Gesundheitsminister Karl Lauterbach beim Coronatest. Foto: Bopp

Berlin | dts | Der Sozialverband VdK hat die Abschaffung kostenfreier Corona-Bürgertests als unsozial kritisiert. Menschen mit geringen Einkommen und kleinen Renten könnten „nicht mindestens drei Euro für einen Corona-Test zahlen“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). Viele wüssten schon jetzt nicht, „wie sie über die Runden kommen sollen, da alles teurer geworden ist“.

Das ist eine absolut unverantwortliche Politik

Verena Bentele

Bentele sagte, die Mehrheit werde daher künftig auf Tests verzichten. „Die Infektionszahlen werden dadurch weiter steigen. Das ist eine absolut unverantwortliche Politik“, so die VdK-Chefin.

Aus diesem Grund müssten die Corona-Tests „für alle kostenfrei bleiben“, so Bentele. Nur so könne man einen Überblick über das Infektionsgeschehen behalten.

Die Kassenärzte dagegen wollen ab sofort keine Corona-Bürgertests mehr abrechnen, wodurch derartige Tests zunächst nicht mehr möglich sind. Das geht aus einem Brief der Kassenärztlichen Vereinigungen an Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hervor, über den die Zeitungen des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ in ihren Freitagausgaben berichten.

„Nach sehr sorgfältiger Prüfung der neuen Testverordnung müssen wir Ihnen vor dem Hintergrund der schon jetzt bestehenden, eklatanten Betrugsproblematik mitteilen, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen Bürgertestungen zukünftig nicht mehr abrechnen und auszahlen können“, heißt es in dem Brief.

Über die Kassenärztlichen Vereinigungen rechnen alle Testzentren ab, die Bürgertests anbieten. Zur Begründung hieß es, die neue Testverordnung sehe eine Vielzahl von bislang nicht bestehenden, kleinteiligen Anspruchsberechtigungen vor. Die Kassenärztlichen Vereinigungen könnten aber gar nicht kontrollieren, ob diese von den Testzentren auch tatsächlich kontrolliert und eingehalten würden.

„Im Ergebnis können die Kassenärztlichen Vereinigungen nicht verantworten, sehenden Auges Auszahlungen auf Abrechnungen zu leisten, deren Richtigkeit sie nicht ansatzweise prüfen können“, heißt es in dem Brief weiter. Das gelte umso mehr vor dem Hintergrund, dass gegen eine Kassenärztliche Vereinigung bereits staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen der Auszahlung von Finanzmitteln liefen.

Am Freitag Morgen dann meldete sich Lauterbach selbst via twitter zu Wort. „Mit der KBV und Herrn Gassen sind wir schon in konstruktiven Gesprächen zur Abrechnung der Bürgertests. Die Tests werden bleiben und ab heute korrekt abgerechnet. Die sind nicht sinnfrei sondern helfen, dass Infizierte andere nicht anstecken“, widersprach der Minister.

Im Streit über die Abrechnung von Coronatests hat der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, Bundesgesundheitsminster Karl Lauterbach (SPD) kritisiert. Die Vorgaben der Testverordnung seien mit der Praxis nicht vereinbar, sagte Weigeldt dem „Spiegel“. Es entstehe der Eindruck, „da möchte jemand ganz genau jeden einzelnen Fall sauber geregelt haben“, so der Verbands-Chef.

Doch treffe die Verordnung auf die Realität, dann fange es „gewaltig an zu wackeln“. Es sei offensichtlich, dass damit die Praxen deutlich mehr Arbeit haben werden, ohne dass die Versorgung besser werde. Zuvor hatte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen die komplette Einstellung der Bürgertests gefordert.

Da müsse jetzt „ganz schnell eine Lösung her, denn die Leidtragenden sind die Patienten und die Ärzte“, sagte Weigeldt. Der jetzige Stand sei „Chaos, denn keiner weiß, wie es weitergeht.“

red02