftsführer und Sportler oder bekannte Künstler und Kulturschaffende. In der ersten Folge dreht sich alles um einen Reitergeneral, der zur Legende wurde.

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Jan und Griet

„Griet, wer et hätt jedonn!“ und „Jan, wer et hätt jewoss!“ – dies dürfte wohl der bekannteste kölsche Dialog in der über 2000-jährigen Geschichte der Domstadt sein. Es ist der letzte Wortwechsel zwischen dem siegreichen Reitergeneral Jan und der hochnäsigen Kölner Magd Griet – danach trennen sich die Wege des verhinderten Liebespaares für immer. Doch von Anfang an – die Legende von „Jan und Griet“ handelt vom einst armen Knecht Jan, der sich in die Magd Griet verliebte. Doch die denkt gar nicht daran, ihn zum Mann zu nehmen, hofft sie doch auf eine deutliche bessere Partie.

Jan trifft die barsche Ablehnung seines Heiratsantrags so hart, dass er sich als Soldat anwerben lässt und in den Krieg zieht. Dort steigt er zum mächtigen General auf und kommt bei einem Triumphzug durch das Severinstor in seine Heimatstadt zurück. Auf dem Markt entdeckt er seine einstige große Liebe an einem Stand, wo diese ihre Äpfel anbietet, und lenkt sein Pferd zu ihr. Er steigt ab und zieht seinen Hut vor ihr. Doch für die Beziehung zwischen den beiden ist es zu spät, der General steigt wieder auf sein Pferd und reitet davon.

Die Historie

Die historische Persönlichkeit hinter dieser Legende ist Johann Reichsfreiherr von Werth besser bekannt als Jan von Werth. Er wurde 1591 vermutlich in Büttgen, das heute zur Stadt Kaarst gehört, geboren und starb 1652 auf Schloss Benathek. Im Dreißigjährigen Krieg gehörte er zu den bekanntesten Reitergenerälen. Der Feldherr stammte aus einfachen, bäuerlichen Verhältnissen und erlebte den großen Krieg von der Schlacht am Weißen Berg 1620 bis zur Schlacht bei Dachau 1648. Der Krieg prägte den Heerführer, der als Söldner zunächst auf spanischer bzw. kurkölnischer, dann auf bayerischer und zuletzt auf der kaiserlichen Seite kämpfte. Auch seinen Titel als Freiherr verdankt er seinen Leistungen auf dem Schlachtfeld. Was die Liebe angeht, ist bekannt, dass Jan von Werth dreimal verheiratet war.

Legende bis heute in Köln präsent

In Köln ist der Reitergeneral bis heute präsent. So ist sein Denkmal auf dem nach ihm benannten Brunnen auf dem Alter Markt unübersehbar. Stolz blickt er aus luftiger Höhe über das Zentrum der Kölner Altstadt. Ein weiterer Ort, der an ihn erinnert ist die Severinstorburg in der Südstadt, wo der Legende nach die Begegnung zwischen Jan und Griet stattgefunden haben so.

Das Traditionskorps pflegt die Legende

Lebendig wird diese alljährlich an Weiberfastnacht, wenn das Reiterkorps Jan von Werth sein historisches Spiel aufführt. Zum Traditionskorps mit seinen historischen Uniformen inklusive der Perücken, den prächtigen Hüten und die braunen Stiefeln, die über das Knie gehen, gehört traditionell auch das Jan-und Griet-Paar, das jedes Jahr neu proklamiert wird. Das Reiten gehört im Korps des Reitergenerals natürlich zu den zentralen Elementen. In diesem Jahr kann das historische Spiel wie schon im Vorjahr wegen der Pandemie nicht stattfinden. Aber wer an einem Markttag auf den quirligen Chlodwigplatz geht und von dort auf das mächtige mittelalterliche Stadttor blickt – dem kommt vielleicht der berühmte Dialog in den Sinn: „Griet, wer et hätt jedonn!“ und „Jan, wer et hätt jewoss!“ – eine große kölsche Liebe, die leider kein Happy End gefunden hat.

Tipp: Am kommenden Wochenende beschäftigt sich die report-K Serie Kölner Köpfe und Orte mit Ferdinand Franz Wallraf.

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