Kultur Bühne

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Hüpfen in Tarnkleidung durch die „Vernichtung“: Sophia Burscher, Jonas Grundner-Culemann, Elias Reichert und Nikolay Sidorenko (v.l.) Foto: Birit Hupfeld/ Schauspiel

Schauspiel holt „Die Vernichtung“ aus Bern nach Köln

Köln | Mit der Einladung von „Die Vernichtung“ – eine Produktion des Konzert Theaters – hat sich Kölns Schauspiel-Chef Stefan Bachmann einen Wunsch erfüllt. Jetzt hatte das Stück von Olga Bach und Ersand Mondtag seine Premiere am Rhein.

Wenn sich der Anfangsnebel langsam lichtet, fallen aus einem Kirchenfenster vier Gestalten hinein in einen wunderlichen Garten mit Teich und Seerosen, antiken Statuen, Tulpen und Bäumchen. Wie einst Adam und Eva stehen sie nun nackt in einem Paradies – doch es sind nur grellbunt angemalte Ganzkörpertrikots mit übergroßen dreidimensionalen Gemächten. Für Kostüme, Bühnenbild und Regie zeichnet Mondtag verantwortlich.

Doch weil es meist düster bleibt, fällt es nicht nur schwer, die drei Männer und die eine Frau zu erkennen, die mit ihren Kostümen oft vor dem Hintergrund verschwimmen. Schwer zu erkennen auch, wer gerade spricht – erst recht, wenn der Ton hallt, aus scheppernden Lautsprechern kommt oder immer wieder in wummernden Bässen verschwindet (warum wird das Publikum eigentlich nur vor Stroboskop-Lichteffekten gewarnt?).

Vier Marionetten hampeln sich durchs verdunkelte Paradies

Wie Puppen am Faden stolpern und hampeln sich Nikolay Sidorenko, Elias Reichert, Jonas Grundner-Culemann und Sophia Burtscher fortan durchs Geschehen oder erstarren in antik-heroischen Posen – und das alles in einer bemerkenswerten Synchronität. Dabei verstricken sie sich in muntere, ergebnislose Diskussionen, auch um eine unklare Beziehungskiste geht es da. Man kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, rast quer durch alles, von dem das Autorenduo wohl meint, das es heute irgendwie aktuelles Partythema ist.

Was ist wichtiger: die Befreiung der Hunde oder die der Arbeiterklasse?

Soll man die Hunde von ihren Hundehaltern befreien oder doch nicht lieber die unterdrückte Arbeiterklasse? Soll man wählen gehen? Eine Prise Fremdenhass und Homophobie ist auch dabei. Drogen wären willkommen. Stimmt’s, dass ein Gehenkter vor dem Tod noch einen Orgasmus kriegt? Das kann man nun schlecht ausprobieren, wohl aber ein bisschen verschiedene Sex-Positionen. Einer der vier darf sich schließlich in befreiender realer Nacktheit dem Publikum stellen, bevor er zur Pose erstarrt und alles in Beethovens Sinfonie Nr. 3 versinkt.

Ist die „Die Vernichtung“ nun eine Klage über das verlorene Paradies, zerstört durch die Verantwortungslosigkeit der Menschheit – oder eine Persiflage auf all die, die nur schwadronieren statt zu handeln? Man weiß es nicht, der Premierenbeifall war trotzdem beifällig.

„Die Vernichtung“ – die nächsten Vorstellungen: 25., 27., 29. und 30. September, jeweils 20 Uhr. Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

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