Die neue Sonderausstellung im Wallraf zeigt den Weg der Pariser Künstler vom Salon zum Impressionismus. Foto: Eppinger

Köln Es war gerade mal gut ein Jahrzehnt, das die Kunst und damit die gesamte Kultur in Paris und in Europa revolutionär veränderte. Vor 150 Jahren fand in der Seine-Metropole in einem Fotoatelier die erste Ausstellung von avantgardistischen Malern wie Degas, Monet, Morisot, Renoir, Pissarro, Cézanne und Sisley statt. Sie befreiten sich so von einem zentralistisch organisierten und staatlich gelenkten Kunstbetrieb. Als Impressionisten eroberten diese Künstler ganz grundlegend die Kunstwelt. Ihren Weg zur eigenen Emanzipation präsentiert bis zum 28. Juli eine große Sonderausstellung im Wallraf.

Zuvor war es ein politisch gesteuerter “Salon officiel”, der als alljährlicher Dreh- und Angelpunkt der Kultur und als Referenz für die Kunst der Zeit das Geschehen in Paris bestimmte. Tausende Werke wurden in den großen Sälen des Palais de l’Industrie an den Camps Élysées den jährlich bis zu 900.000 Besuchern präsentiert. Der Salon war seit dem Jahr 1667 nicht nur eine Plattform für Künstler, sondern auch ein politisches Propagandainstrument des Kaisers. Wer dort ausstellen durfte, entschied rigide eine vom Kaiserhaus und der Akademie eingesetzte Jury, was nicht selten Proteste der abgelehnten Künstler hervorrief.

Die Kunst im Salon wurde rigide von einer Jury ausgewählt. Foto: Eppinger

Ein Raum der Schau widmet sich der Landschaftsmalerei, welche die Sehnsucht des Städters nach Zufluchtsorten, nach Ursprünglichkeit und Ferne bediente. Je lauter und rasanter das städtische Leben in Paris wurde, desto größer wurde das Bedürfnis, der Stadt zu entfliehen. Dabei war keine andere Großstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so im Wandel begriffen wie Paris. Napoleon III. gestaltete die Seine-Metropole radikal zur modernen Hauptstadt. Darunter litten vor allem die Arbeiter, ihre ursprünglichen Viertel wurden abgerissen, erste Banlieues am Stadtrand entstanden. Auch auf dem Land verschlechterten sich im Zuge der Industrialisierung die Situation für die Bauern dramatisch.

Profiteure der Entwicklung waren neben den Bürgern auch die Künstler, die nach Freiheiten außerhalb von gesellschaftlichen Konventionen suchten. Sie genossen das aufkeimende Nachleben und trafen sich in Vierteln wie dem Montmartre in Cafés oder Ateliers. Zu den Schattenseiten der Zeit gehörte der ungeheure Machthunger des Kaisers, der Kriege hervorbrachte, die im Desaster und in Hungersnöten der Bevölkerung endeten.

Der „Salon des refusés“ brachte 1863 die Wende für die Pariser Künstler. Foto: Eppinger

Die Wende für die Paris Künstler brachte 1863 ebenfalls Napoleon III, der die zunehmenden Proteste gegen die Juryentscheidungen besänftigen wollte, indem er den abgelehnten Malern die Chance geben wollte, im “Salon de refusés” ihre Werke ganz offiziell zu präsentieren. Letztlich zeigten dort zwar nicht viele Künstler ihre abgelehnten Arbeiten, dafür war das Echo auf die Parallel-Ausstellung in der Presse groß und es gab viel Lob etwa für die kraftvolle Farbwirkung des Werks von Gustave Colin. So löste der Kaiser unbeabsichtigt eine Fessel und befreite das Ausstellungsgeschehen.

Was folgte war 1874 der “Salon der Unabhängigen” als Schau junger Talente in einem Fotoatelier, mit großen Namen, die später die Kunstwelt als Impressionisten eroberten. Jedes Jahr sollte nun von den Unabhängigen ein Atelier angemietet werden, um möglichst viele Werke zeigen zu können. 165 Arbeiten von 30 Künstlern waren bei der ersten Schau zu sehen. Sie provozierten eine Welle der Kritik in der etablierten Kunstwelt, aber auch reichlich Bewunderung und Aufmerksamkeit. Über zwölf Jahre hinweg gab es diese Ausstellungen in Paris. Sie öffneten das Tor zur Moderne, in der sich die Malerei vom Gegenständlichen befreien sollte.

Die Maler verlegten ihre Ateliers in die Natur

Das wichtigste Anliegen der Impressionisten war die Landschaft. Erklärtes Ziel war es, unter freiem Himmel Licht und Atmosphäre einzufangen, beeinflusst durch Wind und Wetter. Das Tageslicht und seine Effekte wurden wichtiger als die Örtlichkeit selbst. Mit tragbarer Staffelei, Hocker und Schirm ausgerüstet, verlegten die Maler ihr Atelier in die Natur, um dort “Impressionen” festzuhalten. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch die Erfindung der Tubenfarbe und das Angebot fertig grundierter Leinwände und Malmappen.

Service: “1863 – Paris – 1874: Revolution in der Kunst bis zum 28. Juli im Wallraf-Richartz-Museum, Obermarspforten. Der Katalog zur Ausstellung ist im Wienand-Verlag erschienen und kostet im Museumsshop 32 Euro. Führungen gibt es mittwochs um 16.30 sowie sonntags um 11.30 und 15 Uhr. Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Eintritt: 13 (ermäßigt 8) Euro.

www.wallraf.museum