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Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland, Ausstellungsansicht, Gropius Bau, 2018
Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / David von Becker

Kölner Scherben in Berlin – Die große Archäologie-Ausstellung „Bewegte Zeiten“ zeigt Funde aus dem U-Bahn-Bau

Berlin/Köln |Scherben, Scherben, hunderte, ja tausende Scherben aus Köln empfangen derzeit den Besucher der Archäologie-Ausstellung „Bewegte Zeiten“ in Berlin. Im Martin-Gropius-Bau ist der zentrale Eingangsraum der Ausstellung archäologischen Funden aus Köln gewidmet, genauer: aus Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA), dem römischen Köln.

„Bewegte Zeiten“, organisiert vom Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin unter der Ägide von Matthias Wemhoff in Kooperation mit dem Verband der Landesarchäologen der Bundesrepublik Deutschland, ist so etwas wie eine Leistungsschau der Archäologie in Deutschland aus den letzten zwanzig Jahren. Die Ausstellung trägt vieles von dem zusammen, was in den letzten Jahren von Archäologen in ganz Deutschland in Ausgrabungen zu Tage gebracht worden ist. Köln ist dabei – als einzigem Ort - ein eigener Raum der ansonsten thematisch (Mobilität, Konflikt, Austausch, Innovationen) organisierten Ausstellung gewidmet.

Wie so oft bei Archäologie-Ausstellungen bedarf es dabei der sachkundigen Erklärung als Augenöffner, sonst bleibt eine Scherbe eine Scherbe und nicht ein sprechendes Zeugnis der Vergangenheit. So auch hier.

Neben den im wahrsten Sinne des Wortes zu Scherbenhaufen aufgetürmten Tonscherben aus Köln sieht der Besucher erst einmal viel Holz, genauer: Holzpfähle und Holzbohlen, stattliche zwei Meter hoch.

Die  Holzpfähle mit Eisenbesatz, gefunden am Kurt-Hackenberg-Platz an der Philharmonie, zeugen von der römischen Rheinbrücke, die Köln mit dem Kastell Castrum Divitia (Deutz) verband, dem Brückenkopf des römischen Imperiums im germanischen Feindesland auf der anderen Rheinseite. Errichtet unter Kaiser Konstantin, 336 nach Christus, war dies die erste feste Kölner Rheinbrücke. An der Stelle der Konstantinischen Brücke überspannt heute die Deutzer Brücke den Rhein.

Noch dreihundert Jahre älter sind zwei Dutzend übermannsgroßer Holzbohlen, die ebenfalls am Kurt-Hackenberg-Platz gefunden wurden. In der Ausstellung heißt es dazu: „Die Wand aus Eichenholzbohlen wurde errichtet, um die Baugrube des rheinseitigen Teils der Stadtbefestigung vor Hochwasser zu schützen. Die unter Kaiser Domitian (geboren 51 nach Christus, 81 bis 96 Kaiser) errichtete Stadtmauer war als Bauprojekt eine Meisterleistung. Materialien wie Stein und Holz wurden aus der näheren Umgebung Kölns und aus weiter entfernten Gegenden beschafft und über den Rhein angeliefert. Das durch ein Turmhaus gesichterte Hafentor gestattete den Durchgang durch die mindesten acht Meter hohe Wehrmauer in Richtung Rheinhafen. Unter dem Tor verief ein Kanal, der die Abwässer der Stadt in den Fluss führte.“

Genauso interessant sind die Grabsteine aus Kalkstein mit den akurat gemeißelten römischen Buchstaben und Ziffern, wie man sie aus allen römischen Gebäuden und Ruinen kennt.

Die in Köln gefundenen Grabsteine jedoch sind geradezu „demokratisch“; es gab sie nicht nur für ranghohe Statthalter Roms oder für  Soldaten der Rheinarmee.

Da ist der Grabstein für einen Quintus Vetinius Verus, gefunden an der Luxemburger Straße. Er war, so erfahren wir, Zimmermann. Zugleich verrät die Inschrift, dass es mindestens dreihundert Zimmerleute in Köln gegeben haben muss, die sich in einem „collegium“ zusammen geschlossen haben, was wie ein früher Vorläufer der viel späteren, mittelalterlichen Handwerkerzünfte erscheint.

Da ist der Grabstein für Sextus Haparonius Iustinus, gefunden am Kunibertskloster, seines Zeichens seplasarius, Parfümhändler, der Parfums, Salben, Schminkzeug und sonstige bei den Damen sehr geschätze Waren nach Köln brachte.

Und da ist der Grabstein des Matrosen Aemilius, gefunden am Kreuzgang St. Severin, vom dem die Archäologen sagen, das er aus dem Südwesten Britanniens nach Köln gekommen ist, ein Rheinschiffer also wie der Steuermann Horus, dessen Grabstein bei St. Ursula gefunden wurde, der im ägyptischen Alexandria geboren sein soll und im seinerzeit hohen Alter von sechzig Jahren in Köln verstarb.

All das zeugt von dem, was das antike Köln war: Die nördlichste Stadt Roms, die auch reichlich Müll produzierte und die Tonamphoren wie Einwegbehälter entsorgte. Stützpunkt der römischen Rheinflotte (mit ihrem Heimathafen in Köln-Alteburg). Ein Handels- und Marktplatz, auf dem Waren aus allen Teilen des römischen Imperiums zu finden waren. Und – fast wie heute – eine „Metropole“, in die Menschen aus allen Weltgegegenden kamen, weil hier was los war.

So ist das unscheinbarste Exponat der Berliner Ausstellung vielleicht das spektakulärste. Eine nicht einmal handballengroße Scherbe, ein unscheinbares Stück Keramik mit einem Pflanzenmotiv auf rotbraunem Grund, ist für Archäologen ein fast sensationelles Fundstück, ausgegraben am Alter Markt. „Es ist das Fragment eines in Oberägypten, in Assuan oder Alexandria, hergestellten Transport- und Vorratsgefäßes aus der 2. Hälfte des 1. oder des 2. Jahrhunderts“, sagen die buddelnden Wissenschaftler. Was auch hieße: Das römische Köln unterhielt Handelsbeziehungen bis nach Ägypten!

Da staunt selbst der Berliner, gilt eben doch: Köln war schon Metropole als es Berlin noch gar nicht gab. Deshalb findet man in Berlin, wenn man im Boden buddelt (Flughafen) nur Sand und in Köln (U-Bahn) die Reste Roms.

Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland

Martin-Gropius-Bau, Berlin

bis 6. Januar 2018

Der Katalog (mit einem Kapitel über das antike Köln von Dr. Marcus Trier, dem Direktor des Römisch-Germanischen Museums Köln) ist im Michael Imhof Verlag erschienen.

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