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Muss die Gleueler Wiese bald umgetauft werden? In Gleueler Kunstrasenwiese zum heiligen Geißbock, dem wie vielten auch immer?

Regionalrat stimmt für FC-Ausbaupläne

Köln | Der Regionalrat macht den Weg frei für die Ausbaupläne des 1. FC Köln im Kölner Grüngürtel. Dies wurde heute so beschlossen. Im Kurzkommentar widmet sich Andi Goral der Frage: Ist Kommerz und Fußball immer noch wichtiger als Natur – ein besonderes und geschütztes Stück Kölner Natur?

Damit der 1. FC Köln auf der Gleueler Wiese ein Leistungszentrum bauen kann, musste der Regionalrat einer Zielabweichung des Landschaftsplanes zustimmen. Die Bezirksregierung, die die Zielabweichung rechtlich prüfte und bewertete sowie dem Regionalrat vorlegte, schreibt: „Mit dem heutigen Beschluss des Regionalrates ist die Voraussetzung geschaffen worden, die durch die Stadt Köln vorgelegte Fassung zur Realisierung des RheinEnergie Sportparks zu ermöglichen. Unter Vorbehalt der politischen Beschlüsse der Stadt Köln ist eine Erweiterung des Leistungszentrums des 1. FC Köln am Geißbockheim möglich.“

Die Gründe des Fußballclubs seien plausibel

Die Bezirksregierung spricht davon, dass der 1. FC Köln plausibel dargelegt habe, dass das Leistungszentrum am Standort Köln-Sülz dringend erforderlich sei. Das bauliche Konzept, so die Bezirksregierung, sei auf die absolut notwendigen Einrichtungen beschränkt und käme ohne Baumfällungen aus. Weiter heißt es: „Die erforderlichen ökologischen  Ausgleichsmaßnahmen werden im Rahmen der Bauleitplanung erfolgen. Es verbleibt eine kleinräumige Minderung der klimaökologischen Ausgleichsfunktion im Bereich der Flächennutzungsplanänderung, angrenzende Siedlungsbereiche sind nach Aussagen des Klimagutachters nicht betroffen.“

Die Gegner der Pläne mahnten zu Beginn der Woche

Kritik an den Plänen des 1. FC Köln kam nicht nur aus den Reihen der Naturschützer. Auch das Landesamt für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW (LANUV) verlangte in seiner Stellungnahme nach § 67 des Bundesnaturschutzgesetzes für das Vorhaben einen Antrag auf Befreiung von den gesetzlichen Vorschriften. Kritik kommt auch aus dem städtischen Dezernat für Soziales, Integration und Umwelt der Stadt Köln. Helmut Röscheisen vom BUND-Kreisvorstand mahnte: „Während in einigen Städten Deutschlands bereits der Klimanotstand ausgerufen wird, soll in Köln ein für den Klimaschutz der Stadt wichtiger Teil der Kaltluftschneise im Äußeren Grüngürtel durch den vorgesehenen Bau des Leistungszentrums mit Funktionsgebäuden und drei Kunstrasenplätzen auf der Gleueler Waldwiese ohne Not zerstört werden. Durch die Versiegelung von etwa 40.000 m2 werden klimaaktive Flächen verringert und die durch den zusammenhängenden Grünzug gebildete Frischluftschneise unterbrochen. Es kommt zu einer Aufheizung bereits hoch belasteter Stadtteile Lindenthal, Sülz und Klettenberg und einer Beeinträchtigung des gesamten Stadtklimas. Wer wie die Bezirksregierung in der Sitzungsvorlage angesichts der drohenden Klimakatastrophe davon spricht, dass es kleinräumig bei jeder städtischen Entwicklung zu weiteren Einschränkungen der Klimaausgleichsfunktionen kommt, handelt unverantwortlich und das muss Konsequenzen haben".

Durch den Beschluss des Regionalrates kann die Stadt das Bauleitplanverfahren nun zu Ende führen und der Rat die Änderung des Flächennutzungsplans beschließen. Die Bezirksregierung muss am Ende noch den Bebauungsplan genehmigen, damit er rechtskräftig wird.

Kurzkommentar zur Entscheidung des Regionalrates für den 1. FC Köln

Ist Kommerz und Fußball immer noch wichtiger als Natur?

Manchmal fallen Ereignisse und Termine zusammen, so wie in dieser Woche. Der 1. FC Köln startete sein Training für die kommende Bundesliga-Saison in der der Männer-Profikader wieder erstklassig spielen darf. Die Berichterstattungen rund um das Geisbockheim zeigten den Auftrieb an Menschen. Über 850 Fans sollen alleine zum Auftakttraining gekommen sein und dazu noch jede Menge Medienvertreter. Schon heute ist der Äußere Grüngürtel durch den Fußballclub und seine kommerziellen Aktivitäten massiv belastet. Das weiß jeder in Köln und es ist weder ein Gutachter noch ein Arbeitskreis oder sogar ein Prophet dafür nötig, dass durch den Ausbau des Sportparks dieser Massenansturm nicht geringer wird. Aber der 1. FC Köln ist in Köln zwar keine heilige Kuh, aber ein heiliger Geißbock. Der Jubel für den Schritt zur Versiegelung der Gleueler Wiese wird entsprechend losbrechen.

Am Freitag entschied nun der Regionalrat sich für die Pläne des 1. FC Köln und damit für die kommerziellen Interessen eines Fußballvereins gegen die Natur, ja sogar gegen ein besonderes geschütztes Stück Natur, auf dass die Kölnerinnen und Kölner sonst immer so stolz sind und waren. Wie passt dieses politische Husarenstück eigentlich in die aktuelle gesellschaftliche und politische Debatte, dass Natur-, Umwelt- und Klimaschutz und diese Themen aktuell das drängendste Problem der Menschheit sei? Die Entscheidung des Regionalrates ist unsensibel und dieses Wort die richtige Kommentierung. Eine Anmerkung: Wer glaubt, dass diese Erweiterung des 1. FC Köln alternativlos sei, weil der Verein keine andere Fläche gefunden habe oder ihm zur Verfügung gestellt werden könne, der hat vor lauter Vereinsverliebtheit Tomaten auf den Augen. Immerhin sind Tomaten wie die Vereinsfarbe Rot. Auch ein anderer Neubau an einem anderen Ort kann die Bezeichnung „Geißbockheim“ zur Not „Geißbockheim 2.0“ tragen, wie ja auch der heilige lebendige Geißbock durchnummeriert wird.

Denen, die ob der Entscheidung des Regionalrates allzu schrill jubeln, sollte aber auch eines klar sein: Ein Geißbock, welche Nummer er auch immer tragen wird, – auch kein heiliger – frisst keinen Kunstrasen. Und auf Kunstrasen kann kein Gras wachsen – auch nicht über die Entscheidung des Regionalrates.

Es kommentierte Andi Goral

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