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Die IG Oben macht ab sofort Ernst. Nach Abschluss der Bürgerbeteiligung werde man sich nun verstärkt an die Öffentlichkeit wenden. Eine Tunnellösung sei an der Stelle viel zu teuer.

IG Oben will oberirdische Lösung für Ost-West-Achse

Köln | Am heutigen Freitag stellten die Mitglieder der Interessengemeinschaft Oben (IG Oben) ihre ersten Überlegungen zu einer alternativen Planung für die Ost-West-Achse vor. Basis ist ein Konsens der Stadtgesellschaft, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren.

In den vergangenen Monaten fand eine längere und intensive Bürgerbeteiligung von Stadt und KVB statt, deren Ergebnisse man erst einmal abwarten wollte, bevor man mit eigenen alternativen Vorschlägen für eine Verstärkung der Ost-West-Achse an den Start gehe, begründete Roland Schüler, Sprecher und einer der Initiatoren der IG Oben, die Zurückhaltung. Dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) ausgebaut werden müsse, steht für die Mitglieder der Interessengemeinschaft außer Frage. Die entscheidende Frage lautet: Muss an dieser Stelle eine unterirdische Lösung her.

Dass drei der großen politische Parteien (CDU, SPD und FDP) bereits eigene Tunnelvarianten in unterschiedlichen Aufwands in die Debatte einbrachte, zeige für Schüler, der als Parteiloser für die Grünen stellvertretender Bezirksbürgermeister in Köln-Lindenthal ist, dass die Parteien die Beteiligung im Grund gar nicht Ernst genommen haben. Lediglich die Grünen und die Linken haben in den zurückliegenden Debatten signalisiert, dass sie einer teuren Tunnellösung eher skeptisch gegenüberstehen.

U-Bahn-Bau macht nur unter bestimmten Voraussetzungen Sinn

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Dr. Jan Scheurer (links stehend) und Jörg Thiemann-Linden (sitzend) haben erhebliche Zweifel, ob die Ost-West-Achse wirklich unter die Erde muss. Das zeigt der Blick auf andere Städte und deren Planungen.

„Die U-Bahn ist eigentlich eine tolle Sache, gerade für verdichtete Großstädte“, weiß Dr. Jan Scheurer, der als Verkehrsexperte an gleich zwei Universitäten seiner australischen Wahlheimat Melbourne lehrt. Das Paradebeispiel sei für ihn die chinesische Metropole Shanghai. 1988 völlig ohne unterirdische Bahnverbindung verfügt das U-Bahn-System in Shanghai heute über eines der größten weltweit, gemessen an Streckenkilometern.

Für Scheurer, der seit knapp 15 Jahren in der wachsenden Metropole Melbourne seinen Lebensmittelpunkt hat, gibt es zwei gute Gründe für eine U-Bahn. Erstens, sie muss die Fahrzeiten für die Fahrgäste auf der Strecke verkürzen und zweitens muss sie neue städtische Siedlungsräume erschließen. Von der Kölner Idee, eine bereits bestehende U-Bahn-Linie einfach unter die Erde zu verlegen, hält er wenig. „Viel sinnvoller wären neue Lückenschlüsse wie etwa eine Rheinquerung zwischen Poll und dem linksrheinischen Kölner Süden.

Auch der Kölner Verkehrsplaner Jörg Thiemann-Linden ist kein Freund der unterirdischen Lösung. „Die bisherigen Kosten-Nutzen-Berechnung basierten auf der Annahme, dass der motorisierte Individualverkehr in der Zukunft weiter steigen wird. KVB und Stadt Köln täten gut daran, nicht alles auf eine Karte zu setzen“, so seine Empfehlung. Gemeint ist die Verstärkung der Ost-West-Achse und deren Ertüchtigung für so genannte „Langzüge“ mit 90 Metern Länge. Kurz vor der Sommerpause hat der Stadtrat dazu sein Plazet gegeben und damit mehr als eine halbe Milliarde Euro in die Erneuerung der Schienenfahrzeuge befürwortet (Report-k.de berichtete).

