In einem aufwändig restaurierten Fabrikloft im Kölner Süden veranstaltet der „KunstSalon“ regelmäßig Künstlergespräche, Konzerte, Lesungen und kulturpolitische Diskussionen. Kultur soll aber auch außerhalb des KunstSalons mitten unter den Menschen stattfinden und deshalb hält sie im Rahmen eines etwas unkonventionellen Literaturfestivals nun schon zum elften Mal Einzug in die Häuser der Stadt.

Besondere Atmosphäre macht den Reiz aus
Vom 15. bis 19. Juni 2011 veranstaltet der KulturSalon das Festival „Literatur in den Häusern der Stadt“, bei dem kulturbegeisterte Kölner zu Lesungen in ihre privaten Räume oder Gärten einladen. Durch die persönliche Atmosphäre und den engen Kontakt zwischen Künstler und Publikum kommt eine ganz besondere Stimmung auf, die den Reiz dieser Veranstaltung ausmacht. Im Anschluss an die Lesungen laden die Gastgeber zu einem Umtrunk ein, auch kleine Snacks werden angeboten. In diesem Jahr öffnen 28 kreative Gastgeber ihre Türen für Autoren, Vorleser und Gäste. Es geht in Privathäuser und Gärten, Dachstuben und Ateliers, auf kleinere und größere Terrassen. Viele Orte sind dabei, die Köln als „Stadt am Wasser“ erleben lassen. In diesem Jahr dreht sich alles rund um das Thema „Familie“ mit all ihren Facetten – positiven wie negativen. So geht es um die Familie als Geschenk, es werden aber auch die Abgründe und Verfehlungen nicht ausgelassen.

Eröffnet wird das Festival am Mittwoch, 15. Juni, um 19 Uhr im Rheinauhafen mit einer Begrüßung durch den KunstSalon. Um 20.30 Uhr werden dann zeitgleich in den drei „neuen“ Häusern der Stadt, den Kranhäusern, Lesungen stattfinden. Um eine schwierige Vater-Sohn-Beziehung geht es in dem Buch „Veit“, das eigentlich ein einziger Abschiedsbrief Thomas Harlans an seinen Vater Veit Harlan ist. Der Regisseur von „Jud Süß“ war wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt, aber Ende der 40er Jahre freigesprochen worden und hatte im Sterben nach seinem ältesten Sohn gerufen. Dieser konnte ihm aber seine Absolution nicht erteilen und schrieb stattdessen diesen Abschiedsbrief, der von einer verzweifelten, weil unmöglich erscheinenden Liebe, zeugt. In dem Roman „Späte Familie“ von Zeruya Shalev geht es um das in unserer heutigen Zeit immer wichtiger werdende Thema Patchwork-Familie. Aus dem Buch liest die Schauspielerin Maria Schrader, die ein weiteres Buch der Autorin, „Liebesleben“, bereits verfilmt hat.

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Jüdische Familien und Schicksale sind Thema des zweiten Festivaltages. Rosine de Dijn liest aus „Du darfst nie sagen, dass du Rachmil heißt“. Es ist die Rekonstruktion einer Geschichte, wie sie sich während des Zweiten Weltkriegs oft in Belgien ereignete. Dort wurden durch eine belgisch-jüdische Widerstandsorganisation 3000 jüdische Kinder vor der Deportation gerettet und konnten so den Krieg überleben.

Ernsthaftes und Unterhaltsames
Mit Familiengeschichte und –geschichten beschäftigen sich die Lesungen am Freitag, 17. Juni. In einem Dialog erzählen die Schauspieler Barbara Auer und Clemens von Ramin die Geschichte der Familie vom 19. bis 21. Jahrhundert. In der Lesung „Mein Vater und sein Sohn“ liest der Schauspieler Charly Hübner die Briefe Hans Falladas und seines Sohnes, die in der Zeit von 1940 bis 1946 entstanden.
Einen Einblick in das Leben der Kölnerin Freya von Moltke zwischen Kaiserreich, Nationalsozialismus, Apartheidsregime und einem freiheitlichen Leben in den USA gibt die Biographie „Freya von Moltke“.
Lustig wird es, wenn Alina Bronsky aus ihrem Roman „Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche“ vorliest.

Schreibseminar für Mutige
Am Samstag, 18. Juni, ist mit dem Puppentheater „Die Poppets“ auch etwas für die Kleineren dabei. Ulf und Bogart fabrizieren eine einzige Buchstabensuppe, die alle mit auslöffeln müssen. So kommen Fragen auf wie „Kann man sich ein Sparbuch wirklich sparen?“ oder „Ist ein Eintrag ist Klassenbuch wirklich klasse?“ Dazu gibt es Waffeln. Für alle, die sich selbst einmal im kreativen Schreiben ausprobieren möchten, findet am Samstag und Sonntag ein Schreibseminar mit dem Titel „Familienbande oder: wie man aus Fallstricken Gold spinnen kann“ statt. Geleitet wird es von der Schriftstellerin Liane Dirks. Mitmachen kann jeder, die Gebühr beträgt 180 Euro, inklusive Tagesverpflegung, Abendessen, Getränken und Kursmaterial. Die Anmeldung erfolgt unter ticket@kunstsalon.de.

Karten kosten 18, ermäßigt 11 Euro und sind erhältlich über www.kunstsalon.de oder direkt im KunstSalon freitags von 16 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.


Das Programm im Überblick
MITTWOCH

ERÖFFNUNG
19:00 UHR
EMPFANG DER FESTIVALFREUNDE
ANNA-SCHNEIDER-STEIG 11
KÖLN-RHEINAUHAFEN

20:30 UHR
„VEIT”
SÜDLICHES KRANHAUS/ETAGE 14
ZOLLHAFEN 24
KÖLN – RHEINAUHAFEN

20:30 UHR
„SPÄTE FAMILIE”
KRANHAUS 1/ETAGE 12
ZOLLHAFEN 18
KÖLN – RHEINAUHAFEN

20:30 UHR
„SOMMER OHNE MÄNNER”
NÖRDLICHES KRANHAUS/ETAGE 17
ZOLLHAFEN 12
KÖLN – RHEINAUHAFEN

DONNERSTAG
20:00 UHR
„MY BIG FAT GREEK FAMILY”
SCHANZENSTR. 6-10
KÖLN – MÜLHEIM

20:00 UHR
„DIE TEILACHER”
LISZTSTR. 14
KÖLN – RODENKIRCHEN

20:00 UHR
„DU DARFST NIE SAGEN,
DASS DU RACHMIL HEISST”
ANNA-SCHNEIDER-STEIG 11
KÖLN – RHEINAUHAFEN

20:00 UHR
„KORREKTUREN“
AUF DEM BRAND 10
KÖLN – RODENKIRCHEN

FREITAG
19:00 UHR
„DER MANN, DER DURCHS
JAHRHUNDERT FIEL”
MEVISSENSTRASSE 15
KÖLN – NORDSTADT

20:00 UHR
„FREYA VON MOLTKE“
BELVEDERESTR. 50
KÖLN – ALT-MÜNGERSDORF

20:00 UHR
„MEIN VATER UND SEIN SOHN”
BACHEMER STR. 400
KÖLN – LINDENTHAL

20:00 UHR
„FAMILIENGESCHICHTEN”
MOLTKESTR. 131
KÖLN – BELGISCHES VIERTEL

20:00 UHR
„DIE FAMILIE”
GLOCKENGASSE 4711
KÖLN-INNENSTADT

20:00 UHR
„ANGERICHTET”
RÄDERSCHEIDTSTR. 12
KÖLN – LINDENTHAL

20:30 UHR
„ACCABADORA”
UNTER DEN ULMEN 148
KÖLN – MARIENBURG

21:00 UHR
„DIE SCHÄRFSTEN
GERICHTE DER
TATARISCHEN KÜCHE”
BERGSTR. 79
KÖLN – SÜRTH

SAMSTAG
15:00 UHR
KINDERLESUNG
„TORTE FÜR WORTE”
BRÜHLER STR. 11-13
KÖLN – RADERBERG

16:30 UHR
„KIPPENBERGER“
ANNA-SCHNEIDER-STEIG 13
KÖLN – RHEINAUHAFEN

SAMSTAG | 16.30 – 19.30 UHR
SONNTAG | 11.00 – 19.30 UHR
„SCHREIBSEMINAR“
BRÜHLER STR. 11-13
KÖLN-RADERBERG

17.00 UHR
„IN SACHEN JOSEPH“
WEISSER HAUPTSTR. 2A
KÖLN – WEISS

20:00 UHR
„HALTET EUER HERZ BEREIT”
MOLTKESTR. 131
KÖLN – BELGISCHES VIERTEL

20:00 UHR
„SÜSS WIE
SCHATTENMORELLEN“
BARBARASTR. 47
KÖLN – RODENKIRCHEN

SONNTAG
1. BEGEHUNG 11.30 – 13.00 UHR
2. BEGEHUNG 14.30 – 16.00 UHR
„WEIS(S)HEIT“ / URBAN COLOURS
GROSSE BRINKSTR. 17-19
KÖLN – INNENSTADT

11:30 UHR
„LEBEN ODER GELEBT WERDEN”
HAYDNSTR. 5
KÖLN – LINDENTHAL

1. LESUNG 12.00 UHR
2. LESUNG 14.00 UHR
„KÖLSCHE JONGE”
ENGELBERTSTR. 12
KÖLN – INNENSTADT

16:00 UHR
„VOM ATMEN UNTER
WASSER”
GOETHESTR. 61
KÖLN – MARIENBURG

17:00 UHR
„EHRENWORT“
THEODOR-HEUSS-RING 11
KÖLN – NORDSTADT

16:00 UND 18:00 UHR
„MEIN VATER AUS PARIS“
SURPRISE!

20:00 UHR
„DAS GESCHENK”
BRÜHLER STR. 11-13
KÖLN – RADERBERG

Julia Grahn für report-k.de/Kölns Internetzeitung
Foto: BirgitH/ www.pixelio.de

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