Sport Handball

Vorbericht: Füchse Berlin – VfL Gummersbach

Köln | Unterschiedlicher könnte die Ausgangslage vor dem Auswärtsspiel der Schützlinge von Interimstrainer Sead Hasanefendic bei den Füchsen Berlin nicht sein. Auf der einen Seite der amtierende Vereins-Weltmeister aus der Hauptstadt, der sich mit 47:15 Punkten noch berechtigte Hoffnungen macht, dem Rekordmeister THW Kiel den dritten Tabellenplatz streitig zu machen, um sich damit für die Champions League zu qualifizieren. Auf der anderen Seite unsere Handballer, die nach der bitteren 21:26-Heimpleite im bergischen Derby gegen den Bergischen HC noch tiefer im Abstiegsstrudel stecken und nach dieser enttäuschenden Vorstellung verständlicherweise mental am Boden waren.

Aber nun gilt es, den Kopf nach vorn auf die restlichen drei Saisonaufgaben zu richten. Dies brachte auch Trainer Sead Hasanefendic unmittelbar nach dem Schlusspfiff in der erneut ausverkauften SCHWALBE arena - gewohnt pragmatisch - auf den Punkt: „Wir müssen jetzt tief durchatmen, gut schlafen, essen, trinken, und dann müssen wir uns auf die kommenden Aufgaben konzentrieren.“ Allerdings, die Chancen, dass dem VfL ausgerechnet in der Berliner Max-Schmeling-Halle der große Befreiungsschlag im Abstiegskampf gelingen sollte, sind nicht sehr groß. Jedenfalls liegt die Favoritenrolle ganz klar in den Händen der Truppe von Füchse-Trainer Milomir Petkovic, der im vergangenen Dezember den entlassenen isländischen Coach Erlingur Richardsson ablöste.
Aber in der aktuellen Situation geht es auch nicht um eine mögliche Überraschung in der Bundeshauptstadt, sondern im Handball-Basics. Mit einer guten Leistung in Berlin kann sich der VfL neues Selbstvertrauen für das letzte Heimspiel gegen Frisch Auf! Göppingen holen, denn darauf kommt es an. Es ist und bleibt ein Kampf gegen die Verunsicherung. „Ich habe eine Hektik in den Köpfen bemerkt“, erklärte Hasanefendic. Eine fehlende Selbstverständlichkeit, die das Team lähmt und dazu verleitet, falsche Entscheidungen zu treffen und einfach Fehler zu begehen, die in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Leistungspotenzial stehen. Diese Fehler gilt es am Mittwoch zu minimieren.
Ansonsten spricht derzeit nicht nur der Tabellenplatz für die Berliner, die ihre Ambitionen auf den dritten Tabellenplatz erst am vergangenen Samstag durch einen – allerdings schwer erkämpften und erst in der Schlussphase gesicherten – 29:27 (13:13)-Sieg beim abstiegsgefährdeten TVB Stuttgart unter Beweis stellten. Dabei war es am Ende die Füchse-Flügelzange mit Rechtsaußen Hans Lindberg und seinem Antipoden auf dem linken Flügel, dem Isländer Bjarki Elisson, die mit acht bzw. sechs Toren diesen Auswärtssieg unter Dach und Fach brachten. Petkovic kann sich aber nicht nur auf seine pfeilschnelle Flügelzange verlassen. Glanzstück der Berliner ist zweifellos der Rückraum, der mit Weltklasseangreifern nur so bestückt ist.
Bei Namen wie dem letztjährigen Bundesliga-Torschützenkönig Petar Nenadic, dem Norweger Kent Robin Tönnesen oder dem kompletten Rückraum der deutschen Nationalmannschaft mit Paul Drux, Steffen Fäth und Fabian Wiede kann VfL-Coach Sead Hasanefendic natürlich nur vor Neid erblassen. Und dann ist da noch Nationaltorhüter Silvio Heinevetter, der zusammen mit dem Tschechen Petr Stochl eins der stärksten Torhüter-Gespanne in der HBL bildet, der an einem guten Tag sein Gehäuse buchstäblich vernagelt und ein Spiel fast allein entscheiden kann.
Trotz der vielen klangvollen Namen wurden die Füchse-Verantwortlichen um Geschäftsführer Bob Hanning erst im März noch einmal auf dem Spielermarkt aktiv. Als Reaktion auf die Verletzung des Ex-Gummersbacher Drago Vukovic wurde kurzfristig der serbische Rückraumspieler und Abwehrspezialist Drasko Nenadic, übrigens ein Bruder von Torjäger Petar Nenadic, verpflichtet.
Trotz dieses Starensembles, das Trainer Petkovic auf das Parkett schicken kann, sollte der VfL die Reise an die Spree aber nicht mit dem Gedanken antreten, die Punkte dort kampflos herzuschenken (außerdem sollte der VfL im Abstiegskampf auch das Torverhältnis nicht aus den Augen verlieren). In diesem Zusammenhang sei nämlich an das Hinspiel in Gummersbach erinnert, als der VfL den auch damals hoch favorisierten Füchsen beim 26:26 ein verdientes Remis abrang.

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