Die Illustration zeigt einen Ausschnitt des Kölner Polizeipräsidiums.

Köln | In einer Zelle im Kölner Polizeipräsidium ist ein junger Mann kollabiert, wurde reanimiert und liegt jetzt auf einer Kölner Intensivstation. Die Polizei Bonn hat auf Anforderung der Staatsanwaltschaft Köln die Ermittlungen aufgenommen. Wie sicher ist das Kölner Polizeigewahrsam und wie sorgfältig arbeiten die dort eingesetzten Beamt*innen?

Festnahme in der Südstadt

Am Freitag gegen 21:20 Uhr nahmen Beamte der Kölner Polizei den 19-Jährigen in der Eifelstraße in der Kölner Südstadt fest. Sie werfen ihm Sachbeschädigung und Bedrohung mit einem Messer vor. Zuvor soll es Streitigkeiten gegeben haben. Der Mann sei zur Ausnüchterung ins Polizeipräsidium Köln gebracht worden sein. Dort wurde der Mann in einer Zelle untergebracht worden.

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Nach etwas mehr als vier Stunden sollte der 19-Jährige, so stellt es die Kölner Polizei jetzt dar, wieder entlassen werden. Dies wäre um kurz nach 2 Uhr am Samstagmorgen gewesen. Gegen 1:50 Uhr sei die Zelle, in der der 19-Jährige sich befand zum letzten Mal kontrolliert worden. Hier habe der junge Mann noch „deutliche Vitalfunktionen“ gezeigt. Zehn Minuten später sollte er entlassen werden und die Zelle wurde erneut geöffnet. Hier habe der 19-Jährige nicht mehr auf Ansprache reagiert. Die Kölner Beamten schreiben, dass der Festgenommene unter Medikamenten-, Drogen- und Alkoholeinfluss stand.

Nach dem Auffinden des jungen Mannes, die Polizei spricht davon, dass er „kollabiert“ sei, haben Polizisten mit der Reanimation begonnen. Ein Notarzt sei hinzugerufen worden. Der junge Mann wurde mit dem Rettungswagen in eine Kölner Klinik gebracht. Dort werde er intensivmedizinisch behandelt.

Die Meldung der Polizei wirft eine Reihe von Fragen auf, etwa warum der Gesundheitszustand des jungen Mannes nicht bei seiner Ingewahrsamnahme untersucht wurde, vor allem da die Beamten von einem Cocktail an Rauschmitteln und Medikamenten sprechen, die er zuvor konsumierte. Auch die Aussage, dass er ausgenüchtert werden solle, irritiert, wenn der er nach knapp vier Stunden schon wieder entlassen werden sollte und um 2 Uhr morgens dann in Kalk auf die Straße gesetzt worden wäre. Die Ermittlungen zu dem Fall werden von der Bonner Polizei auf Anordnung der Kölner Staatsanwaltschaft geführt.

Polizeigewahrsam Köln zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Schlagzeilen

Das Kölner Polizeigewahrsam ist zum zweiten Mal in diesem Jahr in den Schlagzeilen und beide Fälle werfen Fragen nach der Zuverlässigkeit und korrekten Arbeitsweise der dort tätigen Beamt*innen auf, auch wenn die Fälle Unterschiede zeigen. Am 28. Juli nahmen Kölner Beamte einen ebenfalls 19-Jährigen fest, dem vorgeworfen wurde am Kölner Neumarkt einen 22-Jährigen mit einem Stich in den Oberkörper verletzt zu haben. Einen Tag später fanden die Beamten den jungen Mann nach einem Suizidversuch in einer videoüberwachten Zelle. Er wurde in eine Klinik gebracht, intensivmedizinisch betreut und verstarb dort Mitte August. Auch in diesem Fall ermitteln Kölner Staatsanwaltschaft und Bonner Polizei.

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