Kultur Bühne

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Intendant Stefan Bachmann und Chefdramaturgin Beate Heine bereiten sich auf die Vorstellung des Programms für die Spielzeit 2018/19 vor.

Schauspiel Chef Stefan Bachmann bestreitet Mobbing Vorwürfe

Köln | 21 Premieren, 8 Uraufführungen, darunter nach drei Jahrzehnten auch ein Wiedersehen mit Frank Castorf – Kölns Schauspiel-Intendant hatte Starkes zu bieten, als er am Montag sein Programm für die Spielzeit 2018/19 vorstellen wollte. Doch das stand im Schatten der Schlagzeilen, für die der aktuelle Spiegel gesorgt hatte: Mobbing-Vorwürfe gegen Bachmann und seine unter ihm als Schauspielerin und Regisseurin arbeitende Frau Melanie Kretschmann.

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Ensemble-Star Bruno Cathomas bricht eine Lanze für seinen Chef: Noch nie konnte er so angstfrei arbeiten wie unter Stefan Bachmann.

In einem knappen Statement ging Bachmann zu beginn darauf ein. Und betonte am Schluss noch einmal: „Keine Nachfragen, kein Kommentar“. Der Spiegel-Artikel habe ihn ratlos gemacht, begann er, er verstehe nicht, warum „unsere Arbeit derart beschädigt werden“ solle.
“Warum werden mit viel Aufwand Zerrbilder produziert, die nicht die kreative, respektvolle und offene Arbeitsatmosphäre in unserem Haus wiedergeben?“ Er habe viele Zuschriften aus dem Ensemble und der Belegschaft – auch von ehemaligen Mitarbeitern – und dem Publikum erhalten, die „uns zeigen, dass wir nicht die sind, von denen im Spiegel berichtet wird“.
Er werde wie bisher „für interne Gespräche offen sein und auch das Gespräch mit den Mitarbeitern aktiv suchen“.

Bruno Cathomas lobt die Zusammenarbeit mit dem Intendanten

Am Schluss der Spielplan-Vorstellung dann doch noch ein Rekurs auf den Spiegel-Artikel. Als betont private Stellungnahme des Schauspielers Bruno Cathomas. Das sei sein fünftes Engagement, vorher habe er selber vier Mal gekündigt, weil er unzufrieden war. Doch er sei noch nie „so glücklich“ gewesen in diesen bislang fünf Jahren mit Stefan Bachmann. „Weil es anders ist, als es in der Zeitung steht“, hier könne er „familiär, lustvoll und angstfrei“ arbeiten. Danach langer und kräftig Beifall von den Vertretern aus Verwaltung, der Gewerke und des Ensembles, die reichlich erschienen waren.
Dazwischen also die Vorstellung des vielversprechenden Programms für die Spielstätten im Carlswerk und am Offenbachplatz, das sich sehen lassen kann. Frank Castorf bringt am 1. November dieses Jahres die Uraufführung von Dostojewskis „Ein grüner Junge“ über einen jungen Mann, der in einer sich wandelnden Gesellschaft sein Selbstverständnis sucht. Die Suche nach Freiheit und Selbstverwirklichung, der Kampf gegen Unterdrückung sind zentrales Thema des kommenden Spielplans.

Bachmanns Coup: Köln bringt den Besteseller „Tyll“ als erste auf die Bühne

Das beginnt schon mit „Tyll“, die Dramatisierung des aktuellen Bestsellers von Daniel Kehlmann eröffnet am 15. September die Spielzeit. Bachmann inszeniert selber – die Arbeiten haben schon begonnen – und ihm ist damit ein Coup gelungen: Er ist der erste, der das Buch über Till Eulenspiegel auf die Bühne bringt. auf die Bühne. Viele sehen in der Geschichte, die Kehlmann in den 30-jährigen Krieg verlegt hat, Parallelen zum derzeitigen Bürgerkrieg in Syrien. Auch bei der Uraufführung von Elfriede Jelineks neuem Stück „Schnee weiß“ führt Bachmann Regie: Die greift darin den jüngst bekanntgewordenen Missbrauchs-Skandal im österreichischen Wintersport auf.
Um deutsche Geschichte geht es in den „Rheinischen Rebellen“, die nach 1918 den Anschluss des Rheinlands an Frankreichs suchten. Sebastian Baumgarten führt bei dem Stück von Arnolt Bronnen Regie. Ein unbekannter Zwilling von Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ ist dessen Roman „Pardon wird nicht gegeben“, Rafael Sanchez inszeniert die deutsche Erstaufführung. Ein dunkles Kapitel deutscher Kolonialgeschichte erforscht Nuran David Calis vor Ort in Namibia, im damaligen Deutsch-Südwest-Afrika geschah der Völkermord an den Nama und Herero, die dem neuen Stück auch den Namen geben. In dieser reihe nicht fehlen darf Bertold Brecht mit „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ (Regie: Oliver Frljic).

