Köln | Design ist heute mehr als schöne Möbel oder Klamotten entwerfen. Was heute alles unter diesen Begriff fällt, zeigt nun schon zum 12. Mal die Ausstellung der Teilnehmer des „Kölner Design-Preises“ im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK). 28 Arbeiten von Studentinnen und Studenten sind zu sehen – und nicht nur dem Preisträger wünscht man eine (wirtschaftliche) Umsetzung.

Sieger ist Jakob Plöns. Er entwickelte „Vocus“, ein Rehabilitationsprogramm für Menschen mit neurologischen Bewegungseinschränkungen. Dabei hilft ein Virtual-Reality-System, Handlungen auszuführen, die sonst nicht mehr möglich sind. So kann – ein Video in der Ausstellung zeigt es – eine Parkinson-Kranke mit der VR-Brille mühelos kleine Würfel stapeln. Im Alltag ist sie nicht in der Lage, ohne Zittern Kleingeld aus der Börse zu holen.

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Der Sieger will sein Projekt als Masterarbeit weiterentwickeln

Plöns studiert an der Köln International School of Design (KISD). Für seine jetzt ausgezeichnete Bachelorarbeit arbeitete er mit einem Therapeutischen Zentrum zusammen. Diese Kooperation soll für die Masterarbeit fortgesetzt werden. Er hofft, mit seiner Methode langfristig die Heilung von Bewegungsstörungen erreichen zu können.

Insgesamt stehen 5.000 Euro als Preisgeld zur Verfügung. Statt wie gewohnt einen 1., 2. und 3. Preis zu verleihen, entschied die Jury diesmal, dem Sieger 2.000 Euro zu verleihen, den Rest gleichmäßig auf drei 2. Preise zu verteilen.

Kleiderstoffe mit Bakterien statt mit Chemie färben

Eine der „Zweiten“ ist Charlotte Werth (KISD). Sie erfand eine Methode, Kleiderstoffe mit Bakterien zu färben: „Das ist nachhaltig und nicht an herkömmliche Ressourcen gebunden.“ Und nicht so umweltbelastend wie der Einsatz chemischer Mittel. Gleichzeitig entwarf sie stoffsparende Schnittmuster.

Mit einem eindrucksvollen und einfallsreichen Animationsfilm will Katharina Kaven (Rheinische Fachhochschule Köln, RFH) über Depressionen aufklären, eine Krankheit, unter der immer mehr Menschen leiden. Dabei geht es nicht nur um die eigentliche Krankheit, sondern auch um die gesellschaftliche Ausgrenzung, die damit für die Betroffenen verbunden ist. Das eigene Leiden habe ihr bei dieser Arbeit geholfen, verrät sie.

„Ist/die Welt ist/noch zu retten“ heißt das Buchprojekt der dritten Zweitplazierten, Fabienne Schovenberg (ecosign). In einem Schuber stecken mehrere höchst originell zusammengefaltete Blätter, auf denen Hilfe für die „Suche nach Gelassenheit in sozialökonomischem Engagement“ zu lesen ist. Gerade die Umsetzung durch ein Buch überzeugte die Jury, zeige dies doch „eindrucksvoll die ruhenden Kräfte des gedruckten Wortes“.

Design ist heute auch die Lösung für gesellschaftliche Fragen

Die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Themen zeigt die Breite dessen, was heute unter Design verstanden wird. Katharina Nolte etwa entwarf etwa eine Diabetes-Kampagne mit dem Titel „Das Leben ist kein Zuckerschlecken“. Simon Meienberg untersuchte die Wohnsituation von Flüchtlingen. Mit seiner „Eco Bux“ will Lukas Körber Menschen ermuntern, sich ökologisch zu verhalten. Jennifer Wirth konstruierte ein Kommunikationskonzept gegen Angststörungen.

Aber „klassisches Design“ gibt es auch zu sehen. So untersuchte Christina Klüser, wie unterschiedliche Muster und Materialen für die Sitzfläche eines Stuhls das Wohlgefühl beeinflussen. Emily Gelbert macht Vorschläge, wie „Obsoleszenz“ vermieden werden kann, also – zum Beispiel bei elektrischen Haushaltsgeräten – die vom Hersteller geplante Nicht-Austauschbarkeit von Ersatzteilen. Katharina Wilting entwarf feministischen Schmuck. Fast nostalgisch mutet Carina Schmitts „Print Manual“ zur Gestaltung von analogen Druckerzeugnissen an. Zukunftsträchtig dagegen Andrew Saitos Idee, wie aus menschlichen Ausscheidungen Keramik werden kann.

Keiner weiß, was aus den bisherigen Teilnehmern wurde

Ein Ärgernis bleibt: So faszinierend jedes Jahr die neuen Ideen für Erstaunen sorgen, es ist nicht bekannt, was aus ihnen wurde. Dies liegt zum einen daran, dass die Design-Schulen den Werdegang ihrer Absolventen nicht verfolgen können, erklärt Wolfgang Laubersheim, Professor an der KISD und Organisator des Wettbewerbs. Zum anderen verfolgten viele Studenten nicht mit dem nötigen Engagement die (kommerzielle) Umsetzung ihrer Idee. Für viele seien die Projekte auch mit dem Bachelor „erledigt“.

28 Arbeiten wurden in diesem Jahr von KISD, RFH, ecosign und der Macromedia-Hochschule der Jury vorgelegt. Private Stiftungen stellen die Preisgelder zur Verfügung.

[infobox]„12. Kölner Design Preis“ – bis 17. November. Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln. Di-So 11-18 Uhr, erster Donnerstag im Monat bis 22 Uhr

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Autor: ehu
Foto: Mit einer „Virtual-Reality-Brille“ kann diese Parkinson-Patientin ohne zitternde Finger Probleme lösen. Eine Untersuchung von Jakob Plöns – dafür gab’s den 1. Preis.

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