Kultur Bühne

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Der Holländermichl (Michl Thorbecke, hinten) umgarnt Peter (Oliver Schnelke) mit dem versprechen von Reichtum und Erfolg. | Foto: Sonja Lang / NN Theater

NN Theater: „Das kalte Herz“ erwärmt das Festival-Publikum

Köln | Die Gesellschaft verachtet ihn, weil er arm ist. Um reich zu werden, verkauft er sein Herz. Mit Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“ hat das NN Theater sein diesjähriges Festival im Südstadt-Friedenspark eröffnet. Die Köln-Premiere des Stücks wurde vom Publikum begeistert gefeiert.

„Geflößt wird bei jeden Wetter!“, verkündete das Ensemble nach der Pause. Und während an das Publikum in der Open-Air-Spielstätte Regenumhänge aus Plastik verteilt wurden, trotzten Oliver Schnelke, Christine Per, Michl Thorbecke, Irene Schwarz und Bernd Kaftan auf der Bühne dem Regenschauer. Der dann zum Glück nur kurz dauerte.

Der Traum von Reichtum und gesellschaftlicher Anerkennung

„Das kalte Herz“ ist die Geschichte vom Kohlenmunk-Peter (Oliver Schnelke), dem armen Köhler-Jüngling aus dem Schwarzwald, der von der Gesellschaft ausgeschlossen wird. Und auch wenn Lisbeth (Christine Per) seine Liebe erwidert – ohne Geld wird das wohl nichts. So sucht er Hilfe beim Schatzhauser, einem guten Waldgeist. Der erfüllt ihm auch seine Wünsche: besser tanzen können als der Gegenbuhler Hannes, immer so viel Geld in der Tasche haben wie der reiche Ezechiel und schließlich die Übernahme deiner Glashütte.

Die Wünsche werden – wenn auch widerwillig – erfüllt. Und erfüllen sich am Ende zwar folgerichtig – aber doch ganz anders als gedacht: Peter verarmt. In seiner Not wendet er sich an einen anderen Waldgeist, den Holländermichl (Michl Thorbecke). Der verspricht Reichtum im Tausch von Peters mitfühlendem Herz gegen ein Herz aus Stein.

So wird aus Peter ein herzloser Händler, der Holz über den Rhein nach Amsterdam verkauft, in den globalen Handel einsteigt. Nun kann er auch seine Lisbeth heiraten – doch als die einer Bettlerin hilft, erschlägt er sie aus Wut über diese Verschwendung. Das bringt ihn zur Besinnung. Er sucht Hilfe beim Schatzhauser, kann dem Holländermichl durch eine List sein altes Herz entwenden – und alles wird gut.

Eine Parabel auf das Erfolgsstreben von heute

Das NN Theater macht aus diesem Märchen nach bewährter Manier eine höchst unterhaltsame Parabel mit Bezügen zur Gegenwart. Es zieht – ohne erhobenen Zeigefinger – Parallelen zu ehrgeizigen und egomanischen Jung-Unternehmern von heute, die nur ihren „Flow“ finden wollen. Und es gibt Hoffnung. Schließlich hat es ein Köhler sogar schon einmal zum Bundespräsidenten gebracht. Peter will der Schwarzwälder Glasbläserei die Produktion von Souvenirs beibringen – zur Zeit des Märchens eine zu fortschrittliche Idee. Mehr Glück hat er erst später, als er ins Immobiliengeschäft und das Abholzen der Regenwälder einsteigt.

Aus dem Schatzhauser wird – gendergerecht aktuell – eine Schatzhäuserin. Gespielt wird sie von Iris Schwarz, die – wie auch die anderen – noch andere Rollen übernimmt. Einschließlich Bernd Kaftan, der hauptsächlich für die Musik zuständig ist – aber jeder und jede beherrscht ein Instrument. Und nicht nur damit zeigt das Quintett mitreißende Spielfreude.

Hinzu kommen die vielen kleinen Schmankerl. Die schrägen Schwarzwaldtrachten, die Glasbläserei mit Luftballons, das pantomimische Würfelzocken. Der Sturm, der die Akteure in die Schräglage zwingt. Die Gesangseinlagen, bei denen auch das Publikum mitsummt. Das Lästern über die dummen Kölner, denen Peter das schon verkaufte Holz klaut und in Amsterdam für das Zehnfache an den Mann bringt. Oder die pralle Loreley, der prompt ein Flößer zum Opfer fällt. Und nicht zuletzt das Flößer-Ballett, das sein Gefährt mit quietschenden Bremsen zum Stehen bringt.

Das Publikum legte sich dann beim Schlussbeifall keine Bremsen an.

NN Theater-Festival – bis 23. Juli, Kölner Friedenspark in der Südstadt. 19. und 20. Juli: „Das Kalte Herz“, 21. Juli: „Luther – ich fürchte nichts“, 22 und 23. Juli: „20.000 Meilen unter dem Meer“, jeweils 20.30 Uhr

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