Kultur Bühne

Sosias_Amphitryon_16_10_17

Amphitryon (r., Aslan Aslan) ist genervt von seinem tollpatschigen Diener Sosias (Holger Giebel). |  Foto: Arthur Pluta / Metropol Theater

Alle sehen doppelt: „Amphitryon“ im Metropol Theater

Köln | Alkmene wartet auf ihren Mann Amphitryon, der auf dem Heimweg vom Krieg gegen die Athener ist. Doch Göttervater Jupiter ist schneller und erscheint ihr in Gestalt des Gatten. Die Inszenierung des antiken Stoffes in Molières Fassung am Metropol Theater könnte dynamischer sein, ist aber dennoch sehenswert.

Es ist eine klassische Verwechslungskomödie: Der oberste Gott Jupiter (Damon Zolfaghari) verwandelt sich in Amphitryon, den Mann von Alkmene (Leonie Renée Klein). Die wartet sehnsüchtig auf ihren Gatten, der aus dem Krieg gegen die Athener zurückkehrt. Sie verbringen eine wilde Nacht miteinander. Als am nächsten Tag jedoch der echte Amphitryon (Aslan Aslan) auftaucht und seine Alkmene von der gemeinsamen Nacht schwärmt, ist er sich sicher: Sie muss ihn betrogen haben.

Tollkühnheit und Tolpatschigkeit erfreuen das Publikum

Amphitryon ist eine tragische Figur, der komische Gegenpart ist sein Diener Sosias (Holger Giebel): Der Gott Merkur (Jan Kaerlein) begleitet in dessen Gestalt Jupiter auf die Erde. Merkur schafft es wegen seines herablassenden Verhaltens aber nicht, mit Sosias‘ Gemahlin Cléanthis (Melanie Wäsch) zu schlafen.

Eine so angelegte Komödie lebt von der Dynamik und dem Tempo, in dem die Verwechslungen auftreten, die Handelnden aneinander vorbeireden und -agieren und so die Verwechselten gegeneinander ausgespielt werden. Das schafft Regisseur Marcel Höfs leider nur bedingt. Ein Höhepunkt sind die zwei Sosiase (der echte: Holger Giebel, der verwandelte: Jan Kaerlein), die sich vor Verwunderung und Unglauben („Oh Himmel, ich seh‘ doppelt!“) fast in Rage spielen. Hier treffen ein tollkühner und tollpatschiger Diener und ein bestimmter und unnachgiebiger Merkur aufeinander – und das Publikum hat Spaß daran.

Ein zu lange Pause stört die aufkommende Dynamik

Besonders gelungen ist auch die Besetzung von Amphitryon und Jupiter, denn Aslan Aslan und Damon Zolfaghari sehen sich so ähnlich, dass auch die Zuschauer sie zu Beginn kaum auseinanderhalten können. Auch ihr Spiel überzeugt. Nicht zuletzt die Pause, noch dazu übermäßig lang und von unpassendem, seichten Pop untermalt, stört jedoch die so aufkommende Dynamik. Auch Sosias‘ Gesangseinlage – „Warum bin ich so fröhlich?“, bekannt aus der Kinder-Zeichentrickserie „Alfred J. Kwak“ – wirkt unpassend und wie ein Fremdkörper im sonst archaischen Text.

Leider schafft es auch das Bühnenbild (ebenfalls von Regisseur Marcel Höfs) nicht, ein antikes griechisches Flair aufkommen zu lassen. Zwei ionische Säulen und zwei Lorbeerbäume – mehr schmückt die ansonsten karge Bühne nicht. Immerhin die Kostüme sind passend gewählt – zumindest, bis Jupiter zum Schluss in einem rot-blauen Mantel auftritt, der eher an Superman erinnert.

Insgesamt zeigt das Metropol Theater eine solide Inszenierung, die weniger durch innovative, frische Ideen als durch die schauspielerische Leistung überzeugt.

„Amphitryon“ – die nächsten Vorstellungen: 20. und 21. Oktober, 9., 10. und 30. November, jeweils 20 Uhr. Metropol Theater, Eifelstraße 33, 50677 Köln, Tel 0221 / 32 17 92

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

Berlin | Schauspieler Peter Lohmeyer glaubt Politikern nicht mehr. "Der letzte, dem ich etwas geglaubt habe, der für etwas gestanden hat, was ich verstanden habe, war eigentlich Willy Brandt", sagte Lohmeyer im "Politischen Fragebogen" der Wochenzeitung "Die Zeit".

oper_12062020_PR

Kölner Oper kehrt wieder zurück ins Rampenlicht

Köln | Mit neun Premieren und sechs Wiederaufnahmen kehrt die Kölner Oper im Oktober zurück ins Rampenlicht. Dazu kommen zwei weitere Premieren in der Kinderoper sowie drei Tanzproduktionen. Zeitgenössische Opern finden sich im Spielplan genauso wie Klassiker der Opernliteratur. Zwei Koproduktionen mit internationalen Partnern sind vorgesehen. Mitte März wurde das Haus wegen der Corona-Pandemie geschlossen, später gab es die Entscheidung der städtischen Bühnen, die laufende Spielzeit komplett abzubrechen. Jetzt wagt man im Herbst den Neuanfang und die Wiedereröffnung mit einem regulären Spielplan. Der Vorverkauf für die Stücke in diesem Jahr hat in dieser Woche begonnen.

bachmann_eppinger_10062020

Theater zwischen Freiheit und Sicherheit

Köln | „Die letzte Spielzeit war eine tolle Spielzeit, die uns mit großer Freude und Stolz erfüllt hat. Dann kam 'Heldenleben' unter der Regie von Frank Castorf, das nur drei Aufführungen erlebt hat und danach in der Tonne verschwunden ist. Das tut schon weh“, erinnert sich Schauspiel-Intendant Stefan Bachmann an den coronabedingten Abbruch des Spielbetriebs. Dass später die Spielzeit komplett abgebrochen worden ist, habe aber geholfen, um wieder entscheidungsfähig zu werden. Jetzt blickt man beim Schauspiel hoffnungsvoll in den Herbst, wenn die neue Spielzeit 2020/21 beginnen soll.

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >