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Das Symbolbild zeigt eine Galerie in der Tiefebene des Ebertplatzes. Foto: ehu

Selbstjustiz am Ebertplatz? - rechte Hooligans zeigen "Präsenz"

Köln | „Köln gegen Rechts“ berichtet von rechten Hooligans und Bürgerwehrgruppen am gestrigen Samstagnachmittag auf dem Ebertplatz. Unter anderem kursiert ein Video mit einer Männergruppe vom Ebertplatz in den sozialen Netzwerken mit eindeutig rassistischen Kommentaren. Die Polizei wird in diesen Kommentaren als „Blaue Funken“ dargestellt und machte die Vorfälle vom gestrigen Samstag erst heute, nach den Berichten von „Köln gegen Rechts“ öffentlich und bestätigt diese in weiten Teilen.

Eindeutig rassistische Kommentare

Zunächst baute die Kölner AfD auf dem Ebertplatz am Samstagnachmittag einen Infostand auf und dokumentierte diesen auf dem menschenleeren Platz ausgiebig in sozialen Netzwerken auch fotografisch. In den sozialen Netzwerken taucht später zudem ein Video auf der Facebookseite von „KoelscheJungAchim“ auf, das eine Gruppe Männer vor Streifenwagen der Kölner Polizei zeigt. Unter diesem Film, der mittlerweile über 70 mal geteilt ist, erscheinen Kommentare die eindeutig rassistisch geprägt sind: „Kölsche Junge Stehen zu Ihrer Stadt - Haltet den Ebertplatz von den Mohrenköpfen Sauber“ oder „Wo ist die Nutella Bande, op de Fress jekriegt?“ Die Polizei, so scheint es wird in den Kommentaren als „Blaue Funke“ bezeichnet. Zudem zeigen viele ihre Sympathie und wollen sich anschließen und einer schreibt „Die Säuberung kann beginnen“. "Köln gegen Rechts" rechnet diese Männergruppe der „rechten Hooligan- und Bürgerwehrszene“ zu und berichtet weiter: „Danach löste sich der Mob zunächst scheinbar auf. An der Eigelsteinstorburg kam es zum Zeigen des Hitlergrußes, ohne dass die Polizei einschritt, und zur Bedrohung von Pressefotografen.“

Hooligans attackieren Künstler und Galeriebesucher

Später am Nachmittag sollen wieder Hooligans den Platz gestürmt, Menschen attackiert und auch eine stattfindende Kunstaktion gestört haben. „Köln gegen Rechts“ dokumentiert einen Augenzeugenbericht eines Galeriebetreibers am Ebertplatz: „Um 14:00 h kamen Hooligans auf den Ebertplatz, liefen vor unserer Galerie herum und störten die gerade laufende Kunstperformance. Sie warfen Gegenstände um und beleidigten die BesucherInnen. Um ca.17h.00 h kamen erneut etwa 20 Hooligans auf den Ebertplatz gelaufen. Oben auf dem Platz traten sie nach zwei Schwarzen. Dann kamen sie nach unten in die Passagen zu den Galerien gelaufen. Dabei schmissen sie mit Bierflaschen um sich und kamen drohend auf ca. 10 anwesende Künstler/innen zu. Diese werden als Künstlerpack beschimpft und es wurde ihnen Prügel angedroht. Eine anwesende Frau wurde von ihnen als „Fotze" beschimpft. Dann liefen sie weiter auf eine afrikanische Bar zu und bedrängten dort eine schwarze Frau. Dann kam Polizei und die Hooligans flüchteten durch die unterirdischen Zugänge. Es kam zu Jagdszenen zwischen Polizei und Hooligans auf dem Ebertplatz."

Klaus Lober von „Köln gegen Rechts“: „Es steht zu befürchten, dass die Situation am Ebertplatz weiter eskaliert und hier ein Schauplatz rechtsextremistischer Hetze und Gewalt entsteht. Insbesondere aus dem extrem gewaltbereiten Spektrum der sogenannten „Bürgerwehren" und der Hooliganszene ist von weiteren Aktionen auszugehen. Jetzt gilt es dringend zu verhindern, dass sich extrem rechte Gewalt in Köln etabliert.“

Polizei bestätigt die Vorfälle später

Am späten Sonntagnachmittag bestätigt die Kölner Polizei nach Veröffentlichung von „Köln gegen Rechts“ zwei Polizeieinsätze auf dem Kölner Ebertplatz und titelt „Polizei geht gegen ‚Rechtsextremisten‘ am Ebertplatz vor“. Die Polizei rechnet diese Gruppe der Kölner Hooliganszene zu. Die Polizei spricht von 60 Hooligans, die sich gegen 13 Uhr auf dem Ebertplatz am Samstag befunden haben sollen. Diese seien dann in kleineren Gruppen abgewandert. Zu den anschließenden Vorfällen an der Eigelsteintorburg, die „Köln gegen Rechts“ schildert, schreibt die Kölner Polizei, dass sie gegen Unbekannt ermittle, wegen „Zeigen des Hitlergrußes“.

Weiter berichtet die Kölner Polizei, dass gegen 18 Uhr wiederum 15 Personen auf dem Platz auftauchten. Zu diesem Zeitpunkt war die Polizei nicht auf dem Platz präsent und bezieht sich daher auf Zeugenaussagen, die von Auseinandersetzungen in der Tiefebene, sprachen. Der Einsatz begann anscheinend erst danach. In der Mitteilung der Polizei heißt es: „Polizisten stellten acht potentielle Tatverdächtige, die nach eigenen Angaben zum Ebertplatz gekommen waren, um ‚Präsenz‘ zu zeigen. Zwei von ihnen (45, 55) nahmen die Beamten wegen ihres aggressiven Verhaltens während der Überprüfungen in Gewahrsam. Die Übrigen kamen einem Platzverweis nach.“

Kein neues Kölner Phänomen

Das Phänomen, dass Hooligans- und Bürgerwehren für Ordnung sorgen wollen ist in der Stadt, in der die Hogesa-Krawalle, an fast der gleichen Stelle stattfanden, nicht neu. Schon nach der Silvesternacht 2015/16 machten diese Gruppen auf sich aufmerksam. Man hätte also auch am Ebertplatz damit rechnen können. Das die Kölner Polizei die Vorkommnisse am Ebertplatz vom Samstagnachmittag, die einer politischen Brisanz nicht entbehren, erst drei Stunden nach der Veröffentlichung durch die linke politisch aktive Gruppe „Köln gegen Rechts“ aus der Stadtgesellschaft öffentlich macht, weckt ebenfalls Erinnerungen an die Ereignisse des Jahreswechsels 2015/16 und die damalige Informationspolitik der Behörde. Immerhin gelang es der Kölner Polizei im Nachgang zur Kölner Silvesternacht durch konsequentes Handeln derartige Umtriebe der Selbstjustiz im Keim zu ersticken.

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