Kultur Bühne

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Grandioses Schauspiel (Theresa Hupp und Will Saunders) trifft in der Performance „Mint Condition“ auf Musik und Tanz. Foto: Hans Diernberger

Intellektuelle Inventur mit „Mint Condition“ in der Orangerie

Köln | Ist Geld nun Geld oder ist Geld nicht Geld? Mit dieser und anderen Fragen befasste sich die avantgardistische Schriftstellerin Gertrude Stein. Ihr Prosaband „Geld“ von 1936 ist eine erkenntniskritische und politisch-ökonomische Momentaufnahme – jetzt meisterhaft von Theresa Hupp und Will Saunders als Musiktheaterstück „Mint Condition“ auf die Bühne der Orangerie gebracht.

Die Beiden schrecken zurück. Ducken sich, wenn erneut ein kleiner gelber Filzball durch die Gegend fliegt. Die Dynamik des Tennisballs ist hörbar. Hörbar ist auch das schrille „Pling“ der Ballmaschine, die klingt wie das aufspringende Fach einer Registrierkasse. Bühne frei für einen bunten Abend voller Musik, Tanz und Komik des Kollektivs „Sonder:Sammlung:2“.

872.000 Tennisbälle – wie viel sind sie wert?

„Der Laptop ist fast abbezahlt. Der Plattenspieler ist gebraucht gekauft. Mint Condition. How easily.“ Theresa Hupp und Will Saunders gehen durch den Raum. Es ist eine Art komödiantische Bestandsaufnahme. Durch die fragmentarische Sprache geschieht auch in den Köpfen der Zuschauer eine Art intellektueller Inventur. Die immerwährende Wiederholung von neu betonten Textpassagen gewinnt und verliert an Wert. Melodik und Rhetorik hinter den wirren Sätzen – vom Duo umgesetzt – reißen das Publikum mit.

Was ist Geld? Was hat welchen Wert für mich? Und wie viel kostet eigentlich ein Tennisball? „Hier liegen 872.000 Tennisbälle. Jeder hat einen Wert von zwei Euro“, erzählt Saunders in seinem charmanten britischen Deutsch. „It is funny about money. And it is funny about identity“, entgegnet Hupp in akzentfreiem Englisch zu einem späteren Zeitpunkt. Die Bilingualität des Stückes mag für viele trivial sein, schafft sie doch im Schlagabtausch des Schnellredner-Wettbewerbes neue tonale Varianzen. Zungenbrecher klingen in jeder Sprache so anders. Und erzeugen damit ein Stück weit Musik.

Kopf oder Zahl?

Oxana Omelchuk und Will Saunders sind für die klangliche Untermalung der Performance verantwortlich. Beide Stile sind klar voneinander hörbar und bilden dabei doch eine Einheit. Techno-Knacken trifft auf Singer-Songwriter Balladen und Mundharmonika-Stücke. In beiden Fällen untermalt es Hupp mit elfenhaftem Tanz oder futuristischen, abgehackten Bewegungen.

Wie visualisiert man einen Sprung einer Schallplatte? Theresa Hupps Körper hat die Antwort darauf. Wer gerade im Zentrum der Performance steht, wird durch Münzwurf entschieden. Das achtteilige Stück enthält zwei Soloauftritte. Solo 1 und Solo 2 sind untereinander austauschbar. Und der Reiz damit noch größer, sich „Mint Condition“ ein zweites Mal anzuschauen.

Jacke wie Hose

Alles in „Mint Condition“ ist funktional. Alles kann von den Zuschauern mit Sinn behaftet werden. Nichts ist zu viel. Das macht sich auch in der grandiosen Ausstattungsarbeit von Sophia Schach bemerkbar. Hupp und Saunders tragen beide dunkle Leggins und einen enganliegenden Rollkragensweater. Dazu einen roten Allrounder, der als Hose, Rock oder Mantel getragen werden kann. Das Sprichwort „Das ist mir Jacke wie Hose“, bekommt somit eine völlig neue Bedeutung.

Nach 60 Minuten schließt sich der Kreis. Präludium ist gleichzeitig Postludium. Das Stück zirkuliert. Wie Gertrude Steins Worte. Wie Geld. Der Applaus des Premierenpublikums spricht das letzte Wort. Zufriedene Zuschauer verlassen den Raum. Sich vor den Tennisbällen erneut duckend, denkt jeder einzelne, was dies oder das zu bedeuten hatte. Eine erstklassige musikalische Performance mit Nachklang. Gertrude Stein wäre sicher stolz gewesen.

„Mint Condition“ - die nächsten Vorstellungen: bis 26. Oktober jeweils 20 Uhr, Sonntag, 27. Oktober, bereits 18 Uhr. Orangerie Theater, Volksgartenstr. 25, 50677 Köln.

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