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Rapper Kollegah und der Protest vor dem E-Werk

Köln | Es ist kalt in der dunklen Straße vor dem Kölner E-Werk. In beiden Konzert-Venues Veranstaltungen. Rund 20 Menschen protestieren gegen das Konzert des Rappers Kollegah. Hunderte, fast ausschließlich junge Männer, feiern den Rapper, wie später berichtet wird in der Halle.

Der mediale Fokus liegt auf der kleinen Gruppe der Protestierenden. Viele Frauen halten das aktuelle Cover der „Emma“ hoch, es zeigt Kollegah, den die Redaktion als Sexisten auszeichnet. Die Auszeichnung mit der Stinkmorchel ist auch vor Ort. Der Rapper wird sie nicht entgegennehmen. Gekommen sind Bürgermeister Andreas Wolter und Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes. Sie finden in den Interviews dieser Internetzeitung klare Worte gegen den Hass den der Rapper verbreitet. Auch die Macher des E-Werks und die Konzertveranstalter stehen in der Kritik. Während die einen draußen vor der Tür des E-Werks protestieren dröhnen dumpfe und schwere Beats aus der Halle.

Es gibt Erklärungsversuche zu dem Tun des Rappers und der Kultur der Rap-Battles, vor allem auf den Portalen der Szene. Und das Netz ist der Ort wo die Massen dem Rapper huldigen. Die Szene sagt, es gehe bei den Texten nur um „Battles“ zwischen den Rappern und der Mainstream würde daher die Texte missinterpretieren. Kollegah habe sogar einen größeren Wortschatz als Goethe, wird ein Vergleich des Bayerischen Rundfunks als Begründung herbeigeholt. Kollegah kann das Netz mit dem kleinen Gerät in seiner Hosentasche – seinem Smartphone – nutzen und sich so per Suchmaschine jederzeit mehrere Alternativen an Wörtern anzeigen lassen.

Kollegah und seine ihm in gemeinsamer Kommerzialisierung geneigten Konzertveranstalter und im „Battle“ verbundenen Rap-Kollegen punkten mit einem Männerbild das Autonomie verspricht und damit gerade heranwachsende männliche Jugendliche anspricht, die gerade um diese Autonomie und dem damit verbundenen Männlichkeits-Ideal ringen. Das wissen die Rapper ganz genau. So wird die Rap-Szene zum kompetitiv strukturierten sozialen Ort in der männliche Hierarchien hergestellt werden und der Konflikt auf den Respekt und die Ehre des Mannes reduziert. Um diesen Respekt zu erlangen und wenn dem Mann nicht maskierte Machtdurchsetzungsmittel zur Verfügung stehen, setzt er Gewalt ein. Davon sprechen die Texte der Rapper. 

Kollegah und seine Rap-Kollegen wollen die Aufrechterhaltung des Status von Ungleichheit: Frauen sind „Bitches“ und dem Mann untergeordnet, Homosexuelle und Juden werden nach unten klassifiziert, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Rang- und Hackordnung werden so hergestellt und die Gewalttat als Tat des Respekts glorifiziert. Alleine aus diesem Grund handelt Kollegah antisemitisch und frauenfeindlich sowie gewaltorientiert. Die Jugendlichen gehen ihnen dabei auf den Leim. Denn die Rap-Stars erreichen ihren männlichen Autonomie-Status schon längst über maskierte Machtdurchsetzungsmittel wie Geld und Status, die ihnen als Stars zur Verfügung stehen.

Kollegah und Kollegen sowie die sie verherrlichenden Szenemedien spielen Randschicht vor, tun rebellisch, zeigen sich gewalttätig und die Autorität herausfordernd und geben sich als gefährlich und streben am Ende doch nur nach Status und Männlichkeit. Je krasser sie ihre Sprache definieren und den Status von Ungleichheit damit zementieren, umso wirkmächtiger werden sie in einer verunsicherten Gesellschaft, bieten sie doch jungen Männern ein Modell von vermeintlicher Ordnung und Hierarchie sowie den Status einer Subkultur als Abgrenzung, in der der stärkere und gewaltorientierte autonome Mann gewinnt.

Dies gilt es zu demaskieren und wie es die Sozialwissenschaftlerin Mechthild Bereswill beschrieb einen Lösungsansatz für junge Männer anzubieten: „Eine Reaktion auf die Autonomiekonflikte junger Männer würde voraussetzen, den biographischen Sinn ihres Handelns zu verstehen und dabei die Frage nach der Bedeutung von Gewalt und nach ihren Männlichkeitsentwürfen konsequent offen zu halten.“ Der falsche Weg ist es mit Stereotypen den Hass- und Gewaltstereotypen der Rapper zu begegnen.

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