Im Abstiegsjahr ein kabarettistisches Oratorium über den 1. FC Köln

Endich zur Aufführung kommt das schon für die Spielzeit 2017/18 geplante Fußballoratorium „Effzeh! Effzeh!“. Rainald Grebe, seinerzeit erkrankt, setzt sich darin auf kabarettistische Weise mit Kölns Fußball-Aushängeschild 1. FC Köln auseinander. Vom Theater Bern wird „Vernichtung“ übernommen (Regie: Ersan Mondtag). 27 Tanzgastspiele warten auf Kölns Tanzfreunde.

Auch auf Klassiker müssen Kölns Theatergänger nicht verzichten. So wird am Offenbachplatz Wolfgang Borcherts Nachkriegsrenner „Draußen vor der Tür“ (Regie: Charlotte Sprenger) gespielt. Im Carlswerk stehen Schillers „Räuber“ (Regie: Ersan Mondtag), Euripides’ „Medea“ (Regie Robert Borgmann) , jean Paul Sartres „Schmutzige Hände“ (Regie Bastian Kraft“ und Anton Tschechows „Drei Schwestern“ (Regie Pinar Karabulut) an.

Zu recht stolz auf die eigene Nachwuchsarbeit

Sprengmann und Karabulut haben ihre Regie-Assistenz unter Bachmann begonnen, sich mit eigenen Arbeiten in der Grotte und am Offenbachplatz „hochgearbeitet“. Bei der Nennung ihrer Namen kommt Bachmanns Stimme ins Schwärmen, als wolle er damit beweisen, dass die Mobbing-Vorwürfe nur Unsinn sein können.

Bevor diese nach der Spielplan-Vorstellung wieder im Blickpunkt des Interesses standen, zog Bachmann eine positive vorläufige Bilanz der laufenden Spielzeit. Danach steigt die Besucherzahlen von 100.000 im Vorjahr auf jetzt 110.000 Prozent, die Auslastungsquote von 70 auf 75 Prozent. Und auch die prominenten Abgänge aus dem Ensemble kamen zur Sprache. Für Bachmann kein Problem, sie seien üblich. Das gelte auch für Magda Lena Schlott, die er im Team von Haus- und Puppenspielregisseur Moritz Sostmann („mit „Bewohner“ dabei) als Gast wieder erwartet.

Inzwischen widersprechen 38 Mitglieder des künstlerischen Ensembles – Schauspieler, Regieassistenten, Dramaturgen und Hausregisseure – per Unterschrift „entschieden“ der „im Spiegel geschilderten eindimensionalen Darstellung vom Umgang miteinander und der Qualität unserer Arbeit in Köln während der Intendanz von Stefan Bachmann“. Man befinde sich nicht in einer „Angstblase“ und verwahre sich gegen die Diskreditierung von „fünf Jahren meist lustvoller, mitunter streitbarer Arbeit“.

Der Personalrat des Schauspiels lehnte eine Stellungnahme zum jetzigen Zeitpunkt ab. Dem städtischen Gesamtpersonalrat Kunst und Kultur sind keine Vorwürfe gegen Bachmann und Kretschmann bekannt. Lediglich zu Bachmanns Amtsantritt habe es Aufregung in der Belegschaft gegeben, als es um den Umbau der Depot-Halle unter widrigen Umständen ging. Das aber habe sich gelegt, sobald der Betrieb geregelt ablaufen konnte. Bei Nachfragen an unterschiedlichen Stellen wird daran gezweifelt, ob es geschickt sei, dass Bachmann seine Ehefrau – „ein Alphaweibchen“ – an exponierten Stelle einsetze.

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