Louwrens Langevoort von der Kölner Philharmonie. Foto: Matthias Baus

Köln. Der Ukraine-Krieg wirbelt nicht auch nur die Sportszene, sondern auch die Kulturbranche durcheinander. Man muss sich entscheiden, wo man steht.

So gaben die Münchner Philharmoniker am Dienstag Morgen bekannt, dass Putin-Freund Valery Gergiev nicht länger als Chefdirigent tragbar sei.

Oberbürgermeister Reiter: „Ich hätte mir erwartet, dass er seine sehr positive Einschätzung des russischen Machthabers überdenkt und revidiert. Das hat er nicht getan. In der aktuellen Situation wäre aber ein klares Signal für das Orchester, sein Publikum, die Öffentlichkeit und die Stadtpolitik unabdingbar gewesen, um weiter zusammenarbeiten zu können. Nachdem dies nicht erfolgt ist, bleibt nur eine sofortige Trennung.“

Louwrens Langevoort mit klarer Haltung zum Ukraine-Krieg

Und: Auch Opern-Star Anna Netrebko, der ebenfalls eine Nähe zum völlig losgelöst agierenden Staatschef nachgesagt wird, sagte ihren Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie ab.

Bei der Annexion der Krim 2014 stellte sich die Diskussion noch nicht. Nun ist das anders.

Was bedeuten diese Entscheidungen für den Klassik-Betrieb in Köln? Müssen russiche Künstler hierzulande nun gar prinzipiell ausgeladen werden?

Philharmonie-Intendant Louwrens Langevoort zu report-k.de. am Dienstag Nachmittag; „Die Münchner entscheiden für sich. Ich denke weiter soll man nicht alle stigmatisieren, die an ein Land gebunden sind. Es gibt viele Russen, die andere Gedanken haben als Putin, die das aber nicht öffentlich erklären können.“

Für das renommierte und international geschätzte Kölner Konzerthaus, in das Langevoort seit vielen Jahren zuverlässig Weltstars der Klassik holt, stelle sich aktuell die Frage von kriegsbedingten Absagen nicht, führt er weiter aus.

Langevoort will die Gergiev-Demission differenziert betrachten und warnt vor Pauschalisierungen und Polemik: „Dass es Künstler gibt, die sich für Putin und dessen Politik einsetzen, das ist deren Problem. Wir haben das Problem in Köln aktuell nicht. Aber nochmal möchte ich betonen: Man soll nicht alle Russen stigmatisieren.“