Kultur Literatur

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Mittelalterliche Wasserspeier des Kölner Doms, die in der Steinrestaurierungswerkstatt der Dombauhüte ausgestellt sind

Neuer Bildband: Die Wasserspeier des Kölner Domes

Köln | Über 100 Tiere, Mischwesen, Dämonen und Phantasiegestalten blicken aus großer Höhe vom Kölner Dom herab. Im Mittelalter wurden die Wasserspeier angebracht, um das Regenwasser von dem Mauerwerk und Fenstern fernzuhalten. Ein nun erschienener Bildband zeigt erstmals die Viefalt und Feinheiten der Wasserspeier.

Die meisten der 123 Wasserpsier sind in einer Höhe von 20 Metern über dem Boden angebracht und damit für die Menschen kaum richtig zu sehen. „Der Bildband lsst diese Welt nun erstmals lebending werden“, freute sich heute Autor Matthias Deml. Aufmerksam geworden war der Kölner Fotograf Klaus Maximilian Gierden bereits vor Jahren auf die zahlreichen Wasserspeier am Dom. Vor etwa sieben Jahren begann er dann, sich genauer mit ihnen zu beschäftigen und sie abzufotografieren. Dabei nutzte Gierden riesige Brennweiten, um vom Boden aus selbst die kleinsten Details in seinen Bildern festhalten zu können. Aus den Fotos ist nun eine Sammlung Schwarz-Weiß-Fotografien entstanden, die im Verlag Kölner Dom erschienen ist.

Im Mittelalter sollten die Wasserspeier vor allem eine Funktion erfüllen: Sie sollten das Mauerwerk des Kölner Doms und seine empfindlichen Fenster vor dem Wasser schützen. Und so spieen die Wasserspeier das Regenwasser, das in den Regenrinnen gesammelt wurde, in hohem Bogen herunter. Zugleich hatten die Wasserspeier im Mittelalter jedoch auch eine inhaltliche Funktion, erklärte heute Deml. Im Mittelalter habe der Glaube vorgeherrscht, dass in den Unwettern selbst Dämonen stecken und die Bauwerke bedrohen. Um diesen Dämonen einen Spiegel vorzuhalten und sie so abzuschrecken, wurden die Wasserspeier ebenfalls dämonisch gestaltet. Neben Hunden, die als unreine Tiere galten, wurden von den Steinmetzen des Mittelalters vor allem Dämonen, Mischwesen und Phanatisegestalten gehauen. Dazu kamen lasterhafte Menschenfiguren, um die Betrachter vom Sündigen abzuhalten. Im 19. Jahrhundert – bei der Fertigstellung des Doms – war bereits eine andere Lösung zur Wasserentsorgung gefunden worden. Das Regenwasser wird seitdem hauptsächlich durch Fallrohre vom Mauerwerk ferngehalten. Doch auch heute noch speien manche Dämonen, insbesondere am Chor des Doms, das Regenwasser im hohen Bogen auf den Roncalliplatz herunter. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Wasserspeier zerstört. Diese wurden von den damaligen Steinmetzen zwar wieder hergestellt, in den Feinheiten waren diese damals jedoch frei. So finden sich heute fast schon expressionistisch anmutende Wasserspeier am Dom, sagte Deml. Manche sähen sogar fast aus wie Gummibärchen. Zudem hätten einige Steinmetze auch ganz persönliche Motive eingebracht. Einer verewigte etwa seine Frau mit einem Akt als Wasserspeier am Kölner Dom. Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts habe sich die Denkmalpflege wieder gewandelt. Seitdem würden nun alle Wasserspeier ihren Originalen aus dem Mittelalter und dem 19. Jahrhundert wieder nach empfunden. Noch immer sind nicht alle der im Krieg zerstörten oder durch die Witterung beschädigten Wasserspeier restauriert. Erst in diesem Jahr konnten zwei Wasserspeier wieder an ihren Platz angebracht werden.

Wasserspeier des Kölner Domes
Klaus Maximilian Gierden, Matthias Deml, Klaus Herding
Verlag Kölner Dom e.V.
166 Seiten, 151 Schwarz-Weiß-Abbildungen
ISBN: 978-3-922442-88-2
Preis: 39,90 Euro

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