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Emerson rechnet mit Einschnitt in Beziehungen zwischen Berlin und Washington

Berlin | Der scheidende Botschafter in Berlin, John B. Emerson, rechnet mit einer Verschlechterung Regierungsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Man müsse mit "einen Einschnitt in den Regierungsbeziehungen" rechnen, sagte er der "Berliner Zeitung" (Mittwochsausgabe). So dürften sich die US-Positionen zum Klimaschutz, zu Sanktionen gegen Russland, zu Israels Siedlungspolitik stark ändern, erklärte der Botschafter.

"Die Kooperation beim Kampf gegen den Terror wird weitergehen, bei vielen anderen Vorhaben wohl nicht." Eine große Ansprache in Berlin nach dem Vorbild früherer US-Präsidenten traut Emerson dem künftigen Präsidenten nicht sehr bald zu: "Es wird wohl Zeit brauchen, bis er eine große Rede hier hält", sagte Emerson. "Schließlich will man auch Zuhörer haben, die klatschen."

In Umfragen seien 88 Prozent der Deutschen für Hillary Clinton und nur vier Prozent für Donald Trump gewesen. "Mein Ratschlag an meinen Nachfolger wäre, dass es wichtig für Donald Trump ist, gute persönliche Verbindungen zu Deutschland aufzubauen", erklärte Emerson. So sollte er den Ort besuchen, aus dem seine Vorfahren einst in die USA auswanderten.

"So kann er sich wieder mit seinen deutschen Wurzeln verbinden und nach Gemeinsamkeiten suchen", empfahl der Botschafter, der zu Trumps Amtsantritt am 20. Januar abberufen wurde. Auch die von einigen deutschen Politikern erhoffte Verbesserung des Verhältnisses zwischen Washington und Moskau sieht der US-Diplomat skeptisch: "Sicher haben Donald Trump und Wladimir Putin Freundlichkeiten ausgetauscht", sagte Emerson. "Aber erst, wenn der Punkt kommt, an dem zwei so mächtige Männer nicht mehr übereinstimmen, sehen wir, ob die Beziehungen wirklich besser sind."

Trumps Wahlsieg stellt der ranghöchste US-Diplomat in Deutschland in eine Reihe mit populistischen Erfolgen und autoritären Bewegungen in Europa: Die etablierte Politik habe "die Menschen vernachlässigt, die sich durch die ökonomischen, kulturellen und demografischen Veränderungen zurückgelassen fühlen", sagte Emerson. Das sei nicht nur ein US-Phänomen. "Protestwahlen gab es auch in Europa – denken Sie an den Brexit, an Syriza in Griechenland. Der Trend zu autoritären Regierungen in Polen, Ungarn, Österreich und der Türkei, auch die Stärke von Le Pen in Frankreich sind Ausdruck des gleichen Phänomens", so Emerson.

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