Einen Modedesigner auf einem Literaturfestival erwarten vermutlich die wenigsten Besucher. Dass Mode und Bücher gar nicht so weit auseinander liegen, zeigt Karl Lagerfeld am 16. März in der Kölner Oper, wenn es heißt „Ich bin ein Papierfresser!“: In einem Interview wird der Modeschöpfer der Schriftstellerin Elke Heidenreich seine Liebe zu Büchern offenbaren. Am Tag darauf widmen sich bekannte Größen aus der Literatur- und Medienlandschaft der Virtuosität der Sprache: „Mit Roger Willemsen, Martin Wuttke, Barbara Buchholz, Kirsten Fuchs, Marcus Jeroch und Hakim Ludin durch die Nacht der Virtuosen“, so der Titel der Veranstaltung. Lyrisch und virtuos verspricht auch die Begegnung mit dem aktuellen Nobelpreisträger Tomas Tranströmer zu werden. Der schwedische Dichter hat sein Kommen zugesagt, obwohl er seit einem Schlaganfall an einem teilweisen Verlust der Sprache leidet. In Begleitung seiner Ehefrau und seinem deutschen Übersetzer möchte der Poet dennoch am Kölner Literaturfest teilnehmen.

Schnapsidee und Gummihund
Abseits der ‚klassischen’ Lesungen können Besucher der lit.Cologne an eigens von den Veranstaltern konzipierten Themenabenden zusammenkommen. So wird es zum Thema „Geld“ beispielsweise eine Veranstaltung mit dem Titel: „Trocken Brot und Schnapsideen“ geben: Jürgen Tarrasch, Fritzi Haberlandt und Joachim Lottmann klären über finanzielle Engpässe und Kreativlöcher der großen Schriftsteller (Goethe, Balzac) auf. Cordula Stratmann, Sandra Hüller und Lars Eidinger nehmen sich nach dem Motto „Hinterher weiß man immer mehr“ des Themas „Tod“ an und stellen fest, dass es nach dem Tod gar schlimmer kommen kann. Mit einem Abend zum Thema „Fetisch“ zeigt sich das Festival von seiner pikanten Seite: nach dem Motto „Ich bin so wild nach deinem Gummihund“ unternehmen Hannelore Hoger und Richy Müller eine literarische Expedition in die Welt des Fetischismus.

Muhammad – ein Punk-Rocker?
Neben deutschen Schriftstellern wie Christian Kracht – bekannt geworden mit den Büchern „Faserland“ und „Imperium“ – besticht die inzwischen zwölfte lit.Cologne mit einem Aufgebot von internationalen Autoren: so wird der nigerianische Priester Uwem Akpan aus seinem Buch „Sag, dass du eine von Ihnen bist“ vorlesen. Auch die mit dem Buchtitel „Die Tigerfrau“ bekannt gewordene Schriftstellerin Téa Obrecht hat ihr Kommen zugesagt. Sowie der amerikanische Autor Michael Muhammad Knight, der mit „The Taqwacores“ eine ganze Jugendbewegung in den USA ausgelöst hat: den Muslim Punk. Knight ist überzeugt: „Muhammad was a Punk Rocker“.

Schokoladentafel mit Pfotenabdruck
Ebenso wie die Großen werden auch die Kleinen bei dem jährlichen Literaturfest nicht zu kurz kommen: mit 45 Lesungen in deutscher, englischer, französischer und erstmals auch spanischer Sprache können Kinder und Jugendlich Abenteuer- und Detektivbüchern aus aller Welt erleben. Bei der Lesung von „Ein Fall für die schwarze Pfote“ von Benedikt Weber in der Bel Etage des Schokoladenmuseums soll nicht nur Spannung, sondern auch Genuss geboten werden: denn das Schokoladenmuseum hat speziell zur Lesung eine Schokoladentafel mit einem Pfotenabdruck kreiert. Für Jugendliche der 9. und 10. Klasse haben die Veranstalter eine Lesung von Martin Schäubles „Black Box Dschihad“ im Angebot: das Buch geht der Frage nach „Was macht Menschen zu Extremisten?“.

Ohne Barrieren
Um das Literaturfestival für alle barrierefrei zugänglich zu machen, arbeitet die lit.Cologne im nächsten Jahr eng mit Marita Reinecken, der Behindertenbeauftragten der Stadt Köln, zusammen. Gemeinsam mit den Veranstaltern hat sie ein Programm für Menschen mit Behinderung gestaltet. So werden beispielsweise viele der Lesungen von Experten in die Gebärdensprache übersetzt.

Infobox:
14. bis 24. März 2012
Internationales Literaturfest – lit.Cologne
Näheres zum Programm finden Sie hier

[il]

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