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25072018_PferdKarneval

Festkomitee Kölner Karneval bleibt dabei: Pferde sind auch weiterhin im Rosenmontagszug händelbar.

Tierschützer klagen an: Festkomitee setzt Tierquälerei fort

Köln | Für Kölns närrische Reitercorps war es eine gute Nachricht: Auch im Rosenmontagszug 2019 dürfen sie mit Reit- und Zugpferden dabei sein. Doch von Tierschützern hagelt es Proteste. Von einer „Fortsetzung extremer Tierquälerei“ spricht etwa Claus Kronaus vom Netzwerk für Tiere Köln (NTK). Er fordert ebenso wie PETA ein Verbot.

Beim Rosenmontagszug 2017 war ein Pferd zusammengebrochen. In diesem Jahr gingen zwei Zugpferde durch, ihre Flucht forderte vier verletzte Menschen. „Sie wurden aus dem Kreis der Zuschauer beworfen oder beschossen“, erklärte Zugleiter Alexander Dieper, als er am Mittwoch die Entscheidung des Festkomitees Kölner Karneval verkündete, auch im nächsten Jahr wieder Pferde zuzulassen. Die Karnevalisten träfe am Vorfall von diesem Jahr keine Schuld, sie hätten alle Vorschriften eingehalten.

Staatsanwaltschaft widerspricht Festkomitee

Eine Aussage, die die Kölner Staatsanwaltschaft so nicht bestätigt. „Wir haben noch keine eindeutigen Beweise, dass die Pferde beworfen oder beschossen wurden“, sagte eine Sprecherin. Und schon gar keine Hinweise auf einen möglichen konkreten Täter.

Mit verschärften Vorschriften will das Festkomitee im nächsten Jahr den Stress für die Pferde, den auch Dieper nicht bestreitet, verringern. So soll auf den Tribünen die Musik ausgeschaltet werden, wenn Kutschen oder Reitercorps vorbeiziehen. Musikkapellen sollen nicht mehr unmittelbar vor oder hinter einer Reitergruppe marschieren.

Neue Regelungen fordern weniger Lärm, mehr Pausen

Schnelle Bewegungen sollen vermieden werden – verbunden mit dem Appell an die Zuschauer, kein Wurfmaterial mehr zurückzuschmeißen. Und erst recht nicht auf die Tiere. Ein Pferd soll nicht länger als neun Stunden im Einsatz sein – beginnend beim Einladen im Heimatstall bis zur Rückkehr dorthin. Auf ausreichend Pausen zum Fressen, Saufen und Pinkeln auf weicher Unterlage muss geachtet werden. Großer Wert wird auch auf das „vertrauensvolle Verhältnis“ der Menschen zu den Tieren gelegt, das bereits im Vorfeld aufgebaut werden soll.

Diese Regeln müssen von den 13 „reitenden“ Karnevalsgesellschaften unterschrieben, entsprechende Prüfungen der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) nachgewiesen werden. Verstöße können zum Ausschluss von Reiter und Pferd führen.

„Reine Augenwischerei“ nennt Peta die neuen Maßnahmen

„Reine Augenwischerei“ nennt Peta die neuen Sicherheitsmaßnahmen und fragt: „Seit wann darf ein Karnevalsverein über Fragen der öffentlichen Sicherheit entscheiden?“ Es sei längst erwiesen, dass Pferde in Extremsituationen – dazu zählt der Rosenmontagszug – unkontrollierbar seien. Die Tierschutzorganisation verweist auf ein Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz hin. Das stellte schon 1991 fest, dass unberechenbares Verhalten, etwa ein Ausbruch bei einem Karnevalsumzug, auch bei gewöhnlich „lammfrommen“ Pferden nicht ausgeschlossen werden könne.

Dieser Einschätzung schließt sich Kronaus, selber überzeugter Reiter, an und verweist auf zehn Fälle allein in den Monaten April bis Juni, in denen Pferde bei Veranstaltungen erschreckt wurden und durchgingen. Man müsse die neuen Richtlinien genau prüfen. Die Hannoveraner Tier-Verhaltensforscherin Willa Bohnet ist dem Veterinär und Geschäftsführer des Vereins „Ärzte gegen Tierversuche“ unbekannt. Mit ihr hat das Festkomitee die neuen Regeln erarbeitet.

Er deutet aber Zweifel an ihrer Kompetenz an und beruft sich auf Experten, die das Netzwerk zu einer Diskussionsveranstaltung im März eingeladen hat. Diese hatten sich mit Hinweis auf das nicht steuerbare Fluchtverhalten von Pferden alle gegen deren Einsatz bei Umzügen ausgesprochen. Eingeladen dazu waren auch die Karnevalsvereine – doch von ihnen war niemand erschienen.

Kölner Netzwerk: Festkomitee ist Tradition wichtiger als Tierschutz

Im Anschluss wandte sich das Netzwerk an den Ratsausschuss „Anregungen und Beschwerden“, um ein entsprechendes Verbot zu erreichen. „Ohne uns einzuladen, wurde das Thema in der April-Sitzung behandelt“, berichtet Kronaus. Noch vor wenigen Tagen habe er mit der OB über ein mögliches Verbot gesprochen. Das ausgerechnet an deren ersten Urlaubstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz das Festkomitee über seine Entscheidung informiere, sei ein deutlicher Affront.

„Das Festkomitee denkt nicht an die Tiere, wichtig ist ihm die Tradition des Karnevals“, fasst er zusammen. Die weitere Zulassung von Pferden sei „grob fahrlässige Ignoranz“. Sollte es zu einem neuen Unfall kommen, müsse man die Karnevalisten persönlich in Haftung nehmen. Als Reaktion auf die Kölner Vorfälle wurden in Düsseldorf ab nächstes Jahr der Einsatz von Kutschpferden verboten.

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