Kosten und Kapazitäten als kritische Faktoren

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Blick auf die Haltestelle Heumarkt. Sollte die Ost-West-Achse oberirdisch bleiben, müssten die Bahnsteige verlängert werden. Im unterirdischen Bauwerk ist das bereits eingeplant.

Auch die Kostenfrage könnte den Befürwortern einer oberirdischen Lösung in die Hände spielen. Denn die günstigste Variante der Tunnellösung ist mit rund 700 Millionen Euro noch immer fast drei Mal so teuer wie ein oberirdischer Ausbau. Der dürfte nach vorliegenden Kostenschätzungen immer noch bei rund 250 Millionen Euro liegen. Zwar muss die Stadt aus eigenen Mittel jeweils nur zehn Prozent beisteuern, die Gesamtkosten stammen dennoch zu 100 Prozent aus Steuergeldern.

Noch kritischer sieht es mit dem Fachpersonal aus, weiß Verkehrsplaner Thiemann-Linden aus eigener Erfahrungen. „Das Geld ist heutzutage gar nich mal der kritische Faktor“, so der Verkehrsexperte, der vor mehr als 30 Jahren selbst bei der Stadt Köln anfing und die damalige Renaissance des U-Bahn-Baus aus eigener Erfahrung kennt. Dabei denkt er an entsprechend notwendige personelle Ressourcen, die einen unterirdischen Bau entsprechend überwachen und deren Umsetzung kontrollieren müssen. Der Einsturz des Stadtarchivs am 3. März 2009 und seine aktuelle Beweisaufnahme vor dem Kölner Landgericht zeigt, wie wichtig erfahrenes Fachpersonal für eine solche Aufgabe ist.

Mehr Fahrgäste aus der Ost-West-Achse

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, ob es mit Langzügen tatsächlich gelingt, mehr Fahrgäste auf der meistbefahrenen KVB-Trasse zu befördern. Zwar ist die unterirdische Haltestelle Heumarkt bereits dafür eingerichtet, bei einer oberirdischen Lösung müsse man über günstige Zuwegungen nachdenken. Auch die Signaltechnik und die ganzen Abläufe vor Ort müssten neu organisiert werden. Bisher war es möglich, dass an der (oberirdischen) Haltestelle Neumarkt zwei Bahnen hintereinander hielten. Mit den geplanten 90-Meter-Zügen wird dies unmöglich. Allerdings bedarf es hier nach derzeitigem Stand der Dinge noch einer Sondergenehmigung.

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Erste Konzepte wollen den durch Rückbau frei werdenden Raum als Ruhezone zur benachbarten Schildergasse nutzen. Als Favorit gilt eine Boulevard-ähnliche Achse mit viel Grün.

Ebenfalls kritisch sieht Thiemann-Linden die dann notwendige Ertüchtigung der Haltestellen entlang der Ost-West-Achse der Linie 1. „Einige Haltestellen wie etwa die an der Kalker Post müsste wahrscheinlich komplett neu gebaut werden“. Und weil immer wieder Fahrtreppen ausfallen und teilweise monatelang stillstehen, dürfte auch der Punkt Barrierefreiheit ein weiterer wichtiger Aspekt sein, der den Befürwortern einer oberirdischen Lösung zupass kommt.

Insgesamt zeigten sich Schüler und seine Mitstreiter im heutigen Pressegespräch vorsichtig optimistisch. „Wir werden uns jetzt mit unseren Vorschlägen an die interessierte Öffentlichkeit wenden“, beschrieb Schüler das weitere Vorgehen. Neben Aktivitäten in den sozialen Medien und Plakatwenden bei Bürgerfesten und öffentlichen Veranstaltungen will man auch eigene Formate umsetzen. Dabei sind die Mitglieder der IG Oben nicht generell gegen den U-Bahn-Bau. Ihrer Meinung nach aber macht er an dieser Stelle keinen Sinn, stellten sie zum Abschluss der heutigen Präsentation klar.

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