Kultur Bühne

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Hartmut Lange, Urgestein der Kölner Theaterszene, überzeugt als zweifelnder „Judas“ im Theater Tiefrot.

Monodrama „Judas“ überzeugt im Theater Tiefrot

Köln | Sein Name ist in vielen christlich geprägten Ländern verboten. Auch in Dantes Göttlicher Komödie kommt der Verräter Jesu Christi nicht gut weg. Der Schauspieler und Regisseur Hartmut Lange gibt „Judas“ im Theater Tiefrot ein Gesicht und lässt uns am schlechten Image zweifeln.

„Sind schon alle drinnen? Ist hier jemand, der mich nicht kennt?“. Judas begrüßt sein Publikum, durchbricht die vierte Wand direkt zu Beginn. Unauffällig gekleidet in Trenchcoat, Mütze und Brille sucht er die Nähe zu seinen Verächtern. Verhaltenes Kopfschütteln im mäßig gefüllten Zuschauerraum. Zu Unrecht: Denn in einer Stunde Monolog nimmt er seine Zuhörer mit auf eine Reise. Über 2000 Jahre zurück in die Vergangenheit. Zu den Ursprüngen von Judas Iskariot, dem Sohn eines Kaufmannes und einer Hebamme.

„Wenn man nichts tut, macht man nichts falsch. Aber auch nichts richtig.“

Judas wandelt umher. Spricht sich manchmal in Rage. Die Stimme so hastig, die Worte überschlagen sich beinahe, aber immer klar und deutlich. Manchmal ist er ganz leise, in sich gekehrt, hadert selbst mit seiner Entscheidung, 30 Silberlinge für den Verrat an seinem Meister angenommen zu haben. „Dieses Geld war feiges Geld“, trägt der begnadete Hartmut Lange vor. Zieht die Mütze aus und streift sich durch das lange ergraute Haar. Ein Zeichen der Enthüllung. Er legt symbolisch seine seelischen Lasten ab. Wenn es einen gibt, der Judas verkörpern kann, dann ist das Lange: „Wenn man nichts tut, macht man nichts falsch. Aber auch nichts richtig.“

Ein alter verstaubter Spiegel hängt an der Wand. Immer wieder schaut Judas hinein, verhandelt nicht nur mit dem Publikum, sondern vielmehr mit sich selbst seine Identität. Vor ihm ein altes, mobiles emailliertes Waschbecken. Oder doch ein Taufbecken? Es bedarf nicht viel Bühnenbild, um starke Geschichten zu erzählen. Ein Stein liegt auf dem Boden. Lange hebt ihn auf und erzählt von einer für ihn prägenden Begegnung mit Jesus. In einer Art Gleichnis wird aus dem Stein nicht bloß ein Stein. Auch Jesus öffnete Judas die Augen. Für ihn war er der König der Juden. Einer aus Fleisch und Blut.

Ohne Judas kein letztes Abendmahl. Kein Kuss. Kein Kreuz. Kein Tod

Von Minute zu Minute klingt das, was Judas uns erzählt, in vielen Aspekten logisch und plausibel. Zu simpel wäre es, ihn für sein Handeln zu verurteilen. Grund dafür ist mitunter die Textvorlage der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans. Nicht umsonst wurde das Stück 2016 mit dem "Ludwig Mühlheims Preis für religiöse Dramatik" in Köln ausgezeichnet.

Nach 60 Minuten werden die Zuschauer besonders mit einer Frage entlassen: Gäbe es Jesus Christus ohne Judas? Auch darauf hat Judas eine Antwort: „Kein Letztes Abendmahl. Kein Kuss. Kein Kreuz. Kein Tod.“ Danach gehen die Zuschauer mit vielen Fragen und Gedanken aus dem Keller des ehemaligen Kolping-Gesellenheimes. Aber besonders mit starken Eindrücken eines Stückes, das durch grandiosen Text und auf den Punkt gebrachtes Schauspiel überzeugen konnte.

„Judas“ – die nächsten Vorstellungen: 20. bis 23. Februar, jeweils 20.30 Uhr. Theater Tiefrot, Dagobertstr. 32, 50668 Köln. Karten: 0221 / 46 00 911, info@theater-tiefrot.de

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